DDR-Funktionäre planten offenbar, den Ort an der Grenze komplett aufzugeben

„Schmölau sollte von der Landkarte verschwinden“

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Etwa 45 Häuser gab es früher in Schmölau. Mindestens neun Höfe wurden bereits abgerissen. Viele Gebäude stehen zum Verkauf. DDR-Funktionäre planten einst, den kleinen Ort an der Grenze komplett aufzugeben. Heutzutage wohnen 58 Bürger im Dorf.

Schmölau. „Was ist nur aus unserem Ort geworden?“, fragen sich einige Schmölauer. Jede Menge baufällige und leer stehende Häuser, Freiflächen von bereits abgerissenen und platt gemachten Hofstätten sowie nicht wenige ungepflegte Gossen und Gehwege gibt es im Ort.

Die verantwortlichen Eigentümer der unbewohnten Grundstücke wurden von den zuständigen Behörden angeschrieben, aber nicht immer mit dem gewünschten Erfolg.

Wer besorgt die Straßenreinigung? Die entsprechenden Eigentümer werden regelmäßig angeschrieben. Oftmals passiert nichts.

„Und dabei gab es bei uns in Schmölau Glanzzeiten, wo das öffentliche und kulturelle Leben blühte“, sagt Karl-Heinz Wesche. Er wohnt am Rundling und gilt als Urgestein des kleinen Dorfes und Hüter der Ortschronik. Zu DDR-Zeiten lebten in Schmölau etwa 220 Menschen. Vor dem Krieg gehörte der Ort zur Kirchengemeinde Bodenteich. Um 1930 war der kleine Dährer Ortsteil mit etwa 400 Einwohnern sogar der zweitgrößte Ort gleich nach Bonese.

Mit den Opfern, die der Zweite Weltkrieg forderte, ging es dann bevölkerungsmäßig erstmals wieder bergab. Als Grenzdorf in der DDR wurde in Schmölau der Familienzuzug unterbunden. Mit der Aktion „Ungeziefer“ in den 1950er-Jahren wurden sogar Einwohner aus Schmölau umgesiedelt, weil sie von den SED-Kadern als unzuverlässig eingestuft worden waren.

Im Mai 1952 wurde die Zonengrenze auf Befehl der Sowjetarmee erstmals komplett abgeriegelt. Zugleich wurde der Geheimbefehl zur Zwangsaussiedlung aus dem Grenzgebiet erlassen. Der Aktion „Ungeziefer“ folgte 1961 die Aktion „Festigung“, wo es dann noch einmal Säuberungen gab. „Schmölau sollte sogar dem Erdboden gleich gemacht werden und von der Landkarte verschwinden“, sagt ein Einwohner der AZ, der seinen Name nicht nennen wollte.

Das habe man bis 1990 zwar geahnt, aber offiziell nicht gewusst. DDR-Funktionäre planten offenbar, den kleinen Ort an der ehemaligen Grenze komplett aufzugeben. „Etwa 45 Häuser hatten wir früher in Schmölau. Mindestens neun Höfe wurden bereits abgerissen. Heute wohnen 58 Bürger im Dorf. Viele sind neu zugezogen“, sagt Karl-Heinz Wesche der AZ.

Von den nicht gepflegten Gossen und Gehwegen an den verwahrlosten Grundstücken wird ein Teil der anfallenden Arbeiten durch die Gemeindearbeiter erledigt. „Die entsprechenden Eigentümer werden regelmäßig angeschrieben. Oftmals passiert nichts“, meint Wesche.

Mittlerweile ist von den ehemaligen Grenzanlagen der DDR kaum noch etwas erhalten. Doch die Grenzöffnung in Schmölau ist bis heute bei den Einwohnern in Erinnerung geblieben. Nach dem Fall der Berliner Mauer begannen am 17. November 1989 die Arbeiten, um zwischen Schafwedel und Schmölau einen befahrbaren Übergang zu schaffen. Am 18. November gegen 6 Uhr wurde dann der erste Grenzübergang im Landkreis Uelzen geöffnet. Im Dezember 1989 gab es dann für die Schafwedeler aus Niedersachsen und die Schmölauer aus dem Bezirk Magdeburg die erste gemeinsame Weihnachtsfeier im Saal des Gasthauses Schulze. Damals sang der Grenzlandchor bei dieser gemeinsamen Weihnachtsfeier.

Von Kai Zuber

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