Der Weg von Fritz Darges in die familiäre Runde von Adolf Hitler: Erinnerungen werden zu einem Buch

Der Reisemarschall von Eva Braun

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„Im inneren Kreis – Adjutant, Ritterkreuzträger, Reisemarschall“, heißt das im Zeitreisen-Verlag erschienene Buch mit Erinnerungen von Hitlers Adjutant Fritz Darges. 

Dülseberg. „Im inneren Kreis – Adjutant, Ritterkreuzträger, Reisemarschall“, heißt das im Zeitreisen-Verlag erschienene Buch mit Erinnerungen eines berühmt-berüchtigten Dülsebergers. Hitlers Adjutant Fritz Darges hat seine umfangreichen Memoiren auf Band gesprochen.

In einem kleinen Raum im Obergeschoss der alten Dampfmolkerei von Schadeberg erblickte Friedrich Willi Joachim Darges am 8. Februar 1913 als Sohn des Molkereimeisters das Licht der Welt.

Fritz Darges (l.) besuchte kurz vor seinem Tod noch einmal sein Geburtshaus im Diesdorfer Ortsteil Schadeberg. Über seine Zeit in der NSDAP kommt nun ein Buch heraus.

Genau 90 Jahre später stand Friedrich Darges abermals an der Türschwelle seines Elternhauses – dieses Mal als Besucher. Erst nach seinem Tod überschlugen sich die Nachrichten darüber, was Darges den meisten Menschen verschwiegen hatte: Er war im April 1933 der SS beigetreten. Nach der „Weihe“ an der SS-Junkerschule Bad Tölz machte der gebürtige Dülseberger schnell eine steile Karriere. Sie führte ihn seit 1936 in den engsten Machtbereich des NS-Staates und gipfelte dienstgradmäßig darin, dass er Ende Januar 1944 zum SS-Obersturmbannführer ernannt wurde. Nachdem er als Kommandeur das SS-Panzerregiment „Wiking“ bei Budapest führte, wurde ihm das Ritterkreuz verliehen. Nach der Kriegsgefangenschaft war Darges in einem Autohaus und später als Kreisgeschäftsführer des DRK Celle tätig.

Über seine Tätigkeit im inneren Kreis der NSDAP sprach Darges kurz vor seinem Tod im Jahr 2009. Seine Erinnerungen an die Dienstjahre unter Adolf Hitler sind nun zwischen zwei Buchdeckel gepresst worden. Die mit Kommentaren versehenen Aufzeichnungen sind hauptsächlich in Interviews entstanden, die Marc Meier zu Hartum mit Fritz Darges kurz vor seinem Tod in hohem Alter führte.

Da wurden Erinnerungen wieder wach. Fritz Darges besichtigt im hohen Alter das Innere der alten Molkerei. Dort wurde er in einem kleinen Raum im Obergeschoss am 8. Februar 1913 geboren.

Darges sitzt, das kann man auf einigen der seltenen Youtube-Videos sehen, auf einem grünen Sofa neben einer großen Stehlampe und erzählt seine zahlreichen Erinnerungen in einem halbdunklen Raum. Nun also liegt der Inhalt der Interviews schriftlich vor. Fritz Darges (1913-2009) wurde für das Buch als wichtiger Zeitzeuge befragt. Der gebürtige Dülseberger erzählt im Interview, wie er im Dritten Reich in den inneren Kreis der Macht gelangte. „Zum Reichsparteitag 1936 geriet ich in das Blickfeld des Führers. Als der zu Ende war, bekam ich für meine Arbeit einen Besuch der Festspiele in Bayreuth“, so Darges. Danach habe ihn dann der NSDAP-Reichsleiter Martin Bormann, „der unumschränkte Herrscher“ des Berghof-Areals, kassiert und Ende 1936 zu seinem Adjutanten gemacht. Zu dieser Zeit wurde auf dem Obersalzberg, Hitlers Führungszentrale bei Berchtesgaden, der Staatsbesuch in Italien 1937 vorbereitet.

Er könne nur annehmen, dass Hitlers Geliebte Eva Braun und einige ihrer ´Begleitdamen Hitler dahingehend bearbeiteten, an dieser Reise nach Rom als inoffizielle Begleiter teilnehmen zu dürfen. „Es war ja familiär da oben“, schwärmte Darges über das lockere Leben auf dem Obersalzberg. Fazit: Ein Reisemarschall für die Damen wurde gesucht und der gebürtige Dülseberger, von Bormann vermittelt, war der richtige Mann am richtigen Ort.

Mit zwei Mercedes Cabrio donnerte das Begleitgeschwader dann in Richtung Süden und Darges kam mit den Damen auf Sehenswürdigkeiten-Tour sogar bis Capri. Die Reise war für die Karriere von Darges ein voller Erfolg. Bei der Rückkehr kam der Tross mittags in Berchtesgaden an. Dann kam abends der Anruf: „Ich wohnte damals im Gästehaus Hoher Göll, der Diener Heinz Linge rief an und sagte,Herr Hauptsturmführer, der Führer erwartet Sie zum Abendessen’. Das war dann die offizielle Einführung in das familiäre Milieu“, erinnert sich Fritz Darges (SS-Nummer 72222).

Schwerwiegende militärische Vergehen konnte man Darges während des Krieges nicht nachweisen. Doch von Reue über die NS-Verbrechen seines inneren Kreises war bis zum Tod des 1,90-Mannes keine Spur. Im Gegenteil: Darges organisierte feuchtfröhliche Veteranentreffen und traf regelmäßig alte Kameraden. Dies dunkle Kapitel kommt auch bei den Interviews als dickes Minus zum Tragen und schlägt sich letztlich auch bei der Qualität des Buches „Im inneren Kreis“ nieder. Kritische Fragen wurden nicht gestellt oder umgangen, Details zu den Verbrechen von Hitlers Machtapparat kommen somit nicht zur Sprache.

Darges Familie stammte ursprünglich aus der Gegend um Lüdelsen und Neuenstall. Die Vorfahren kamen vermutlich in der Zeit bis 1750 als Kolonisten von Friedrich II. aus dem süddeutschen Raum. Darges verbrachte seine gesamte Kindheit in der Region des Hansjochenwinkels. In Dähre wurde er getauft, in Dülseberg besuchte er die Volksschule und in Diesdorf wurde er konfirmiert.

In Bezug auf seine Aussagen zu Hitler galt Darges bis zu seinem Tod als unbekehrbar. Lange Jahre war er Schatzmeister bei dem Hilfswerk Ritterkreuz. Im Jahr 2000 wurde er im Rahmen einer BBC-Dokumentation „Hitlers Krieg im Osten“ interviewt. Ein letzter Höhepunkt in der Diesdorfer Region war dessen groß gefeierter 90. Geburtstag mit DRK-Senioren in der Gaststätte am Markt. Darges starb betagt am 25. Oktober 2009. Er wurde 96 Jahre alt.

Von Kai Zuber

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