Aufenthalt der Rüsselheimschweine erzeugt Nachwehen bei den Beteiligten

Stapen: Offene Rechnungen

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Am 25. Januar holte Rüsselheim-Chefin Doris Rauh (r.) die Schweine von Sabine Schmutzler (l.) aus Stapen ab.

Stapen. Das Schweinedrama in Stapen ist nicht vorbei, es hat sich nur verlagert – von den Tieren, die nach Brandenburg gebracht wurden, zu den Menschen.

So bekundet Sabine Schmutzler, die bis Ende Januar die rund 140 Schweine in Stapen aufnahm, man habe noch nicht alle entstandenen Kosten erstattet bekommen. Sabine Schmutzler verlangt vom Verein Rüsselheim noch 4083 Euro. Fotos von Rechnungen und Quittungen stellte sie in eine Facebook-Gruppe, von wo aus die Bilder öffentlich verbreitet wurden.

Die Vereinsvorsitzende von Rüsselheim, Doris Rauh, eröffnet im Gegenzug einen weiteren Kleinkriegsschauplatz. In einem Dienstagabend abgesendeten Brief an den Kreisdezernenten Hans Thiele, der der AZ vorliegt, fragt sie, ob der Verein als Schweineeigentümer anders behandelt werde als Einheimische: „Nichtsdestotrotz stellt sich uns von Rüsselheim e.V. nun doch die Frage, ob sich Ihre umfassende und reizende Fürsorge (siehe Infokasten, d. Red.) explizit nur auf bayrische Schweine manifestiert hat? Wir haben hier eine Kopie eines Schreibens Ihres Veterinäramtes vorgelegt bekommen, in welchem die uneingeschränkte Forderung nachzulesen ist, die die Haltung von Schweinen auf besagtem Grundstück generell untersagt. Wie kann es nun – nach Abzug unserer Tiere – der Fall sein, dass der Minischweinbestand der Grundstückseignerin nun wieder erhöht werden konnte“, fragt Doris Rauh in Richtung Sabine Schmutzler. Sie begründet: „Da der alte Minischwein-Eber nun schon mehrfach von den Hunden der Grundstücksbesitzerin verbissen wurde und Ihre Amtstierärztin nach eigener Aussage ,sehr überrascht war, dass er den letzten Angriff überhaupt überlebt hat’, erstaunt es uns umso mehr, dass nun mit einem Jungtier der Schweinebestand erneut aufgestockt werden darf.“ In dem Brief thematisiert Doris Rauh auch „die arme Rottweiler-Hündin“, die „über Tage hinweg in einem Autowrack gebändigt werden muss“. Aber auch die Schweinemastanlage in Binde wird zur Sprache gebracht: „Warum aber gelten dann auch in Bezug auf die Befriedigung Ihrer Bürger wiederum andere Maßstäbe, wenn es sich um 140 Schweine eines Tierrechts- und Tierschutzvereins aus Bayern handelt, während der Unmut Ihrer Bürger scheinbar spurlos an Ihnen abprallt, wenn es sich um die Haltung von Schweinen eines Adriaan Straathof in mindestens fünfstelliger Zahl dreht, dessen illegale Bauten von Ihrer Behörde im Nachhinein auch noch legalisiert wurden, obschon Ihren Mitbürgern dessen Schweine-Tierfabriken gewaltig stinken?“ Die Legalisierung kam allerdings vom Landesverwaltungsamt.

Hans Thiele erklärte auf AZ-Nachfrage, er werde wie gewünscht auch per Brief antworten. Er sagte, er mache keinen Unterschied zwischen altmärkischen und bayrischen Tieren, und „wir haben selbstverständlich das Grundstück im Auge“. Er betonte aber, es „ist ein kleiner Unterschied zwischen 140 Mastschweinen, da gibt es nämlich eine Nutztierverordnung, und zwei Minischweinen“.

Sabine Schmutzler zeigte sich auf AZ-Nachfrage vom Rüsselheim-Brief ans Amt überrascht: „Bin ich froh, wenn ich mit denen nichts mehr zu tun habe.“ In Bezug auf die offenen 4083 Euro kündigte sie gestern an: „Der von mir beauftragte Mediator versucht es heute noch einmal gütlich, wenn nicht, wird geklagt.“

Von Steffen Hamann

Den offenen Brief von Doris Rauh finden sie hier: //www.az-online.de/community/leserbriefe/leserbriefe-salzwedel/offener-brief-vereins-ruesselheim-hans-thiele-2762708.html

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