Sozialausschuss der Verbandsgemeinde empfiehlt: Gemeinde Jübar soll Sporthalle zurücknehmen

Serien: „Das ist unsolidarisch“

Die Sanitäranlagen werden nicht nur von den Sportlern in der Kahnberghalle genutzt, sondern auch von denen auf den Außenanlagen. Dieser Umstand mache eine Abrechnung schwierig. Foto: Lieske

Apenburg / Jübar. Die Gemeinde Jübar soll die Sporthalle von der Verbandsgemeinde (VG) Beetzendorf-Diesdorf zurücknehmen. Diese Empfehlung gab der Sozialausschuss am Mittwochabend während seiner Sitzung in Apenburg.

Der Abstimmung ging eine emotional geführte Debatte voraus. Diese hatte Verbandsgemeindebürgermeisterin Christiane Lüdemann eingeläutet. In der Verbandsgemeinde gibt es sieben Sporthallen. Davon sind drei, und zwar in Jübar und Apenburg sowie die in der Grundschule Beetzendorf, in Trägerschaft der Verbandsgemeinde, weil diese, vor allem wegen der Schulstandorte, als überörtliche Sport-, Spiel und Freizeitanlagen ausgemacht wurden.

Die Nutzer der Sporteinrichtungen sollen ihren Obolus leisten, und zwar möglichst „für alle Einwohner zu den gleichen Bedingungen“, erläuterte Christiane Lüdemann. Doch aufgrund unterschiedlicher Situationen sei es schwierig, eine Lösung zu finden. Und so werde seit einem Jahr an dem Problem und speziell seit März daran gearbeitet, eine gerechte Nutzung durchzusetzen. Das gehe nur durch eine Umverteilung der Mittel. Dazu, so die Verbandsgemeindebürgermeisterin, gebe es zwei Lösungsmöglichkeiten. Die beste sei ihrer Auffassung nach eine Vereinbarung auf freiwilliger Basis. „Diese haben wir in fast allen Fällen geschafft“, so die VG-Chefin. Die zweite Möglichkeit: eine Entgeltordnung. Diese Variante betrachte sie als kritisch, da die Sporthallen zu unterschiedlich in ihrer Nutzung seien. Nochmals betonte sie, dass sich fast alle Vereine für eine Vereinbarung aussprachen, mit einer Ausnahme: „Bis auf Jübar.“

„Von Jübar fehlte die Zuarbeit“, stellte daraufhin der Ausschussvorsitzende Günther Serien fest. So seien Vertreter des Sportvereins, also des FC Jübar/Bornsen, eingeladen worden. Auch dem Bürgermeister sei der Vorschlag gemacht worden, die Vorstellungen Jübars zu unterbreiten. Zudem sei dem Gemeinderat seitens der Verbandsgemeinde angeboten worden, dort vorstellig zu werden. Außer der Grundschule und der Kita sei ausschließlich der Verein Nutzer der Sporthalle. „Wer alles weggibt, braucht die Eigenständigkeit nicht mehr“, meinte er in Richtung Jübar. In Kuhfelde und in Diesdorf zahle den Großteil der Kosten die Gemeinde, nannte er zwei Beispiele, bei denen die Sporthalle nicht übertragen wurde. Sein Fazit: „Die gesamte Verbandsgemeinde bezahlt den FC Jübar/Bornsen. Das ist unsolidarisch. Das kann so nicht sein.“

Einer Nutzungsdauer von 400 Stunden durch die Grundschule sowie 110 Stunden durch die Kitas Jübar und Bornsen stünden 1000 Stunden durch den FC Jübar/Bornsen gegenüber. Zwei Drittel der Kosten würde somit die Verbandsgemeinde tragen, wurde den Ausschussmitgliedern vorgerechnet. Zudem seien die Energie- und Heizkosten in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich gestiegen. Werde die Vereinbarung nicht geschlossen, dann habe die Verbandsgemeinde keine Grundlage, die Kosten umzulegen, wurde deutlich gemacht.

Weshalb die Verbandsgemeinde eine Satzung ablehnt, machte Eva-Maria Benecke deutlich: „Mit einer Sporthallensatzung hätten wir nur die Hallennutzung finanziert.“ Die Satzung würde also nicht alle Sparten greifen, da die Sanitäranlagen beispielsweise auch von den Sportlern auf den Außenlagen genutzt werden.

„Spiel und Training erfolgt draußen, der kleine Sportplatz hat eine großzügige Flutlichtanlage, die Tennisanlage läuft auch darüber. Die Verbandsgemeinde sponsert den FC Jübar/Bornsen“, schlussfolgerte Ausschussmitglied Jürgen Benecke. Er attackierte den Jübarer Bürgermeister scharf: „Carsten Borchert hat uns nicht zugearbeitet. Er wusste, warum der Verbrauch steigt. Das hat mit Cleverness nichts zu tun. Das liegt am Rand der Kriminalität.“

In die Jübarer Sporthalle stecke die Verbandsgemeinde Geld, das für sicherheitsrelevante Dinge dringend gebraucht werde, empörte sich Verbandsgemeinderatsmitglied Ninett Schneider. Das Verhalten Jübars bezeichnete sie daher als „unfair“.

„Dann muss die Gemeinde Jübar die Sporthalle wieder zurücknehmen“, schlussfolgerte Ausschussmitglied Angelika Scholz. Die Verbandsgemeinde würde dann nur die anteiligen Kosten für Schule und Kita tragen. Das reichte Jürgen Benecke noch nicht aus. Er forderte, die in den vergangenen zwei Jahren entgangenen Einnahmen einzufordern. Er hätte sich gewünscht, dass Carsten Borchert an der Sitzung teilgenommen hätte (siehe nebenstehender Bericht).

Christiane Lüdemann räumte ein, dass es eine Satzung in der Gemeinde Jübar gebe. Die Verordnung betreffe aber mehrere Objekte. Der Inhalt sei ihr aber nicht bekannt.

Schließlich wurde die Rückübertragung bei vier Ja-Stimmen und einer Enthaltung von Dr. Hans-Heinrich Jordan empfohlen. „Ich höre davon zum ersten Mal“, begründete der Jübarer seine Enthaltung. Allerdings muss auch die Gemeinde dieser Rücknahme zustimmen, gab Jürgen Benecke zu bedenken. Ansonsten müsse außerhalb der Schulzeit „ein Schloss vor und fertig“.

Von Peter Lieske

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