„Es tut einem leid um das Kollegium“

Schule Dähre: Gemeinderat will Offenen Brief an Bildungsminister schreiben

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An der Sekundarschule in Dähre kann derzeit nur 69 Prozent des Gesamtunterrichts vom Lehrerkollegium geleistet werden, weil Lehrkräfte fehlen. Auch ein ganztägiger Schulausfall ist bei Krankheit von Lehrern möglich. 

Dähre – Vor wenigen Tagen hat das neue Schuljahr in Sachsen-Anhalt begonnen. Auch an der Sekundarschule in Dähre. Doch dort läuft der Schulbetrieb alles andere als normal. Weil Lehrkräfte fehlen, musste der Stundenplan reduziert werden.

Schulleiterin Ines Kausch hatte die Eltern in einem Brief über die derzeitige Situation an der Schule informiert (AZ berichtete). Weniger als 70 Prozent des Gesamtunterrichts könne abgedeckt werden.

Am Dienstag hatte die Klasse 5b in der ersten Stunde Geografie und danach vier Stunden Sport. In mehreren Klassen fiel Deutschunterricht aus: in der 6. Klasse die sechste Stunde, in der 8. Klasse und in der Klasse 9b die fünfte Stunde. Dazu kam noch der Ausfall der sechsten Stunde und damit von Chemie in der Klasse 10b. Chemie wurde gestern auch in der Klasse 9b nicht unterrichtet, die fünfte und sechste Stunde fielen aus.

Es ist eine Schlamperei, wenn der Bildungsminister seinen Laden nicht in den Griff bekommt.

Bernd Hane, Bürgermeister in Dähre

Sehr verärgert über die momentane Lage an der Sekundarschule zeigt sich auch der Dährer Gemeinderat. „Wir werden vom Bildungsministerium im Stich gelassen. Es tut einem wirklich leid um das Lehrerkollegium, die sind alle sehr engagiert“, sagte Bürgermeister Bernd Hane auf AZ-Nachfrage.

Eine Lehrerin sei schwanger und eine krank, dies habe die Direktorin frühzeitig bekannt gegeben. „Es ist eine Schlamperei, wenn der Bildungsminister seinen Laden nicht rechtzeitig in den Griff bekommt“, erklärte Hane im Hinblick darauf, dass wenige Tage vor dem Schulstart noch unklar war, wie viele Lehrer überhaupt zur Verfügung stehen werden.

Damit sich die Zustände an der Dährer Sekundarschule möglichst schnell verbessern, will sich der Dährer Gemeinderat in einem Offenen Brief an Bildungsminister Marco Tullner und Ministerpräsident Reiner Haseloff wenden. Dies hatte Bürgermeister Bernd Hane während der jüngsten Ratssitzung vorgeschlagen.

Hane gegenüber der AZ: „Carsten Borchert, Landtagsabgeordneter und selbst Lehrer, mein Stellvertreter Harald Heuer, der im Kreistag sitzt, und ich werden uns zusammensetzen und den Offenen Brief in den nächsten Tagen verfassen.“

Der Bildungsminister habe davon gesprochen, die Unterschiede zwischen Stadt und Land zu beseitigen. Davon könne in Dähre aber keine Rede sein. „Es kann nicht Sinn der Schule sein, zwei Stunden täglich mit dem Bus zu fahren“, sagte Bernd Hane. Weil es in Beetzendorf auch eine Sekundarschule gibt, müsse von Jahr zu Jahr eine Sondergenehmigung für die Schule in Dähre beantragt werden. Beetzendorf sei für die Schüler aus Dähre auch keine Alternative, dort gebe es bereits jetzt Klassen mit 30 Schülern und damit keinen Platz.

Was Bernd Hane besonders empört, ist die Tatsache, dass Lehrer in anderen Bundesländern wie im benachbarten Niedersachsen deutlich besser bezahlt und oft auch verbeamtet werden, was natürlich viele Lehrer aus Sachsen-Anhalt anlocke. „Ich kenne zwei Lehrer aus Dähre, die in Niedersachsen arbeiten, weil sie dort besser verdienen.“ Ihm sei auch berichtet worden, dass Lehramtsstudenten in Sachsen-Anhalt bereits während des Studiums vom Land Niedersachsen angeworben würden.

Bernd Hane habe als studierter Landwirt sogar selbst schon darüber nachgedacht, als Lehrer an der Dährer Schule zu arbeiten, als Quereinsteiger. Aber da habe seine Frau etwas dagegen, schließlich sei er neben seinem Beruf auch noch als Bürgermeister und Schwimmmeister im Einsatz.

VON CHRISTIAN REUTER

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