Drohungen und Korruptionsvorwürfe gegen Hans Thiele – der Kreisdezernent bleibt vorerst gelassen

Rüsselheim-Chefin distanziert sich

Derzeit sind 135 ehemalige Mastschweine in Stapen untergebracht. Der Besitzer, der Verein Rüsselheim, sucht eine neue Unterkunft.

Stapen. Die Emotionen von Tierschützern schlagen wegen der in Stapen einquartierten Schweine des Vereins Rüsselheim hoch – vor allem nach den klaren Worten des Kreisdezernenten Hans Thiele, der in der AZ vom Freitag unter anderem gesagt hatte:

„Meine Geduld ist am Ende, jetzt geht es nur noch um die Tiere. Es reicht wirklich. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, der Landkreis würde die Tiere anderweitig gut unterbringen – nein“, erklärte er. Hintergrund: Das Kreisveterinäramt bemängelt die Haltung in Stapen und hat deswegen neben diversen Auflagen angeordnet, dass die Tiere bis zum 2. Februar woandershin transportiert werden müssen. Hans Thiele nahm auch das Wort in den Mund, auf das Tierschützer und -rechtler allergisch reagieren: „Schlachter“. Er würde die Schweine „ihrer natürlichen Zweckbestimmung zuführen“, wenn die meist strafbefehlbewehrten Auflagen nicht eingehalten würden.

Danach wurde dem Kreisdezernenten mehr oder weniger öffentlich zum Beispiel auf Facebook unterstellt, er sei bestechlich. Ein vorgeblicher Tierrechtler drohte Hans Thiele sogar: „Wenn überhaupt irgendjemand einer natürlichen Zweckbestimmung unterliegt, und diese die Schlachtung ist, dann dürfte dieses Zitat deutlich gemacht haben, wer das ist!“

Er fühle sich nicht bedroht, sagte Hans Thiele gestern auf Nachfrage. Auch der Vorwurf der Bestechlichkeit lasse ihn kalt: „Das ist ein Niveau... Das ist ja das Schöne bei Facebook-Gruppen: Man kann anonym schreiben, was man will“, sagte er. Ganz so anonym dann doch nicht, denn er ergänzte: „Da kümmern wir uns später drum, der Tierschutz ist wichtiger. Wir wissen ja, wer das geschrieben hat.“ Im Moment sehe er das gelassen, „von so was lasse ich mich nicht beeindrucken.“ Auf die Frage, ob das Konsequenzen für seine Arbeit habe, antwortete der Dezernatsleiter: „Nein, überhaupt nicht. Wir machen so weiter, wie wir angefangen haben, machen weiter Kontrollen.“ So sei das Veterinäramt Freitag, Sonnabend, Sonntag und gestern dagewesen. Thiele erkennt aber an: „Rüsselheim ist sehr bemüht.“ Er sei optimistisch, dass die Tiere woanders untergebracht werden können.

Reinhold Kassen (Animal Peace / Rüsselheim) wertet zwar die Aussage von Thiele als „moralisches Verbrechen“, aber die oben aufgeführten Vorwürfe teile er nicht, im Gegenteil: „Nein, Hans Thiele wurde nicht bestochen, das zu behaupten, ist eine Dummheit. Er ist halt Chef von vielen Landwirten. Ich kenne die Behauptung aber auch nicht“, sagte er. Der Tierschutzaktivist betonte, dass diese strafrechtlich relevanten Unterstellungen nicht aus Kreisen des Vereins Rüsselheim gekommen seien.

Reinhold Kassen, der sich mit anderen bemüht, einen neuen Hof für die 135 Schweine zu finden, konnte Negatives und Positives berichten: Mit der Unterbringung der Tiere in Altenrode habe es nicht geklappt, er habe aber beim Vor-Ort-Termin „Tipps und Telefonnummern bekommen und ein paar Eisen im Feuer“. Er sagte, durch die amtlichen Auflagen (wir berichteten) müsse der Verein aktuell 800 Euro Heizkosten am Tag stemmen, was eine große Belastung sei. Die Heizgeräte – aus Brandschutzgründen Dieselaggregate – wurden vom Verein zum Teil gemietet, zum Teil extra gekauft und nach Stapen gebracht (wir berichteten). Doris Rauh, Vorsitzende von Rüsselheim, distanzierte sich gestern von den Drohungen und Vorwürfen. Die beiden Personen, die dies sagten, kenne sie nicht, diese seien keine Vereinsmitglieder. „Wir konzentrieren uns auf die Platzsuche.“ Sie sei Freitag und Sonnabend in Stapen gewesen, habe da u.a. mit Hans Thiele zusammengesessen und sich vernünftig unterhalten – trotz der Meinungsunterschiede: „Das sind keine Nutztiere mehr. Die gehören nicht auf den Tisch.“

Von Steffen Hamann

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