Neue Ortsgruppe auf Klageweg vorbereitet

Der Infoabend des BUND am Dienstag war gut besucht. Der Hanumer Saal füllte sich mit Einwohnern aus Hanum, Jübar, Zasenbeck und Kunrau. Ulla Heymann (l.) verwies auf mögliche gesundheitliche Probleme einer Hähnchenmastanlage.

Hanum. Einwohner aus Hanum und Jübar machen gegen die geplante Hähnchenmastanlage in der Hanumer Gemarkung mobil. Ein Landwirt aus dem Ort plant nördlich vom Dorf zwei Ställe für insgesamt 80 000 Tiere (wir berichteten). Aus Angst vor Umwelt- und Gesundheitsschäden haben sich nun neun Einwohner aus Hanum und Jübar zu einer neuen Ortsgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zusammengefunden. Mit dem Überreichen einer entsprechenden Urkunde während des Infoabends am Dienstag durch den BUND-Landesgeschäftsführer Oliver Wendenkampf wurde die bereits in der vergangenen Woche beschlossene Gründung nun offiziell.

Die drei Sprecher der neuen BUND-Ortsgruppe Jübar/Hanum, Martin Freitag, Fred Hövermann und Torsten Fock, konnten mehr als 80 Gäste aus Hanum, Jübar, Zasenbeck sowie von der BUND-Ortsgruppe Kunrau im Hanumer Saal begrüßen. Letztere hätten mit ihren Bestrebungen gegen eine geplante Schweinemastanlage den Hanumern Mut gemacht, sich aktiv gegen das Vorhaben zur Wehr zu setzen, so Martin Freitag.

Dass die Ortsgruppe entscheidende Vorteile gegenüber einer ebenfalls denkbaren Bürgerinitiative (BI) hätte, unterstrich Oliver Wendenkampf. „Als anerkannter Naturschutzverband kann der BUND gegen eine Hähnchenmastanlage klagen, eine BI kann das nicht“, so der BUND-Landesgeschäftsführer. Um für einen möglichen Klageweg gerüstet zu sein, wurde ein Spendenkonto eingerichtet (siehe Infokasten).

Konkrete Informationen zu den beiden geplanten Ställen sind noch rar. Neben der vorgesehenen Kapazität ist lediglich die Entfernung zu Hanum bekannt. Unter 500 Meter soll diese laut Martin Freitag betragen. Ein Bauantrag ist derweil noch nicht gestellt, dem Landesverwaltungsamt (LVA) in Halle liegt derzeit lediglich eine Bauvoranfrage vor. Mit einer Reaktion des LVA auf dieses Schreiben wird in der kommenden Woche gerechnet. Ebenfalls bekannt ist, dass der Investor mit einem bekannten Geflügelproduzenten aus Deutschland in Kontakt steht, der bezüglich des Tierschutzes in der Vergangenheit mehrfach negativ aufgefallen sei. Ein zu Beginn an die Wand projizierter Fernsehbericht aus dem Vorjahr zeigte dies auf.

Auch den Rest des etwa zweistündigen Infoabends beschränkte sich die Ortsgruppe zunächst darauf, über die Hähnchenmast und die industrielle Tierproduktion im Allgemeinen zu informieren und mögliche Probleme aufzuzeigen. Fred Hövermann sprach die Haltungsbedingungen an. So könnten laut EU-Richtlinie bis zu 25 Masthähnchen auf einem Quadratmeter Stallboden gehalten werden. „Schaben, Sandbaden und Flügelschlagen sind dann nicht mehr möglich“, so der Hanumer, der auch auf Belastungen durch Ammoniak in der Luft und Nitrat im Grundwasser verwies. Außerdem sei bei der Anlagengröße mit jährlich etwa 400 Transportbewegungen zu rechnen. Die Folge könnten sinkende Grundstückspreise sein.

Torsten Fock, der mit seiner Familie seit vier Jahren in Hanum lebt, habe das Leben auf dem Lande und die schöne Landschaft zu schätzen gelernt. Es sei schade, wenn diese durch eine industrielle Mastanlage gestört werden würde.

Ulla Heymann aus Jübar verwies auf das Problem des verstärkten Einsatzes von Antibiotika in der Geflügelbranche. Mittlerweile, so hatte sie recherchiert, würden Masthähnchen zwei Drittel ihres ohnehin nur 32 Tage währenden Lebens Antibiotika bekommen. Dies könne beim Menschen dazu führen, dass Resistenzen gebildet werden und Arzneimittel nicht mehr wirken.

Belastungen treten laut Martin Freitag auch bei der Reinigung der Ställe in Form von Formaldehyd sowie durch Pilze und Viren auf, die durch die Belüftungsanlagen weit in die Umgebung getragen werden. Auch der Stallmist sei hoch belastet.

Dass im Umfeld von Hähnchenmastanlagen die Krankheitsraten steigen, ist für Oliver Wendenkampf unbestritten. Jedoch lasse sich dies gerichtlich nicht beweisen. Der BUND-Landesgeschäftsführer räumte der Ortsgruppe gute Chancen ein: „Meiner Kenntnis nach wird es für den Investor schwierig sein, nachzuweisen, dass es keine Auswirkungen auf Natur und Mensch gibt.“ Er appellierte an den Gemeinderat, der die Unterlagen über das Vorhaben meist noch vor der öffentlichen Auslegung erhält, rechtzeitig die Einwohner zu informieren.

Landschaftsplaner Michael Matthiesen aus dem Raum Hannover, der auf „jahrelange Kampferfahrungen gegen industrielle Mastanlage“ verwies, bot der Ortsgruppe seine Hilfe an. Er riet den Einwohnern dazu, frühzeitig damit zu beginnen, Fakten über Hähnchenmastanlagen zu sammeln und so für Stimmung vor Ort zu sorgen. Das hätte so manchen Investor bereits im Vorfeld abgeschreckt. Komplizierter werde es, wenn das Genehmigungsverfahren eröffnet ist. Ein einfaches moralisches Ablehnen der Anlage zähle dann nicht, sondern rein die rechtlichen Vorschriften.

Die nächste Veranstaltung des BUND zum Thema Hähnchenmast in Hanum soll es spätestens mit der öffentlichen Auslegung der Unterlagen geben, kündigte Oliver Wendenkampf abschließend an.

Von Matthias Mittank

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