Schimmel überm Weihnachtsbaum

Dieter und Reinhard Heinrich beklagen Zustände in Apenburger Wohnblock

+
Das Ehepaar Dieter (l.) und Reinhard Heinrich aus Apenburg mit ihrem Schimmel-Problem über dem eigenen Christbaum. Ein beißender Geruch erfüllt die feuchte Wohnung.

Apenburg – Die riesige Pfütze auf der Straße vor dem Eingang hat die Dimensionen eines kleinen Teiches, die Außenbeleuchtung vor dem Block in der Badeler Straße ist defekt.

Schimmelbefall an der Wand. Schwarze Pilze gibt es in jedem Zimmer. Das Gesundheitsamt war bereits vor Ort.

In der Raucher-Wohnung angekommen, dominiert weder der Geruch des Tabakqualms noch der der scheuen Hauskatze samt Katzenklo. Einzig und allein der ätzende Gestank des Hausschimmels überwiegt. Er ist nahezu allgegenwärtig, an allen Wänden, Decken, über den Fenstern, auf dem Fußboden, in jedem Winkel der Wohnung. Und natürlich: Schimmel überm künstlichen Weihnachtsbaum, dem ganzen Stolz der Mieter. Dieter und Reinhard Heinrich beklagen die Zustände in dem Apenburger Wohnblock: „Das sind menschenunwürdige Wohnbedingungen. Mein Partner hat Bronchitis, und wegen des Schimmels geraten wir leider immer öfter in Streit“, macht sich Dieter Heinrich Luft. Das Paar ist seit fünf Jahren verheiratet und wohnt seit Frühjahr 2018 in der Wohnung in der Badeler Straße, wo zwei große Wohnblöcke stehen. Sieben Lagen Tapete übereinander hat Dieter Heinrich allein im Wohnzimmer gezählt. Ständig versucht er, die vom Pilz befallenen Stellen mit neuer Farbe zu übertünchen, doch es gelingt ihm nicht.

Beißender Gestank

„Es ist einfach zu viel. Sogar der Fußbodenbelag hebt sich. So haben wir nicht einmal zu DDR-Zeiten gewohnt“, wettert der Mieter und zündet sich eine Zigarette an, um zumindest für drei Minuten den beißenden Schimmelgestank aus der Nase zu bekommen. Während Reinhard Heinrich die Katze streichelt, kramt Ehemann Dieter den Schriftverkehr mit dem Vermieter und Eigentümer der Wohnblöcke heraus: „Cihan K. kommt aus Würzburg. Beim Aushandeln des Mietvertrages hat er uns eine schimmelfreie Wohnung versprochen. Nun frisst sich der schwarze Pilz durch den ganzen Block und beeinträchtigt unsere Gesundheit“, wütet Dieter Heinrich lautstark. Das Schimmelproblem wurde beanstandet, doch weder der Vermieter noch dessen Hausmeister kümmern sich. Obwohl regelmäßig gelüftet wird, tropft das Wasser teilweise von der Decke und der Wand. „Wir wissen nicht, ob das Dach dicht ist“, sagen die Mieter, die bereits zehn Prozent der 429 Euro Warmmiete wegen der Mängel einbehalten lassen. „Das ist im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten. Die Miete begleicht aber das Jobcenter“, erklärt Dieter Heinrich. Er hat bereits seine Fühler nach einer anderen Wohnung in Beetzendorf ausgestreckt. Bei seinen Recherchen stieß er dann auf eine weitere Ungereimtheit: Laut Mietvertrag am 1. März 2018 war die Wohnung 70 Quadratmeter groß, später hatten die drei Zimmer auf dem Papier 61 Quadratmeter und mit dem eigenen Zollstock maß Heinrich eine Fläche von 53 Quadratmetern aus. „Die Ämter haben also über 18 Monate mindestens zehn Quadratmeter umsonst gezahlt. Das Geld ist weg. Die Kaution wurde einbehalten. Muss man sich das gefallen lassen?“, beklagen die Mieter. Doch das ist längst nicht alles: Obwohl das Jobcenter die Miete bezahlt, wurden zusätzlich Mahnungen an die Mieter privat verschickt. Dieter Heinrich zeigt die Briefe aus Würzburg.

Ob das Jobcenter sich das alles gefallen lässt, darauf ist das Pärchen in den kommenden Wochen gespannt. Auch vom zuständigen Gesundheitsamt, welches vor einigen Tagen in der Wohnung war und Schimmelproben genommen hat, ist das Ehepaar Heinrich enttäuscht: „Anstatt etwas zu unternehmen und in der Sache aktiv zu werden, rieten sie uns eher davon ab, mit der Sache vor Gericht zu gehen. ,Das bringe doch alles nichts’, lautete ihr Fazit“, so Dieter Heinrich. Es sei sehr bedauernswert, was die offiziellen Stellen wie Jobcenter und Gesundheitsamt alles hinnehmen, um bloß keinen Stress zu haben, lautete die Kritik der Mieter aus der Badeler Straße in Apenburg.

VON KAI ZUBER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare