Diesdorfer Schulchronik berichtet über Geschichte der Bildung in der Altmark

Spanischer Pfeffer für Flegel

Nostalgie pur mit Schiefertafeln: Katharina Fischer drückt in der Diesdorfer Darre die Schulbank. So ähnlich war vor etwa 100 Jahren eine Klasse in der Altmark eingerichtet. Foto: Zuber

Diesdorf. Wie es ist, in einer ländlich geprägten Region Lehrer zu sein, das weiß der pensionierte Pädagoge Heinz-Günter Klaas nur allzu gut. Viele Jahre hat er Fakten für die Diesdorfer Schulchronik gesammelt.

Die ehemaligen Schul-Direktoren Walter Baumann und Heinz Borchert haben ihren Teil dazu beigetragen und einen Beitrag anlässlich der 900-Jahr-Feier Diesdorfs verfasst. Demnach wurden die Kinder auf dem Lande um 1700 noch vom Küster oder einem anderen Kirchendiener unterrichtet. In späteren Zeiten übernahm dann der Kantor beziehungsweise der Organist des Dorfes den Schuldienst. Um 1770 soll am Diesdorfer Markt ein Schulhaus als Neubau errichtet worden sein, das durch eine Feuersbrunst im Jahr 1820 abbrannte. Am 7. April 1831 wurde daraufhin die Marktschule gebaut.

1870 betrug die Schülerzahl im Flecken 180 Kinder. Sie wurden bis zur Einrichtung einer weiteren zweiten Klasse in zwei Abteilungen unterrichtet. In der ersten Abteilung waren laut Klaas vormittags drei Stunden und in der zweiten Abteilung nachmittags zwei Unterrichtsstunden vorgesehen. Mittwochs und sonnabends wurden dann beide Abteilungen in den letzten beiden der insgesamt vier Schulstunden gemeinsam unterrichtet.

1875 schrieb Lehrer und Chronist Hamann über den Schulbesuch: „Die Mehrzahl der Kinder spricht Plattdeutsch. Wegen der Erziehungsprinzipien Strenge, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit fehlte kaum ein Schüler unentschuldigt.“ Seit 1873 gab es montags zwei Stunden Sport, seit dem 1. April 1880 zudem Unterricht im Nähen, Flicken und Stricken. Am 4. August 1878 wurde mit dem Bau der Bahnhofsschule begonnen, der bis 1884 dauerte. Im ersten Weltkrieg wurde der Unterricht verkürzt. Im „vaterländischem Sinne“ beteiligten sich die Schüler an den üblichen Sammelaktionen von Papier, Metall und Gummi. Aus dem Schulvermögen wurden sogar 700 Reichsmark als Kriegsanleihe zur Verfügung gestellt.

Stets herrschte in der Schule Ordnung und Disziplin: Seit der Einführung der Schulpflicht im Jahr 1717 hatten die Lehrer das so genannte Züchtigungsrecht gegenüber den Schülern. Besonders sarkastisch wirkt der letzte Satz aus dem Nachschlagewerk „Der praktische Universalratgeber“ (um 1900): „Wenn so ein richtiger Flegel einmal gründlich spanischen Pfeffer zu kosten bekommt, so schadet ihn das nicht nur nichts, sondern es nützt ihm und zwar mehr als bloße Strafpredigten, Freiheitsentziehungen und dergleichen mehr.“ Übrigens wurde die Prügelstrafe in Deutschland erst 1949 mit der Gründung der DDR abgeschafft, in der BRD per Gesetz dann 1973.

Von Kai Zuber

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare