120 Jahre alt: Heimatfreunde rücken rostigen Friedhofsfund ins Licht

Bismarker Flobert-Waffe kommt hinter Glas

Bismarks Vereinsvorsitzende Ruth Rothe zeigt eine mutmaßliche Flobert-Waffe. Dem rostigen Friedhofsfund fehlt der Schaft.
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Ruth Rothe zeigt das Fundstück vom Friedhof. Das rostige Teil ist mehr als einen halben Meter lang und ist alles andere als federleicht. Die Waffe soll in der Heimatstube an der Breiten Straße in Bismark ausgestellt werden. Der Schaft fehlt.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Nach einigem Überlegen scheint nun klar: Bismarks Heimatfreunde können die sogenannte Flobert-Waffe behalten und ausstellen. Das rostige Schussgerät soll mehr als ein Jahrhundert alt sein und wurde kurz vor Ostern auf dem Friedhof gefunden.

Bismark – Die vor Ostern auf dem Bismarker Friedhofsgelände gefundene vermutliche Flobert-Waffe soll in eine Vitrine hinter Glas. Stimmt die Einordnung, dürfte es sich mehr um eine „Allerweltswaffe in ihrer Zeit“ handeln. Für Ruth Rothe, die Vorsitzende des Heimatvereins, hat das gut 120 Jahre alte Teil dennoch seinen historischen Wert. „Es ist ein Stück Lokalgeschichte.“ In der Heimatstube im Bürgerhaus finden sich außer noch älteren Musketenkugeln keine vergleichbaren Ausstellungsstücke. Und natürlich: Schon allein der Fundort bietet einigen Stoff für spannende Erzählungen. „Wir bewegen uns damit schließlich in einer ganz anderen Zeit und sehr wahrscheinlich noch vor dem Ersten Weltkrieg.“

Vereinschefin sieht lokales Gewicht

Die Waffe liegt nicht sonderlich leicht in der Hand und das nicht allein, weil der Schaft aus Holz fehlt. Das Fundstück vom Friedhof besteht aus Eisen und ist von Rost überzogen. „Es geht schon locker auf ein Kilogramm zu“, schätzt Rothe im Gespräch mit der AZ. Ein Maßband ist zur Hand, knapp 55 Zentimeter sind es in der Länge. Funktionstüchtig scheint an diesem Teil nichts mehr. Und nein, unter das Waffengesetz falle es auch nicht. Im klassischen Sinne liege in Bismark auch kein archäologisches Stück vor. „Wir dürfen und haben ja auch keine Grabung vorgenommen“, kennt die altmärkische Heimatfreundin die Spielregeln genau. Ein etwa fingergroßer Streifen hat sich gelöst und liegt daneben.

Teil zunächst für Schrott gehalten

Bei der Einordnung des Fundstücks half auf Anregung von Vereinsfreundin Renate Pieper der Bismarker Militaria-Sammler Dietmar John. Zudem recherchierte Rothe im Internet. Alles zusammen ergab das aktuelle Bild. Flobert-Waffen sind nach Louis Nicolas Flobert, dem Erfinder der als Flobert bezeichneten sogenannten Einheitspatrone, benannt. Flobert-Gewehre stellen sozusagen die Vorläufer heutiger Wettkampfwaffen dar. Sie wurden vornehmlich als Übungs- und Ausbildungswaffen verwendet. Für die Jagd und den militärischen Einsatz waren Flobert-Waffen demnach weniger geeignet. „Sondern eben eher für den Schießsport im kleineren Rahmen“, erläutert die Vereinsvorsitzende.

Militaria-Objekte bislang wenige

Gefunden wurde die Waffe auf einer Wiese nahe dem Friedhofsausgang. In dem Bereich waren zuletzt Baumstümpfe entfernt worden. Rundum befanden sich einst etliche Grüfte. Die 71-Jährige vermutet, dass das Schießwerkzeug einem Grab beigegeben war. Rothe, auch Ortsbürgermeisterin, hatte bei ihrem morgendlichen Rundgang um Bismarks Wahrzeichen Goldene Laus, Reste einer Wallfahrtskirche, und den Kräutergarten des Vereins für ein Gespräch gestoppt. „Herr Schütte und ich sahen ein Rohr und wollten es einfach herausholen, damit es bei Mäharbeiten zu keinen Problemen kommt.“ Der Mann bringe hin und wieder Schrott weg und hätte das Teil dann mitgenommen. Beim Herausziehen zeigte sich das Teil als recht widerspenstig und länger als gedacht.

„Da hing mehr dran als angenommen, in mehrfacher Hinsicht.“ Ein bloßes Rohr war es nicht, sondern ein recht strukturiertes und kompaktes Etwas. Noch vor Ort wurde es von Erde befreit. „Dann war eigentlich schon klar, dass es der Teil einer Waffe war.“ Und dass er auch ob seiner vermuteten Geschichte nicht auf die Schrotthalde gehöre. Weiter großartig gesäubert werden soll das Fundstück nicht. Es möge möglichst in diesem Zustand irgendwann im Sommer oder etwas später fester Bestandteil der Ausstellung in der Heimatstube werden. „Weil wir dort ein solches Objekt tatsächlich noch nicht haben, ist es für uns schon besonders und meinetwegen wegen des ganzen Drumherums auch ein wenig mysteriös“, sagt die 71-Jährige und lächelt.

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