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Traumatisierte ukrainische Flüchtlinge liebevoll in Waddekath aufgenommen

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Von: Kai Zuber

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Helferin Katarzyna Koch (2.v.l.) aus Waddekath mit den ukrainischen Flüchtlingen. Die gebürtige Polin und Pferdezüchterin kann sich mit den Gästen gut verständigen. © Kai Zuber

Larysa und Zinovii Farbitnyk sowie Vasyl Chernichenko haben viel durchgemacht. Am 22. März kamen die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine nach langer Flucht über Hamburg mit ihrem VW Jetta endlich in Waddekath an.

Waddekath. Seitdem hat sich viel getan in dem Diesdorfer Ortsteil. Eine Welle der Hilfsbereitschaft rollte an, wie Katarzyna Koch aus Waddekath beschreibt. Die Pferdezüchterin stammt aus Polen und kann sich daher recht gut auf Ukrainisch verständigen.

Die traumatisierten ukrainischen Kriegsflüchtlinge wurden liebevoll in Waddekath aufgenommen. „Es gab Hilfe aus dem ganzen Dorf. Viele haben hochwertige Bedarfsgüter gespendet und gekauft. Dann wurden die Gäste nach Wittingen zur Tafel gefahren, damit sie ihr mitgebrachtes Geld sparen können“, erklärte die Waddekatherin, die gemeinsam mit Ehemann Heiko in Windeseile ein Haus wohnfertig gemacht hatte, das eigentlich vermietet werden sollte.

Auch Nachbarin Andrea Grieskamp engagierte sich für die Flüchtlinge und Daniel Rieck aus Diesdorf organisierte eine kostenlose Telefonkarte, damit die Gäste mit ihren Angehörigen in Kontakt bleiben können. Im Gespräch mit der Altmark-Zeitung erklärten die Ukrainer, warum nur verhältnismäßig wenige Kriegsflüchtlinge nach Deutschland wollen.

Da gebe es neben der Sprachbarriere auch noch eine gewisse Angst von dem Unbekannten und auch das eine oder andere Vorurteil, hieß es. Familie Koch zeigt sich noch heute gerührt von den Bildern der Ankunft: „Die Ukrainer hatten nur ein paar hastig zusammengepackte Taschen dabei. Vasyl Chernichenko hielt im Auto krampfhaft irgend einen Stuhl auf seinem Schoß fest umklammert. Warum, das wusste keiner. Dann hatten sie ausgerechnet vier zerbrechliche Sektgläser aus der Ukraine mitgebracht, die ihnen offenbar besonders wichtig sind. Das alles trieb uns die Tränen in die Augen“, beschreibt Heiko Koch.

Mithilfe einer WhatsApp-Gruppe wurde binnen von zwei Tagen rings um Waddekath Hilfe zusammen getrommelt, auch Möbel wurden gekauft. Die Flüchtlinge revanchierten sich in Haus und Garten und wollten die Helfer aus lauter Dankbarkeit sogar bekochen.

Mit Verwunderung registrierten die Gäste, dass in Waddekath wegen eines Blackouts wieder einmal die Lichter ausgingen. „Stromausfall gibt es in der Ukraine aber nicht“, meinten die Kriegsflüchtlinge daraufhin sichtlich erstaunt. Vor einigen Tagen war nahe ihres Wohnortes ein Raketengeschoss eingeschlagen, was natürlich für Beunruhigung sorgte.

Daher sei für die Neu-Waddekather die tägliche Lagemeldung im Telefonat mit Bekannten das Wichtigste. Immer kommt dann die bange Frage: Steht unser Haus noch? Doch eines machten die Gäste vom ersten Tag an klar: „Bleiben wollen wir nicht. Wenn alles vorbei ist, wollen wir schnellstens wieder nach Hause!“

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