Sigmar Gabriel spricht in Winterfeld mit Unternehmern

Ex-Vize-Bundeskanzler in der Altmark: „Wir müssen in die Bildung investieren“

Ex-Vize-Bundeskanzler Sigmar Gabriel
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Ex-Vize-Bundeskanzler Sigmar Gabriel (SPD) sprach am Freitag, 28. Mai, beim Wirtschaftsstammtisch in Winterfeld mit geladenen Unternehmern aus der Altmark zum Thema „Wie kommen wir nach der Pandemie aus der Krise?“.
  • Christian Reuter
    vonChristian Reuter
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Einen ganz besonderen Besucher hatte am Freitag, 28. Mai, das Landhotel „Wieseneck“ in Winterfeld: Ex-Vize-Bundeskanzler Sigmar Gabriel (SPD) nahm am Wirtschaftsstammtisch mit geladenen Unternehmern aus der Altmark teil. Thema der Veranstaltung: „Wie kommen wir nach der Pandemie aus der Krise?“

Zu den Gästen gehörten unter anderen der Stendaler Landrat Patrick Puhlmann (SPD), die Bürgermeisterin des Fleckens Apenburg-Winterfeld Ninett Schneider und Norbert Nieder, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Altmark.

Norbert Nieder forderte, man solle die Sekundarschulen stärker fördern und deutlich machen, „dass man auch dort einen guten Abschluss erreichen kann“. Sigmar Gabriel, selbst studierter Lehrer, erklärte: „Wir sind eine Gesellschaft geworden, in der nur noch Abitur und Studium etwas zählen, das ist ein Irrtum. Das Unterschätzen der dualen Berufsausbildung ist ein Riesenfehler.“ Er würde sich wünschen, dass sich wieder mehr Menschen für die berufliche Bildung interessieren, doch das passiere nicht von alleine. „Warum machen wir das Studium kostenfrei, aber für die Ausbildung zum Meister oder Techniker verlangen wir Gebühren?“, fragte Gabriel in die Runde. Die SPD sollte sich für die Abschaffung dieser Gebühren einsetzen. Und: „Wir müssen in die Bildung investieren.“

Stendals Landrat Patrick Puhlmann sagte, zwar brumme die Weltwirtschaft, aber in Deutschland gebe es arge Verzögerungen bei Bauprojekten, weil es oft kein Material gebe. „Das kann noch ganz groß knallen, wenn die Förderprogramme platzen“, so Puhlmann.

Sigmar Gabriel sagte, dass der gesamte Dienstleistungssektor von der Pandemie viel stärker als die Industrie betroffen sei. Aber die Industrie habe eine Veränderung vor sich, die mit der Pandemie nichts zu tun habe. Die Pandemie beschleunige nur die Digitalisierung.

In Deutschland gebe es für die Zukunft drei große Herausforderungen: den demografischen Wandel, die Digitalisierung und die Dekarbonisierung, also die Abkehr vom Kohlenstoff speziell im Energiesektor. „Es gibt keine Bilderbuchlösung dafür“, betonte der 61-Jährige.

In Europa werde es nach der Pandemie eine sogenannte K-Entwicklung geben. „Das heißt, die, die stark waren, kommen noch stärker aus der Krise heraus, und die Schwachen werden noch schwächer.“ Es gebe zwei Möglichkeiten, die Schulden, die jetzt, in der Corona-Krise, gemacht werden, abzubauen. Entweder die Steuern erhöhen oder durch Wirtschaftswachstum, verdeutlichte der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende. „Ziel deutscher Politik muss es sein, zu wachsen. Und das schaffen wir vor allem im Export. 50 Prozent unseres Wohlstands verdienen wir im Export“, so Gabriel.

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