Fichte verschwindet / Suche nach resistenten Bäumen

Der Wald stirbt viele Tode – Förster erläutern die Ursachen

Geführte Wanderung durch den Wohld: Dutzende interessierte Bürger nutzten die Gelegenheit, um sich von den Forstexperten aus erster Hand die aktuellen Probleme der Waldeigentümer erläutern zu lassen.
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Geführte Wanderung durch den Wohld: Dutzende interessierte Bürger nutzten die Gelegenheit, um sich von den Forstexperten aus erster Hand die aktuellen Probleme der Waldeigentümer erläutern zu lassen.

Diesdorf/Dähre – Es ist ein Kampf an vielen Fronten, den Förster und Waldbesitzer derzeit im Feldzug gegen diverse Stressfaktoren führen, die ganze Bestände gefährden oder sogar vernichten.

Försterin Barbara Fischer zeigt die Schädlinge, die die Bäume zusätzlich zum Hitzestress plagen.

Der Wald stirbt viele Tode und das derzeitige Sterben ist zu einem sehr komplexen und vielschichtigen Prozess geworden, dessen Auslöser eng ineinander greifen. Die Förster Matthias Schmidt sowie Barbara und Roland Fischer erklärten während einer geführten Wanderung zwischen Diesdorf und Dähre die Ursachen. Fazit: Die Feuchtigkeit liebende Fichte verschwindet fast ganz aus den heimischen Forsten, Eichen, Buchen und sogar zuweilen Kiefern haben einen schweren Stand. Trockenheit, Pilze und Fraßschädlinge stressen die Bestände nachhaltig. Die Suche nach resistenten Bäumen ist in vollem Gange.

„Holzpreise im Keller“

„Die Holzpreise sind im Keller und die Baumschulen kommen mit den Züchtungen wegen der hohen Nachfrage kaum noch hinterher“, sagt die Diesdorferin Barbara Fischer. Selbst ihre langjährigen Erfahrungen als Försterin stellten sie angesichts der zunehmenden Stressfaktoren für den Wald in den vergangenen Jahren vor völlig neue Herausforderungen.

Ähnlich geht es auch ihrem Kollegen, dem Revierförster Matthias Schmidt, der vom Forstbetrieb Altmark das große Revier Salzwedel bewirtschaftet. Auch er musste in Folge des Totalausfalls an Fichtenbeständen riesige Flächen beräumen lassen. „Trotzdem wollen wir versuchen, auch in Zukunft nicht gänzlich auf die Fichte verzichten“, sagt der Fachmann.

Anpflanzungen von trockenheitsresistenten Robinien-Beständen, Douglasien, Tannen oder weiteren stressunempfindlichen Arten sind in Sachen Waldumbau bei den Forstwirten gefragt. Laut Barbara Fischer wird daher auch in den kommenden Jahren sowohl die Zucht als auch die Auffrischung der Saatgutbestände für resistente Bäume immer wichtiger.

Bereits nach dem massiven Borkenkäfer-Befall 2018 mussten auch im Revier Salzwedel hunderte Festmeter Fichte beräumt werden. Weil im Harz der Schaden in die Dimensionen von hunderten geschädigten Hektar Wald geht, ist der Markt aktuell mit dem Holzangebot in diesem Preis- und Qualitätssegment mehr als überschwemmt. „Mitunter kriegen wir als Förster nicht einmal das Geld für Flächenberäumung wieder rein – kostendeckend oder gar gewinnbringend ist der Waldanbau hier nicht, zumal noch die Kosten für die Wiederaufforstung hinzu kommen“, betonten die Förster.

Riesige Monokulturen

Die Fichte als Flachwurzler ist der Dürre am schlimmsten ausgeliefert. Doch ihr Holz ist in der Bauindustrie gefragt. Daher entstanden in den vergangenen Jahrzehnten diesbezüglich auf vielen Flächen riesige Monokulturen, die nun kurzfristig schwierig in Mischwälder umzuforsten sind.

Barbara und Roland Fischer sowie ihr Kollege Matthias Schmidt zeigen beim Waldrundgang im Diesdorfer Wohld die Schädlinge, die die Bäume zusätzlich zum Hitzestress plagen. Es sind unter anderem die so genannten Buchdrucker mit ihren typischen Fraßbildern hinter der Baumrinde, der Kupferstecher und die verschiedenen Borkenkäfer. „Ihre Fressfeinde, wie etwa die Spechte, laben sich an ihnen derzeit dick und satt. Doch so viele Spechte wie Schädlinge gibt es leider nicht“, betont Barbara Fischer. Der Waldumbau hin zu resistenten Mischkulturen wird Jahrzehnte brauchen, machten die Forstexperten den Wanderern bei der Führung deutlich. VON KAI ZUBER

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