Aus eins mach sechs: Aktivisten wollen keine Anlagen neben dem Kranichnest

Windrad Nr. 2: Im Jeetzetal stehen die Zeichen auf Sturm

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Jörn Thaute (l.) und Enrico Lehnemann von der Bürgerinitiative „Pro Jeetzetal“ wollen kein einziges Windrad in Siedenlangenbecks Naturreservoir.

Siedenlangenbeck. Der Windenergieanlagenhersteller Enercon, der bei Siedenlangenbeck sechs Windkrafträder aufstellen wollte, hat seinen Antrag auf immissionsschutzrechtliche Genehmigung beim Altmarkkreis zurückgenommen.

Dadurch wurden auch die Baulastverfahren vom Kreis eingestellt.

Doch für Jörn Thaute und Enrico Lehnemann von der Bürgerinitiative (BI) „Pro Jeetzetal“ ist das noch lange kein Grund zur Freude. Denn: Die Enercon hat zugleich eine Vor-anfrage für ein einziges Bauwerk gestellt. Es handelt sich um das ursprünglich ins Auge gefasste Windrad Nr. 2 in dem Siedenlangenbecker Windvorranggebiet. Knapp 186 Meter soll dieses hoch werden.

Die BI-Aktivisten vermuten, dass die Enercon nach dem strammen Gegenwind, der ihr aus Siedenlangenbeck entgegenbläst, nun ein einzelnes Verfahren durchpeitschen will, um die übrigen Windräder dann später problemloser nachziehen zu können. Denn ein Sechs-Rad-Verfahren würde bei einem Scheitern vor Gericht wesentlich mehr Geld kosten, sind sich Thaute und Lehnemann sicher.

Die BI äugt deshalb argwöhnisch in Richtung Landratsamt. Denn nach ihrer Auffassung wäre auch der zurückgezogene Enercon-Antrag gescheitert. Ihre Argumentation untermauern die BIler mit dem gewichtigen Hinweis auf den Naturschutz. Denn im Siedenlangenbecker Jeetzetal leben und brüten viele und geschützte Vögel.

Einen anderen Grund für das bisherige Scheitern eines Sechs-Räder-Winkraftparks sehen Thaute und Lehnemann auch in der Zuwegung. Denn diese führt über öffentliche, private und Separationswege. Der Hemmschuh: Die Gemeinde Kuhfelde hatte ihr Einvernehmen versagt, womit die Zufahrt – zumindest auf dem Teil, der öffentlicher Weg ist – schon mal futsch war, resümieren die BIler.

Nun geht es nur noch um Windrad Nr. 2. Jörn Thaute schüttelt nach einem Blick auf die Karte den Kopf und tippt sich an die Stirn. „Das steht ja auch fast vor dem Kranich“, stimmt er die Naturschutzfrage wieder an. Um Windkraftvorhaben ein für alle Mal vom Tisch zu bekommen, fordern die Aktivisten das Windkraftvorranggebiet ganz und gar aus dem Regionalen Entwicklungsprogramm herauszunehmen.

Doch nun geht erst einmal wieder alles von vorne los – mit Windrad Nr. 2. Der Gemeinderat Kuhfelde hat die Enercon-Vorbescheidsanfrage während seiner nächsten Sitzung in Siedenlangenbeck am Dienstag, 10. April, ab 19 Uhr auf dem Tisch. Allerdings als Grundstücksangelegenhalt – also nicht öffentlich, so Bürgermeister Frank Leskien. Und auch in der Einwohnerfragestunde sind zu der Windkraftanlage keine Fragen gestattet. Denn laut Gemeindeordnung dürfen keine Themen, die in der jeweiligen Sitzung besprochen und beschlossen werden sollen, hinterfragt werden, damit das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten nicht beeinflusst wird.

Von Holger Benecke

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