Tradition, Tanz und Trabis

Hohengrieben feiert 45 Jahre Zeltfest

Fachsimpeln, liebäugeln schwärmen: Jung und Alt flanierten gestern rund um den Dorfplatz zwischen Traktoren, Motorrädern, Schwalben, Cabrios und Trabis. Da war für jeden was dabei.

HOHENGRIEBEN -  „Die Welt hat dramatische Veränderungen bis zum heutigen Tage erlebt – und damit meine ich nicht nur die Größe der Bademode“, scherzte Prof. Dr. Carl Hahn, ehemaliger VW-Chef am Freitagabend beim 45. Zeltfest in Hohengrieben.

In seinem Vortrag „Automobile Tradition die verbindet – von der Auto Union zu Volkswagen“ gab der 87-Jährige nicht nur seinen Eindruck über die „gigantischen Veränderungen in der Welt“ wider, sondern wollte damit auch provozieren.

45. Zelttanz Hohengrieben

Der Vortrag ging zurück zu den Anfängen des 20. Jahrhunderts: Er sprach über die Gründung der Auto Union bis zu ihrer Löschung im Handelsregister 1948 in Chemnitz. Über Zwei-Takt-Motoren und Karosserien aus Sperrholz, die mit Kunststoff beklebt waren, über Kriegsbeginn und -ende, die Amerikaner und die Sachseninvasion in Ingolstadt. Seine Ausführungen unterstrich er mit Zahlen und Fakten. Weiter ging es mit der Entwicklung des Automobilbaus nach dem Krieg, Wolfsburg, die Überlebensfrage bei VW, seinem Rauswurf, die entstandenen Geschäftsbeziehungen mit China und die rasante Entwicklung des Landes: „So ein Tempo haben wir noch nie gesehen.“

Wir leben in einer einmaligen Zeit“, macht Hahn deutlich. Doch er mahnte auch, dass das Tempo der dramatischen Veränderungen realisiert werden müsse. Die Lebenserwartung liege heute bei Hundert Jahren. Er wundert sich, mit welcher Ruhe Menschen heutzutage in den Ruhestand verabschiedet werden. „Wir haben heute ein Drittel mehr Erwerbstätige, beklagen Kindermangel und schicken die Rentner 40 Jahre in den Urlaub“, kritisierte Hahn abschließend. Danach verabschiedete sich der 87-Jährige von Hohengrieben. Der nächste Termin wartete schon.

Während am Freitag die lange Schlange am Büffet bis zum späten Abend kaum abriss, tanzten manche Zeltgäste am Samstag fast bis zum sonntäglichen Frühschoppen durch. Dann hieß es auch dieses Jahr wieder rund um den Dorfplatz bei der Oldtimerausstellung schauen, schwärmen, liebäugeln und fachsimpeln. „Es werden jedes Jahr mehr Besucher und Teilnehmer“, weiß Detlef Rodewohl, der von Anfang an dabei ist. Aus allen Ecken kamen unzählige Oldtimerbesitzer und Fans nach Hohengrieben und ließen das 45. Zeltfest mit Traktoren, Cabrios, Militärfahrzeuge, Bullis, Wüstenschiffe, Edelkarossen und natürlich Trabis ausklingen.

Von Eva Hahner

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