Hähnchenmast: Reinbergers wollen Widerstand leisten

Paradies in Gefahr

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Sie wollen die Hähnchenmastanlage hinterm Haus nicht hinnehmen: Kirsten (v.l.), Luca und Thomas Reinberger sowie Lucas Oma Ingrid. Auch Juliane Schmidt mit Tochter Johanna (2) ist dagegen.

Neuekrug. Familie Reinberger hat Angst um ihr Paradies. Direkt hinter ihrem Grundstück soll eine Hähnchenmastanlage entstehen, für 200 000 Tiere in vier Ställen (wir berichteten).

Reinbergers sorgen sich nicht nur um ihre Ruhe oder um den Wert des mühevoll renovierten Hauses, sondern vor allem um ihren neunjährigen Sohn Luca.

„Unser Sohn ist schwerkrank“, berichtet seine Mutter Kirsten, „er hat keine Milz, nur ein halbes Herz und eine geschädigte Lunge.“ Vor allem die fehlende Milz bedeute, dass sein Immunsystem sehr anfällig ist. Die Keime und der Kot aus der Hähnchenmastanlage, prognostizieren Kirsten und Thomas Reinberger, gelange in die Luft und auf die Felder. „Dann sind wir gezwungen, wegzuziehen.“

So entsteht die nächste Frage: „Wer will dann unser Haus und Grundstück kaufen?“ Denn mit Aussicht auf vier Hähnchenmastställe – derzeit sind es Felder und Wald – und einem neuen starken Lkw-Verkehr, der für An- und Abtransport zur Anlage nötig ist, wird der Wert ihres Zuhauses wohl kaum steigen, schätzen Reinbergers.

Hinzu kommt natürlich der emotionale Wert. Denn in Neuekrug ist ihr Sohn Luca gegen jede ärztliche Prognose neun Jahre alt geworden, „er hat hier Laufen und Radfahren gelernt“, freut sich Kirsten, die als Krankenschwester arbeitet. Weil Luca schwerbehindert ist, hat Vater Thomas die Rolle des Hausmannes übernommen und seit 2004 das Haus zuerst bewohnbar gemacht und dann weiter renoviert. Das Haus ist von 1913 – „ich dachte, dass wir hier für immer leben“, ist Thomas Reinberger traurig. Es klingt nach Abschied, wenn Kirsten Reinberger sagt: „Das hier war das Beste, was uns passieren konnte.“ Aber ganz soweit ist es noch nicht. Überall im Dorf hängen erste Plakate und Protestschilder gegen das Hähnchenmastprojekt. Unterschriftenlisten liegen an vielen Orten aus, zahlreiche Signaturen kamen schon zusammen, allein Reinbergers haben schon fast zwei A4-Seiten voll. Eine Bürgerinitiative ist in der Gründungsphase. „Es wird ganz massiv Widerstand geben“, kündigt Thomas Reinberger an. Denn „es gibt bessere Stellen für solche Projekte, man muss sie nur suchen.“ Ob das der Investor ähnlich sieht, wird sich zeigen. Bürgermeister Fritz Kloß hatte im Bauausschuss gesagt, der Investor wolle nichts ohne das Einverständnis der Bürger unternehmen (wir berichteten). Da der Bürgerwille entscheiden soll, wird es eine Einwohnerversammlung geben. Ein Termin steht noch nicht fest, ergab die Nachfrage beim Bauausschussvorsitzenden Daniel Rieck.

Von Steffen Hamann

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