Pionierfahne der Diesdorfer POS wurde aus dem Sperrmüll gerettet

„Seid bereit! Immer bereit!“

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Heinz-Günter Klaas, ehemaliger Lehrer der Polytechnischen Oberschule Diesdorf und heutiger Kassenwart des Diesdorfer Heimatvereins, zeigt das gerettete Pionier-Banner und die beiden Pionier-Halstücher.

Diesdorf. Jahr für Jahr tauchen immer mehr verschollen geglaubte, alte Fahnen von Vereinen und Institutionen aus Diesdorf und Umgebung auf.

So sind bereits seit der Wende dem örtlichen Heimatverein und dem örtlichen Förderverein „Alte Darre“ die Gründerfahne der Schützen-Gilde Diesdorf, die Jugendkompaniefahne der Schützengilde aus dem Jahr 1931, die Fahne des Männergesang-Vereins Eintracht Diesdorf von 1912 und das Banner des Radfahrer-Vereins Abbendorf von 1906 übergeben worden.

In dieser Woche gesellte sich das Banner der Pionierfreundschaft „Katja Niederkirchner“ der einstigen Polytechnischen Oberschule (POS) Diesdorf dazu. Dieses Banner hatte rund 30 Jahre in der Schule einen Ehrenplatz und wurde mit der Wende in den Sperrmüll geworfen. Hintergrund: Es erinnerte zu sehr an die sozialistische Erziehung der Schüler. Der heutige Kassenwart des Diesdorfer Heimatvereins und ehemalige Lehrer an der Diesdorfer Schule Heinz-Günter Klaas fischte diese Fahne aus dem Müll und bewahrte sie bis heute auf. „Die Fahne dokumentiert doch auch ein Teil unserer Geschichte. Die konnte ich einfach nicht im Müll liegen lassen“, erklärte Klaas. Der Heimatforscher fand die Zeit reif dafür, nach rund 28 Jahren diese Fahne dem Diesdorfer Heimatverein zu übergeben. Jetzt hat sie einen würdigen Platz im Zentralarchiv im Rathaus gefunden und kann bei Bedarf besichtigt werden. „Das wollte ich schon viele Jahre tun, bin aber immer darüber hinweg gekommen“, sagte Klaas, der dazu auch die Geschichte der Jungpionierbewegung in Diesdorf aufgeschrieben hat.

An der Fahne, die noch beachtlich gut in Schuss ist, befinden sich zwei Pionierhalstücher von einst. Die Schüler waren darauf immer mächtig stolz. Zum einen das blaue Halstuch für die Jung-Pioniere bis zur vierten Klasse und zum anderen das rote Halstuch für die „Thälmann-Pioniere“ von der fünften bis zur siebten Klasse.

Als Schlachtruf der Pionierorganisation galt „Seid bereit!“ und „Immer bereit!“ Es war zu DDR-Zeiten üblich, dass sich Schulen, Kollektive oder auch Armee-Einheiten Namen von Widerstandskämpfern gaben, die gegen den Faschismus gekämpft hatten und meist von der Gestapo oder der SS ermordet wurden, wie Katja Niederkirchner.

Von Rüdiger Lange

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