Zahl der toten Tiere steigt auf 19

Schäfer aus der Altmark: „Die Wolfsfreunde sollten mal die toten Lämmer sehen“

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Hinter dem Haus von Siegmar Wilde in Reddigau weiden noch verbliebener Schafe. Zwei Tiere sind weiterhin verschwunden und konnten nicht gefunden werden. Fotos (2): zuber

Reddigau / Schadeberg – Auch gut eine Woche nach dem augenscheinlichen Wolfsübergriff auf einer Weide im Diesdorfer Ortsteil Schadeberg hat sich Schock bei dem betroffenen Schäfer Siegmar Wilde kaum gelegt.

Die Zahl der toten Tiere ist mittlerweile von 18 auf 19 gestiegen. Zwei weitere Schafe sind nach der grausamen Rudel-Attacke verschleppt worden. Sie sind trotz intensiver Suche nicht auffindbar und wie von der Bildfläche verschwunden. Sechs Tiere sind verletzt und wurden unter anderem mit Penicillin behandelt. Die Mutterschafe sind durch Bisse in die Kehlen getötet worden (AZ berichtete).

Mit einem riesigen Transparent und einer eindeutigen Protest-Botschaft darauf versucht Siegmar Wilde das Erlebte zu verarbeiten: „Wolf, nein danke!“, steht in großen Buchstaben darauf. Das Transparent hat der Hobbyschäfer auf seinem Grundstück hinter dem Haus aufgestellt. Gleich daneben weidet das Dutzend der verbliebenen Schafe. Dass Wölfe das blutige Massaker am 16. Dezember auf der Weide bei Schadeberg angerichtet haben, ist für Wilde so gut wie sicher. Dafür braucht er weder ein Wolfskompetenzzentrum noch eine DNA-Untersuchung.

„Die sogenannten Wolfsfreunde sollten sich mal allesamt die ungeborenen, blutigen toten Lämmer in den Mutterleibern meiner Schafe ansehen“, wütet Wilde gegen den beständig hohen Schutzstatus für das Raubtier. Dass Isegrim sich in Deutschland ungehindert und unbejagt massenhaft weiter vermehren kann, ist für den Reddigauer völlig unverständlich. Dieser Wolfs-Luxus koste jede Menge Geld: Jagdgebiete verlieren an Wert, weil Canis Lupus die Bestände an Damwild, Rehwild und Muffelwild dezimiert. Schäfer müssen mit teuren Elektro-Zäunen und jeder Menge Zubehör aufrüsten, Wildunfälle nehmen überhand, wenn Wolfsrudel an Bundesstraßen ihre Beute zusammen treiben, Schafsübergriffe häufen sich und nicht zuletzt verursachen Entschädigungen und die „Wolfsbürokratie“ in Form von Wolfskompetenzzentren wie zum Beispiel in Iden zusätzliche Kosten für den Steuerzahler.

Neue Zäune

„Erst kürzlich habe ich 1000 Euro in neue Elektrozäune und Batterien investiert. Die Arbeit des ständigen Auf- und Abbauens auf den Weiden kommt hinzu“, erklärt der Schäfer. Ob er aufgeben will? „Ich weiß es nicht. Ich hänge so an meinen Schafen.“ Viel Geld bringe die Hobbyschäferei ohnehin nicht ein. Wolle sei kaum mehr gefragt und Länder wie Rumänien oder England üben zudem Kostendruck bei Verkauf von Lämmern auf den europäischen Markt aus. „Lämmer bringen also kein Geld mehr. Damit habe ich meine Zucht sonst immer noch finanziert“, erläutert Siegmar Wilde.

Billiges Lammfleisch

Der Schäfer setzt gerade in Zeiten des Klimawandels auf die Erzeugung von regionalen Produkten und könnte wütend werden, wenn er in Supermarktregalen billiges Lammfleisch aus Neuseeland entdeckt. Erst vor Kurzem hörte Siegmar Wilde von 41 totgebissenen Heidschnucken-Schafen in der Lüneburger Heide: „Der Wolf wurde etwa um 1850 ausgerottet. Wir sind jetzt aber 150 Jahre weiter in einer Kulturlandschaft. Man kann doch die Zeit nicht zurückdrehen“, argumentiert der Schäfer.

Peter Oestreich vom altmärkischen Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) war nach dem Übergriff vor Ort in Schadeberg. Er nahm von den toten Schafen genetische Proben. „Ich erwarte etwa Ende Januar die Ergebnisse“, sagt Siegmar Wilde der Altmark-Zeitung im Gespräch. Ungewiss ist also für ihn weiterhin die Erstattung des Schadens – auch durch die Tierseuchenkasse. Hinzu kommen die Aufwendungen für den Abdecker. „In acht Wochen wäre die Geburt meiner Lämmer gewesen“, sagt Siegmar Wilde traurig.

VON KAI ZUBER 

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