Kriegsende

Erinnerungen an die letzten Kämpfe in der westlichen Altmark

Seitlich neben einem Waldweg ist ein mit Findlingen umrandetes Soldatengrab zu erkennen.
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Dieses Grab am Waldrand im Flecken Diesdorf zeugte von den letzten Gefechten im April 1945. Kurz nach dem Krieg sollen hier in den Wäldern noch 200 Soldaten sinnlos gefallen sein.
  • VonKai Zuber
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Die Exhumierung und Umbettung der sterblichen Überreste von fünf kurz vor Kriegsende gefallenen deutschen Soldaten durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge erinnert die letzten noch lebenden Zeitzeugen an die schweren Kämpfe Mitte April 1945 in der westlichen Altmark.

Lindhof/Diesdorf – Erbitterte Gefechte tobten kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in den Wäldern zwischen Lindhof und Diesdorf. Etliche Soldaten waren quasi fünf Minuten vor „Toresschluss“ noch gefallen und von den Einwohnern noch vor Ort begraben worden. Einige Gräber mahnten bis vor wenigen Tagen vor der Exhumierung der Soldatengebeine an Wegrändern im Wald an den Wahnsinn des Krieges. Viele Jahre hinweg pflegten Einwohner von Lindhof die namenlosen Grabstätten, die von den schweren Gefechten rund um den 18. und 19. April 1945 künden. Etwa 200 Soldaten sollen damals in wenigen Stunden gefallen sein, berichteten Einwohner der AZ. Zwei Dutzend Gräber gab es Überlieferungen zufolge kurz nach Kriegsende. Vier davon waren erhalten geblieben und hatten die Jahrzehnte bis zur Umbettung überdauert. An die Kämpfe kurz vor Kriegsende können sich die betagteren Lindhofer erinnern.

Gefechte und Beschuss in altmärkischen Dörfern wie hier in Ellenberg gab es noch bis in die letzten Kriegstage.

Hintergrund: Obwohl die US-Armee Mitte April 1945 bereits die Elbe erreicht hatte, kämpfte bei Lindhof eine versprengte SS-Panzereinheit weiter. Der Senior Friedrich Wiswinkel aus Lindhof war damals zehn Jahre alt, als er alles miterlebte. Mehrmals hatte er in der Diesdorfer Ortsgruppe der Volkssolidarität über seine Erlebnisse berichtet. Keiner der Lindhofer hatte im April 1945 noch mit Kriegshandlungen gerechnet. Die Kämpfe schienen ja beendet. Doch zwischen Waddekath und Diesdorf kam es zwischen dem 18. und 20. April 1945 völlig überraschend zu massiven Truppenbewegungen der Deutschen. Hier operierte die Panzerdivision „Clausewitz“. Diese wollte ursprünglich von Uelzen nach Fallersleben/Elm vorstoßen. In den Abendstunden des 18. April, gegen 20 Uhr, rückten die Amerikaner in Lindhof ein und bezogen Stellung. Dann fielen die erste Schüsse und die Anwohner sollten auf Anweisung in den Kellern bleiben. Im Hause der Wiswinkels lagen amerikanische Beobachter. Als ein deutscher Soldat ins Haus wollte, wurde er quasi auf der Türschwelle erschossen. Auf den Straßen lagen verwundete Soldaten und in den Dachstuhl des Wiswinkel-Hauses schlug ein Geschoss ein. Auch viele andere Gehöfte in Lindhof wurden getroffen. Denn: Weil deutsche Truppen unter Führung von Generalleutnant Unrein, über die Frachtstraße kommend, erneut Lindhof besetzen wollten, antworteten die Amis rasch mit Luftaufklärung und anschließendem Bombenhagel. Daraufhin flohen die Deutschen Soldaten in die Wälder. Einige kamen später in Zivil in die umliegenden Orte zurück, um sich zu verstecken. Geblieben sind heute nur die Erinnerungen und die namenlosen Soldaten-Gräber, die nun in den Haselhorster Gottesacker umverlegt wurden.

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