Wiewohler kaufte der Gemeinde Dähre Trafo-Gemäuer von 1911 ab

Ein Turm für einen Euro

Turmbesitzer Manfred Schröder bei der jüngsten Baumpflanzung vor seinem neu erworbenen historischen Gemäuer aus dem Jahre 1911.
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Turmbesitzer Manfred Schröder bei der jüngsten Baumpflanzung vor seinem neu erworbenen historischen Gemäuer aus dem Jahre 1911.

Wiewohl / Dähre – Seit wenigen Monaten gibt es in der Gemeinde Dähre nun zwei private Turmbesitzer. Zum Dahrendorfer Grenzturm-Eigentümer Rainer Axmann gesellt sich als Turmherr nun der Wiewohler Manfred Schröder dazu.

Den Turm gab es für einen symbolischen Preis von einem Euro. Denn Schröder kaufte der Gemeinde Dähre das kleine Trafo-Gemäuer ab. „Weil das Grundstück der Kommune gehörte, fiel das Areal vom Energieversorger Avacon wieder an die Gemeinde zurück“, erklärte Dähres Bürgermeister Bernd Hane der AZ auf Anfrage.

Altes Gemäuer mit neuer Funktion: Bei Dorffesten soll der Turm auch künftig als Ausstellungsraum für die aktualisierte Ortschronik genutzt werden.

Der Trafoturm Wiewohl wurde etwa im Jahre 1911 zur Erstversorgung des Ortes mit elektrischem Strom erbaut. „Elektrisches Licht kam damals in alle Wohnhäuser und Stallungen, zur Straßenbeleuchtung, zum Antrieb von stationären und mobilen Motoren und von Wasserpumpen“, erläuterte Turmbesitzer Manfred Schröder. Für den Ort seinerzeit ein Fortschritt, denn feuergefährliche Kerzen und Stalllaternen verschwanden damit allmählich. Mit seinem Standort in der Wiewohler Ortsmitte war das Backstein-Bauwerk von nahezu allen Häusern sichtbar. Wie bei öffentlichen und amtlichen Gebäuden üblich, wurde mit Handwerkskunst am Bauwerk nicht gegeizt. So gab es mit gemauerten Zierbereichen schon einen kleinen Hingucker im Dorf.

Dann erzählte Schröder von seiner Motivation zum Kauf: „Inspiriert wurde ich durch meinen Arbeitskollegen Uwe Hundt vom Naturerbeverein in Vissum. Als Ortschronist von Wiewohl war es mir zudem ein besonderes Anliegen, dieses Baudenkmal für nachfolgende Generationen zu erhalten und den Turm weiterhin markant für den Ort sichtbar bleiben zu lassen“, so der Neu-Eigentümer.

Vor der Übergabe wurde darauf geachtet, dass die ursprüngliche Nutzung noch sichtbar bleibt: Einige Isolatoren wurden ganz bewusst nicht entfernt. Auch im Inneren sind noch Reste der einstigen Ausstattung verblieben. Anlässlich des Kaufs kam es zur ersten Kontaktaufnahme mit dem Dährer Bürgermeister Bernd Hane bereits am 4. April 2018. Zu dem eigentlichen Kauf für einen Euro kamen jedoch noch erhebliche Kosten für Vermessung und Notar. Der neue Dorf-Trafo wurde mitsamt Häuschen am 29. Juni dieses Jahres errichtet und schon wenige Tage später in Betrieb genommen. Alle Freileitungen wurden entfernt und durch Erdkabel ersetzt. In einigen Wiewohler Häusern musste auch der Hausanschluss erneuert werden.

Wichtig ist dem neuen Turmherr die praktische Nutzung der Immobilie. Schröder hat bereits diverse Nistmöglichkeiten für Vögel montiert. Geplant ist außerdem noch ein Insektenhotel. Der Turm diente während der diesjährigen 777-Jahr-Feier von Wiewohl als Ausstellungsraum für Fotos zur Dorfgeschichte. Bei Dorffesten soll der Turm auch künftig als Ausstellungsareal für die aktualisierte Ortschronik genutzt werden. Das Dorflogo auf der Eingangstür erinnert mit der Jahreszahl 1242 an die erste urkundliche Erwähnung des Ortes.

VON KAI ZUBER

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