Privatmann ärgert sich über unterschiedliche Verteilung der Einsatzkosten

Teurer Katzeneinsatz

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Selbst unter Feuerwehr-Aktiven war die teure Aktion mit der Drehleiter umstritten. Schließlich handelte es sich um eine streunende Katze, die auf Kosten des Steuerzahlers vom Baum werden sollte.

Diesdorf/Abbendorf/Salzwedel. Vor einigen Tagen berichtete die AZ über den Feuerwehreinsatz in Abbendorf, bei dem eine Katze aus einem Baum gerettet werden sollte. Eine Drehleiter aus Salzwedel wurde angefordert. Beim Rettungsversuch kam die Katze selbst herunter.

Der Einsatz hat beim Diesdorfer Harald Peggau das Fass zum Überlaufen gebracht. Die selbst bei einigen Feuerwehr-Aktiven äußerst umstrittene Alarmierung zieht nun weitere Kreise und wird auch aus Steuerzahler-Sicht diskutiert.

Harald Peggau äußerte sein Unverständnis.

Ihre Kritik: Falsch verstandener Tierschutz. Denn, so argumentierte auch Peggau, schließlich handelte es sich bei dem „geretteten“ Tier um eine streunende Katze, die Kleintieren und Vögeln in der Natur nachweislich erheblichen Schaden zufügt. Zu DDR-Zeiten gab es daher sechs Mark Prämie für eine von Jägern abgeschossene streunende oder wildernde Katze. Peggau versteht die Welt nicht mehr. 

Hintergrund: Der Privatmann hatte nach einem Sturmschaden auch mit der Feuerwehr zu tun. Er bekam eine Rechnung nach der Beseitigung des Sturmschadens durch die Feuerwehr Diesdorf in Höhe von 130 Euro zugesandt. Der Einsatz erfolgte am 5. Oktober. Das große Erwachen kam dann am 9. November mit einem Schreiben des Ordnungsamtes der Verbandsgemeinde (VG) Beetzendorf-Diesdorf. Die Kosten der Einsatzzeit von 15.20 Uhr und 15.45 Uhr an der Klostermauer wurden dem Diesdorfer in Rechnung gestellt: Kettensägen-Einsatz mit fünf Aktiven der Feuerwehr und einem Einsatzleiter. 

„Ich wollte den beim Sturm herunter gestürzten Ast schon selbst wegräumen, doch da war die Feuerwehr bereits vor Ort. Erst habe ich mich gefreut, doch mit der Abrechnung für den Einsatz hatte ich nicht gerechnet“, erzählt Peggau geschockt. 

Jetzt zieht er Parallelen zu dem Katzeneinsatz: 200 bis 280 Euro je angefangener Einsatzstunde werden je nach Feuerwehr und Einsatzart allein für die Kosten einer Drehleiter abgerechnet. „Wer bezahlt eigentlich dafür, dass eine streunende Katze – also genau genommen eine Plage der Natur – auf Kosten des Steuerzahlers von einem Baum geholt werden sollte, von dem sie nun doch alleine herunter kam“, argumentiert Peggau verärgert. Er wird deutlich: „Bei demselben Sturm im Oktober beschädigten morsche Eschen, die auf Diesdorfer Gemeindegrund stehen, Teile meines Grundstücks. Dafür habe ich bis heute keinen Euro gesehen und auch juristisch keine Ansprüche geltend gemacht. Man ist ja offenbar zu kulant“, so der Senior. Er könne als Fazit seiner Erfahrungen Bürgern nur raten, sich genau zu überlegen, ob sie nach einem Sturm ihren Windbruch nicht besser schnell selbst entfernen, bevor es teuer wird.

Peggau hofft ferner, dass die zuständige Verwaltung auch bei anderen Aufwands-Verursachern tätig wird und fleißig Rechnungen für Feuerwehr-Einsätze schreibt: zum Beispiel nach Türöffnungen, Ölspur-Beseitigungen, umstrittenen Tierrettungen, Sturmschäden auf Privatgrundstücken mit Behinderung öffentlicher Wege, Verunreinigungen von Straßen durch landwirtschaftlichen Verkehr und anderen Hilfeleistungen. Peggau: „So kann man mit Bürgern nicht umgehen.“ Er würde vom Ordnungsamt der VG gerne wissen, was die Abbendorfer „Katzenrettung“ den Steuerzahler insgesamt gekostet hat und wem sie in Rechnung gestellt wird.

Von Kai Zuber

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