Kontroverse Diskussion in Winterfeld zu dem geplanten Gesundheitszentrum

Praxis kommt, Arzt fehlt noch

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Bei der Podiumsdiskussion ging es um das Problem „Ärztemangel im ländlichen Raum“, das durch den aktuellen Bau des Gesundheitszentrums in Winterfeld nun auch in der Verbandsgemeinde angekommen ist. Die fachkundigen Gäste erläuterten ihre Sicht der Dinge und beantworteten die vielen Fragen der Besucher.

Winterfeld. Rund 200 Gäste kamen am Mittwochabend zu einer spannenden Podiumsdiskussion nach Winterfeld ins Landhotel „Wieseneck“.

Die Veranstaltung wurde vom SPD-Ortsverein Beetzendorf und der Friedrich-Ebert-Stiftung Sachsen-Anhalt organisiert und stand unter der Fragestellung „Gesundheitsforum Winterfeld – Wie geht es weiter mit der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum?“. Ein Thema, das besonders die Menschen in Winterfeld beschäftigt. Die Bauarbeiten für das geplante Gesundheitszentrum haben erst kürzlich begonnen. Doch es gestaltet sich schwierig, Allgemeinmediziner zu finden, die dort arbeiten sollen.

Der Ärztemangel auf dem Land ist ein immer größeres Problem – auch über die Gemeindegrenzen hinaus. Um Standpunkte aufzuzeigen und Fragen zu erörtern, hatten sich die Organisatoren fachkundige Gäste eingeladen: Petra Grimm-Benne, Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt, saß ebenso auf dem Podium wie Dr. Burkhard John von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen-Anhalt und der Salzwedeler Arzt Matthias Strecker.

Über 200 interessierte Gäste kamen zu der informativen Veranstaltung in das Landhotel „Wieseneck“ nach Winterfeld.

„Das Thema der ärztlichen Betreuung ist in der Landespolitik angekommen und stellt neben der Kinderbetreuung das wichtigste Zukunftselement dar“, meinte Grimm-Benne. John stellte eine Hochrechnung vor, nach der in Sachsen-Anhalt in 15 Jahren 200 zusätzliche Hausärzte benötigt werden. Der steigende Frauenanteil führe zudem zu zeitlichen Ausfällen im Zuge von Schwangerschaft und Mutterzeit. Konkret für Winterfeld meinte John: „Es ist nicht möglich, für Ihre Einrichtung einen Arzt zu backen.“ Allerdings brachte er die Option ins Spiel, dass die KV die Arztpraxis übernimmt und Ärzte einstellt. Denn viele Ärzte scheuten mittlerweile den Aufwand eine eigene Praxis aufzumachen und arbeiteten lieber als Angestellte. Harald Josten, Bürgermeister des Flecken Apenburg-Winterfeld, schilderte, dass in dem Komplex auch ein Physiotherapiebereich vorgesehen ist. Hier gebe es bereits einen Physiotherapeuten, der bereits fest gebunden werden konnte, so Josten.

In der Fragerunde wurde zuerst über Tele-Medizin gesprochen, die seit einiger Zeit als Lösung des Ärztemangel-Problems genannt wird. Hausarzt Dr. Ilja Karl, der eine Praxis in Arendsee betreibt, erwiderte: „Sie brauchen auch bei der Tele-Medizin Ärzte, die auf der anderen Seite am PC sitzen. Das schafft nicht mehr Kapazitäten und löst somit das Problem nicht!“ John pflichtete dem bei und betonte zudem den Datenschutz. Es müsse zunächst ein sicherer, verschlüsselten Austausch zwischen den Praxen mit einem einheitlichen Standard gewährleistet sein.

Einige Wortmeldungen beinhalteten im Kern eine unzureichende Honorierung. Denn Landärzte müssen für Hausbesuche beispielsweise größere Strecken auf sich nehmen, womit ein großer Zeitverlust einhergeht, lautete eine Meinung. Intensive Diskussionen gab es hinsichtlich der Ausbildung. John kritisierte, dass im Schnitt 70 Prozent der Medizinstudenten in den beiden Uni-Städten Magdeburg und Halle aus anderen Bundesländern kommen. Denn diese gehen nach Beendigung ihrer Ausbildung größtenteils wieder in ihre Heimat zurück. Als Idee nannte John für Sachsen-Anhalt eine „Landeskinder-Quote“. Zudem schlug ein Osterburger Hausarzt vor, die Zulassungskriterien zu überdenken. So sollte jeder, der Medizin studieren möchte, vorher ein Jahr in der Pflege gearbeitet haben.

Angelika Scholz, unter anderem Vorsitzende im Kreisbildungsausschuss, hielt ein flammendes Schlussplädoyer in Richtung Ministerin. „Die Menschen in der Altmark sind in Sorge. Wir haben unseren Teil für das Gesundheitszentrum erfüllt. Jetzt müssen Sie das Problem vonseiten der Politik in Angriff nehmen. Also nehmen Sie unsere Anregungen und Fragen mit nach Magdeburg.“

Von Stefan Wasinski

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