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Archäologen entdecken endsteinzeitlichen Töpferofen bei Döbbelin

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Von: Lisa Maria Krause

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Der Ofen ist noch an roten und schwarzen Stellen in den Erdschichten zu erkennen. Eine Archäologin steht im Loch und zeigt, wie tief der Stützpfosten in der Erde steckte.
Links ist der Töpferofen zu sehen, den die Archäologen bei Döbbelin auf der Autobahn-Baustelle gefunden haben. Überreste eines Pfostens rechts deuten darauf hin, dass später dort ein Holzhaus stand. © Krause, Lisa Maria

Auf der Baustelle der zukünftigen Altmark-Autobahn bei Döbbelin graben die Archäologen derzeit die Überreste eines Töpferofens aus. Für die Mitwirkenden und Historiker eine kleine Sensation: „Aus der Zeit ist das eigentlich nicht bekannt“, erklärt Grabungsleiter Dominik Petzold der AZ.

Döbbelin - Die dort gefundene Siedlung soll etwa aus 2000 vor Christus stammen, heißt aus dem Übergang vom Ende der Steinzeit zum Beginn der Frühbronzezeit. Funde von Töpfergefäßen aus dieser Zeit sind nicht ungewöhnlich, ein Herstellungsort allerdings schon.

„Das lässt sich sonst nicht nachweisen“, sagt Petzold. Wie spezialisiert die Töpfer aus dieser Zeit waren, konnte bisher nicht bestimmt werden. Es gebe kaum Vergleichsfunde. Petzold beschreibt den Töpferofen als ein Puzzleteil von dem großen Ganzen. Den Ton bezogen die Töpfer wahrscheinlich aus den umliegenden Wasserläufen. Spannend werde es, anhand der gefundenen Gefäßteile herauszufinden, welches Zusatzmittel sie benutzten. Besonders ist auch, dass nach der Abnutzung des Ofens ein Haus darauf gebaut wurde, wie Petzold anhand eines typischen Stützpfostens zeigt.

Laut Dr. Susanne Friederich, Abteilungsleiterin für Denkmalpflege im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, war der Boden dort sehr reichhaltig, gut geeignet für den Ackerbau. Not aufgrund von ausfallenden Bronzelieferungen aus dem Süden wurde abgefedert, indem die Siedler auf vertraute Materialien wie Stein zurückgriffen. Die Größe der Siedlung erlaubte es den Menschen aber auch, sich auf eine Arbeit zu spezialisieren, wie das Töpfern.

Petzold hockt neben einen kleinen Graben und hält den Stein hinein. Daneben sind Metallstäbe, die die 30 Zentimeter auseinander stehenden Pfosten des Hauses darstellen.
Grabungsleiter Dominik Petzold hält einen Stützstein dorthin, wo er zuvor zwischen den Pfosten eines Wohnhauses gelegen haben könnte. © Krause, Lisa Maria

Friederich schätzt auf eine Fläche von etwa 10 Hektar. Nur 7,5 Hektar davon werden tatsächlich aufgrund des Autobahnbaus von den Archäologen untersucht. Aktuell haben sie 3,5 Hektar Land erschlossen. Dennoch: Für die Altmark sind die Funde eine „ganz ganz tolle Sache“, wie Friederich findet. Zum ersten Mal wurde eine etwa zehn Hektar große Siedlung gefunden. Vorher sei das nicht erkennbar gewesen.

Ob diese Größe in der Region wirklich einmalig ist, bleibe abzuwarten, aber Friederich findet es schon einmal genial. Die Archäologen vermuten weitere Siedlungen in der Umgebung. „Eine richtige Eintagsfliege ist das hier nicht“, sagt Friederich zu der Frage, wie lange die Siedler hier lebten. Die Spezialisierung der Töpfer und Reparaturanzeichen an den Häusern ließen einige Zeit vermuten. Spekulieren wollen die Experten aber noch nicht.

Besonders ist für die Beteiligten auch, dass bei Döbbelin zwei Kulturen nebeneinander lebten. Davon zeugen die Reste zweier Häuser. Eines davon habe eine typische Bauweise – praktisch eine Schablone, wie Petzold sagt – eines Holzgebäudes, die die Siedler vermutlich aus dem Süden Sachsen-Anhalts mitbrachten.

Friederich hält einen Stein mit Abnutzungsrillen hoch.
Dr. Susanne Friederich zeigt einen Fund. Aufgrund der Einkerbungen vermutet sie eine Umlenkungsspule eines Brunnens dahinter. © Krause, Lisa Maria

Das zweite Haus hatte eine andere Bauweise mit Wandgräben. Dort trafen die altmärkische Kultur, bekannt als Schönfelder Kultur nach der Bismarker Ortschaft, und die der Frühbronzezeit aufeinander. Das sei bei dieser Grabungsstätte das erste Mal erkennbar, sagt Friederich.

Ein weiterer Fund überraschte die Archäologen: Außerhalb eines der Wohnhäuser wurden Überreste zweier Speicher gefunden. Sie wurden auf 50 Zentimenter dicken Pfosten errichtet, wahrscheinlich als abgehobene Plattform, vermuten die Experten. Lebensmittel könnten darin aufbewahrt worden sein, zum Schutz vor den Mäusen.

Die Gruppe – eine von dreien neben den Teams, die bei Möringen und bei Schernikau arbeiten – hofft auf weitere spannende Erkenntnisse von diesem Grabungsort. Vielversprechend ist für sie eine Feuchtrinne. Im Unterschied zum umliegenden kalkreichen Boden könnte sich darin auch Organik erhalten haben. Damit sei es auch möglich, noch weiter in die Vergangenheit zu blicken, sagt Friederich.

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