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Kita-Krise in Bonese: Das sind die Gründe

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Von: Kai Zuber

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Zahlreiche Mädchen und Jungen stehen mit ihren Erzieherinnen auf dem Spielplatz ihrer Kita.
Die Kinderbetreuung in der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf, hier in der Kita Abbendorf, hat einen großen Stellenwert. In den 14 Kitas und 5 Hort-Einrichtungen der VG sind aktuell insgesamt 110 Mitarbeiter beschäftigt. © Kai Zuber

Nach den Problemen in der Kita Bonese, wo nahezu das gesamte Personal gekündigt hatte, bemüht sich die Verbandsgemeinde (VG) Beetzendorf-Diesdorf als Träger der Einrichtung derzeit um Schadensbegrenzung.

Beetzendorf/Diesdorf – „Es laufen Gespräche auf allen Ebenen, um das Problem zu lösen, unter anderem mit den Elternvertretern aus Bonese und auf der Ebene der VG“, versicherten die stellvertretende VG-Bürgermeisterin Katrin Seidel und Susann Meinecke vom Fachbereich Kindertageseinrichtungen der Verbandsgemeinde. Zunächst solle versucht werden, die Stelle der Boneser Kita-Leiterin intern auszuschreiben. Falls diese Maßnahme fruchtlos sei, folge eine externe Ausschreibung, hieß es.

Eine Verwaltungsangestellte in einem grünen Kleid und mit kurzen blonden Haaren steht seitlich zum Betrachter und hält einen Sachvortrag.
Susann Meinecke vom Fachbereich Kindereinrichtungen erläutert der AZ die Situation. © Kai Zuber

Auch weitere mögliche Hintergründe, die zu den besagten Kündigungen zum kommenden Sommer hin geführt hatten, werden nun deutlicher, wie die AZ erfuhr. Demnach locken offenbar im nahen Niedersachsen bessere Arbeitsbedingungen, weniger Stress, geregeltere Arbeitszeiten und eine bessere Bezahlung. „Wir als Verbandsgemeinde kommen derzeit diesbezüglich gegen den großen Bruder Niedersachsen nicht an. Sogar Boni werden hier für neue Stellen gezahlt“, sagte Susann Meinecke. Und sie wird noch deutlicher: Die Region jenseits der Landesgrenze habe jüngst zehn Millionen Euro in den Ausbau der Kinderbetreuung investiert. Wittingen, Knesebeck und auch Bergen/Dumme lockten mit attraktiven Einrichtungen und Stellen sowie mit einem besseren Erzieher-Kind-Betreuungsschlüssel. Im Raum Wittingen hat ein kirchlicher Träger neu gebaut und eine sechsgruppige Einrichtung geschaffen“, macht Meinecke deutlich. Für die Erzieherinnen gibt es günstigere Vor- und Nachbereitungszeiten bei der Kinderbetreuung. „Wir haben zwar in den vergangenen Jahren in der VG bereits einige Erzieherinnen an Niedersachsen verloren, aber eine ganz große Kündigungswelle hat es zum Glück nicht gegeben“, so die Mitarbeiterin der VG-Verwaltung.

Man müsse in der westlichen Altmark das Positive und die Vorteile gegenüber Niedersachsen klar herausstellen und Personal effektiver einsetzen, hieß es. „Zum Glück ist unser Personal sehr solidarisch“, lobten Seidel und Meinecke. Dennoch mache sich der ungünstige Personalschlüssel und der hohe Krankenstand zusammen mit dem Vertretungsmodus zunehmend bemerkbar, so dass teilweise nur noch ein Notbetrieb aufrecht zu erhalten sei. Die VG befürchtet, das die Situation in den kommenden Jahren nicht besser wird. Die Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder soll ab 2026 für die ersten Jahrgänge verbindliche Angebote zur Verfügung stellen. In den Folgejahren sollen diese Angebote stufenweise ausgebaut werden, so dass ab 2029 alle Grundschulkinder einen Anspruch auf eine ganztägige Betreuung haben. Der Mindestpersonalschlüssel gemäß Paragraf 21 des Kinderförderungsgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt gliedert sich aktuell wie folgt: 0 bis 2 Jahre: 5,3 Kinder pro Fachkraft. 3 bis 6 Jahre: 12,0 Kinder pro Fachkraft. Hort: 19,2 Kinder pro Fachkraft.

Hintergrund: In den 14 Kitas und 5 Hort-Einrichtungen der VG Beetzendorf-Diesdorf sind aktuell insgesamt 110 Mitarbeiter (Fach- und Hilfskräfte) beschäftigt. Die Kitas haben momentan eine Belegung von insgesamt 577 Kindern. Laut ihrer Betriebserlaubnis dürften sie maximal 672 Kinder aufnehmen, was eine Auslastung von rund 86 Prozent bedeutet. In den fünf Horten der Verbandsgemeinde werden momentan 377 Mädchen und Jungen betreut, die Betriebserlaubnis hier ist insgesamt auf eine Zahl von 406 Kindern ausgelegt, was eine Auslastung von derzeit rund 93 Prozent ausmacht.

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