Abtransport steht seit gestern Nachmittag fest / Ziel ist Freilandhaltung im Berliner Umland

Stapen: Schweinedrama endet heute

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Heute früh soll der Abtransport von 129 Schweinen aus Stapen zu einem Gnadenhof ins Berliner Umland über die Bühne gehen.

ha Stapen. Heute früh soll der Abtransport von 129 Schweinen aus Stapen zu einem Gnadenhof ins Berliner Umland über die Bühne gehen. Nachdem dies vorgestern und gestern noch kategorisch verneint wurde, war der Transport gestern Nachmittag vereinbart, wie Reinhold Kassen (Animal Peace / Rüsselheim) auf Nachfrage berichtete.

Mit vor Ort sind heute u.a. Vertreter des Kreisveterinäramtes sowie die Vereinsvorsitzende von Rüsselheim, Doris Rauh. Aber auch Jäger, war Kassen gestern alarmiert. Trotzdem: „Wir stehen kurz vorm Ziel“, freute sich der Aktivist, der ankündigte, die Schweine würden künftig in Freilandhaltung leben können. Bis zuletzt hatten Gerüchte und Falschinformationen die Arbeit der Tierrechtler erschwert. So waren sich zum Beispiel angebliche Insider sicher, dass ein sich vegan ernährender Fuhrunternehmer aus Bayern den Transport übernimmt. „Stimmt nicht“, lachte Kassen, danach befragt.

Das Schweinedrama beschäftigt seit Ende 2012 die Altmark sowie deutschlandweit Tierschützer und deren Gegner. Am 28. Dezember brachte der Verein Rüsselheim 140 ehemalige Mastschweine, von denen ein Großteil für rund 22 000 Euro gekauft wurde, aus Bayern zu einem Hof in Stapen. Die Stapener Familie hatte ursprünglich mit 30 Tieren geplant und brachte den Großteil der Schweine notgedrungen in einer ehemaligen Maschinenhalle unter. Seuchenschutz und Tierhaltung riefen das Kreisveterinäramt auf den Plan, das u.a. Bluttests, umgehende Baumaßnahmen und das Installieren einer Heizung anordnete. Ordnungs- und Strafgelder wurden angedroht, falls die Maßnahmen nicht umgehend umgesetzt würden. Das Amt stellte auch die Frist, dass die Schweine bis zum 2. Februar woanders artgerecht unterzubringen seien, in Absprache mit dem Altmarkkreis. Fünf Tiere wurden derweil im Rheinland untergebracht, ein weiteres starb über Nacht, vier wurden wegen Verletzungen eingeschläfert.

Zahllose Fraktionen aus der Tierschützerszene und deren Gegner lieferten sich Kommentardebatten in Online-Foren und in Facebook. In Stapen kam es zu einer Schlägerei zwischen den heimischen Betreuern und angereisten Tierschützern. Auch innerhalb des Vereins Rüsselheim gab es Streit, so z.B. wurde die Vorsitzende Doris Rauh öffentlich von Vereinsmitgliedern für die Aktion kritisiert. Durch den Kauf der Tiere, den Transport, die Unterbringung, behördlich angeordnete Baumaßnahmen, Heizauflagen und medizinische Untersuchungen wurde der Verein Rüsselheim im mittleren fünfstelligen Euro-Bereich belastet. Für die nächsten zwei Monate rechnet Reinhold Kassen mit Kosten in Höhe von 14 000 Euro.

Da die Aktion, aus „Mastschweinen Glücksschweine zu machen“, so Kassen, in Deutschland bisher beispiellos ist, gab es große Unterstützung aus der Tierrechtsszene, aber auch viel Kritik.

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