Grund für Windpark-Versagung offenbar beseitigt / Behörde sucht Zeugen

Rotmilan-Horst mutwillig zerstört?

Das Vorranggebiet zur Windenergienutzung zwischen Recklingen und Apenburg ist aus dem aktuellen Entwurf des Regionalen Entwicklungsplanes gefallen. Grund war unter anderem das Vorhandensein eines Horstes des Rotmilans. Das Nest wurde nun vermutlich mutwillig zerstört. Montage: Mittank

Recklingen / Apenburg. Das vor gut einem Jahr im Entwurf des Regionalen Entwicklungsplanes (REP) ausgewiesene und mittlerweile wieder gestrichene Vorranggebiet zur Nutzung der Windenergie zwischen Recklingen und Apenburg ist in der örtlichen Bevölkerung stark umstritten.

Auf der einen Seite gibt es eine ganze Reihe von Landeigentümern, die in der Hoffnung auf Pachteinnahmen die Windpark-Pläne der Firma Windstrom aus Peine befürworten, auf der anderen Seite stehen zahlreiche Einwohner, die den Verlust an Lebensqualität befürchten. Auch die Gemeinde Apenburg-Winterfeld hatte sich stets gegen das Projekt ausgesprochen und jüngst mit Erleichterung zur Kenntnis genommen, dass das 69 Hektar große Vorranggebiet aufgrund des Vorhandenseins von Horsten des Rotmilans und des Baumfalkens von der Regionalen Planungsgemeinschaft aus dem aktuellen REP-Entwurf herausgenommen wurde.

Doch der besagte Rotmilan-Horst in einem Kiefernwäldchen südlich von Recklingen ist nun verschwunden, wie die Untere Naturschutzbehörde des Altmarkkreises bei einer Kontrolle feststellen musste. Bereits Anfang März war das schon einmal der Fall. Wie Joachim Funke, Sachbearbeiter der Unteren Naturschutzbehörde, im Gespräch mit der AZ erläuterte, könnte das auch an Witterungseinflüssen gelegen haben. Die Rotmilane haben vor wenigen Wochen, das hatte der Kreismitarbeiter zweifelsfrei beobachten können, wieder mit dem Nestbau begonnen.

Da der Horst nun ein zweites Mal verschwunden ist, geht die Behörde davon aus, dass er von bislang Unbekannten mutwillig zerstört wurde.

Pikant: Nachdem das Landesverwaltungsamt in Halle die Genehmigung für zwei Windkraftanlagen in der Recklingen Gemarkung versagt hatte, klagte das Peiner Unternehmen gegen diese Entscheidung und legte ein selbst in Auftrag gegebenes Gutachten vor. Dieses sagte aus, dass es im besagten Waldgebiet kein Rotmilan-Vorkommen gebe bzw. der Lebensraum ungeeignet sei. Außerdem seien durch umfangreiche Durchforstungen die Horstbäume verschwunden. Dass dies nicht der Fall ist, konnte Joachim Funke bestätigen. „Im Wesentlichen wurden Bäume gefällt, die nach dem Schneebruch 2010 schwer beschädigt waren. Zudem blieben die zuvor markierten Horstbäume verschont“, so der Sachbearbeiter.

Der Altmarkkreis Salzwedel weist nun darauf hin, dass es sich beim Rotmilan um eine streng geschützte Art nach europäischen und deutschen Vorschriften handelt. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, derartige Arten unter anderem während der Fortpflanzungszeit erheblich zu stören. Eine erhebliche Störung, so der Altmarkkreis, liegt vor, „wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert.“ Weiterhin ist es auch verboten, Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Dies kann einen Straftatbestand darstellen und entsprechend verfolgt werden. Die Naturschutzbehörde ruft zur Mithilfe auf: Sollten Zeugen entsprechende Beobachtungen gemacht haben, können Hinweise, die zur Klärung des möglichen Straftatbestandes beitragen, unter Tel. (0 39 01) 84 06 48 an die Behörde herangetragen werden.

Hintergrund: Der Rotmilan ist ein Greifvogel der offenen, mit kleinen und größeren Gehölzen durchsetzten Landschaften. Weltweit wird der Brutpaarbestand auf lediglich 22 000 geschätzt. Das Land Sachsen-Anhalt besitzt eine der höchsten Brutvogeldichten des Rotmilans und trägt daher europaweit eine wesentliche Verantwortung zum Erhalt dieser Art.

Von Matthias Mittank

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