Vermeintlicher Tierschützer überließ Pferde auf seinem Hof sich selbst / Tierheim: „Von nichts gewusst“

Verwahrlost, abgemagert und tot

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Der stark verweste Kadaver eines Pferdes auf einem Hof in Lüdelsen.

Lüdelsen. Beißender Gestank nach Verwesung, völlig abgemagerte Pferde und eine Pferdeleiche – die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland musste nun in Lüdelsen Alarm schlagen:

Für ihre mehrmonatige Abwesenheit habe eine Pferdehalterin ihre Pferde dem Allgemeinen Tierhilfsdienst Ahlum anvertraut. Nach ihrer Rückkehr Anfang Dezember musste sie mit Entsetzen feststellen, dass der verantwortliche Mitarbeiter die Tiere verwahrlosen ließ. Die in Lüdelsen untergebrachten Pferde waren bis aufs Skelett abgemagert. Eines von ihnen musste wegen Unterernährung eingeschläfert werden, ein weiteres war tot. Drei Pferde, so teilte gestern PETA-Mitarbeiter Bartek Langer mit, werden noch vermisst. Die Pferdehalterin, die PETA über die Missstände in Kenntnis gesetzt hatte, erstattete nun Anzeige gegen den Mitarbeiter, der regelmäßig Pferde und Kleintiere in Abwesenheit ihrer Halter versorgte.

Inzwischen haben Polizei und die zuständige Amtstierärztin Ermittlungen aufgenommen. Sowohl auf dem Hof als auch bei dem vermeintlichen Tierfreund finden derzeit Durchsuchungen statt. Die Amtstierärztin wurde mit der Entnahme von Proben betraut. Ein schnelles Durchgreifen seitens der Behörden, so teilt PETA mit, sei notwendig. Denn es würden sich noch zahlreiche weitere Tiere in der Obhut des Tierquälers befinden.

Auf der Homepage des Tierhilfsdienstes bestätigte Vorstandsvorsitzende Ursula Lohse, dass die Gerüchte im Umkreis des Tierheimes in Ahlum „leider wahr sind“. Seit Dezember 2010, so berichtet die Tierheimchefin, war ein junger Mann beim Tierhilfsdienst beschäftigt, der bei seiner Einstellung einen sehr guten Eindruck gemacht habe. „Wer den Mann kennengelernt hat, der weiß, dass er wirklich sehr überzeugend wirkt und sich gut und vertrauenserweckend geben kann. So haben wir ihm bald vertraut und ihn mit der Betreuung der Pferde des Tierheimes beauftragt. Das hat er auch den Sommer über ganz gut gemacht“, so Ursula Lohse. Irgendwann im Sommer habe der Mitarbeiter dann privat noch eine weitere Aufgabe übernommen, nämlich die Betreuung von Tieren auf einem Hof in Lüdelsen. „Wohlgemerkt, er privat, nicht im Auftrag des Tierheimes. Wir hatten damit zu keinem Zeitpunkt etwas zu tun“, unterstreicht die Vorstandsvorsitzende. Vielmehr sei der Mann dringend davor gewarnt worden, sich privat noch mehr Arbeit aufzulasten. Schließlich hätte er genug mit den zehn Pferden zu tun gehabt, die er im Auftrag des Tierheimes betreut habe. Bis Ende August seien alle Pferde, also die Tierheimtiere und die privaten Tiere, auf verschiedenen angemieteten Koppeln draußen gehalten worden. Fotos aus der Zeit würden den guten Zustand aller Tiere beweisen. Danach, so die Tierheimleiterin, sei die Herde geteilt und teils in Lüdelsen, teils in Hanum untergebracht worden. Heu, Silage und Stroh seien vom Tierheim gekauft worden und standen in großen Mengen zur Verfügung.

Die Ernüchterung über den Mitarbeiter kam in der ersten Dezember-Woche. „Am 7. Dezember erhielt ich morgens einen Anruf von einem Tierarzt, der auf dem Hof in Lüdelsen einen Schimmelhengst einschläfern musste. Ein total abgemagertes Tier, die anderen Pferde sahen nicht viel besser aus“, so Ursula Lohse. Zu diesem Zeitpunkt haben auch vier Pferde des Tierheimes Ahlum in Lüdelsen gestanden, die aus einer kürzlichen Beschlagnahme stammen. „Wir haben unsere Tiere sofort dort weggeholt. Um die anderen Tiere auf seinem privaten Hof kümmert sich jetzt das Veterinäramt“, so die Vorstandsvorsitzende. Das Arbeitsverhältnis mit dem jungen Mann sei sofort beendet worden.

„Ich selbst mache mir Vorwürfe, den jungen Mann nicht genügend überwacht und ihm vertraut zu haben. Der Vorfall kommt mir noch immer unwirklich vor. Ich kann nicht begreifen, wie ein Mensch so aus zwei Teilen bestehen kann. Auf der einen Seite der engagierte Mitarbeiter, der fleißig und mit großem Einsatz da ist und auf der anderen Seite der Mensch, der zusehen kann, wie Tiere buchstäblich im Dreck verkommen und verhungern“, bedauert Ursula Lohse.

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