Stefanie Teschner aus Jeeben leidet unter Fettverteilungsstörung

„Mir geht es noch zu gut“

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Stefanie Teschner aus Jeeben zeigt den Ablehnungsbescheid ihrer Krankenkasse. Sie hatte bei der IKK gesund plus die Kostenübernahme für eine Liposuktion (Fettabsaugung) beantragt.
  • Christian Reuter
    vonChristian Reuter
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Jeeben – Stefanie Teschner aus Jeeben hat sehr dicke Beine, auch an den Armen und am Bauch hat sie viel Fett. Die 28-jährige Frau leidet an der Krankheit Lipödem, einer Fettverteilungsstörung. „Das hat bei mir schon mit elf oder zwölf Jahren angefangen.

Da habe ich bemerkt, dass meine Beine immer unförmiger wurden“, erinnert sie sich zurück. Mit Anfang 20 habe sie dann begonnen, selbst zu recherchieren und sei dann im Internet auf die Lipödem-Krankheit gestoßen. 2012 sei diese Diagnose dann im MVZ Klinikum in Magdeburg gestellt worden.

Stefanie Teschner leidet an der Krankheit Lipödem. Sie ist gekennzeichnet durch viel Fett an den Beinen, aber auch an den Armen und am Bauch.

Teschner: „Die Krankheit ist chronisch und nicht heilbar. Das ist für mich nicht nur ein ästhetisches Problem, ich leide auch immer wieder unter Schmerzen.“ Medikamente, die helfen könnten, gebe es nicht, dafür aber Kompressionsstrümpfe als Therapiemaßnahme. „Die Strümpfe muss ich den ganzen Tag über tragen, nur nachts nicht. Sie haben viele Nachteile: Im Winter friert man damit noch mehr und im Sommer schwitzt man noch stärker.“

Zudem sind die Kompressionsstrümpfe recht teuer, ein Paar kostet laut Teschner rund 1000 Euro, das zahle ihre Krankenkasse IKK gesund plus immerhin. „Vier Stück stehen mir pro Jahr nach dem Kassensatz zu.“ Damit komme sie auch aus. Eine andere Therapie als das Tragen der Strümpfe und zudem noch Lymphdrainage würde ihr die Krankenkasse nicht anbieten.

Im September 2019 schöpfte Stefanie Teschner neue Hoffnung: „Ich stellte mich bei einem Facharzt in Hannover vor. Ich habe mir ein Gutachten erstellen lassen.“ Der Arzt habe bei ihr die Lipödem-Krankheit im Stadium II diagnostiziert. „40 bis 45 Liter krankes Fett müssten aus den Beinen und der Hüfte abgesaugt werden, sechs bis sieben Operationen wären nötig, wobei eine OP rund 6000 Euro kostet“, erzählt die junge Frau. Im September dieses Jahres habe sie dann einen Antrag auf Kostenübernahme für die Operationen bei ihrer Krankenkasse gestellt. „Vor dem Antrag muss man mindestens ein Jahr lang die Kompressionsstrümpfe tragem“, erklärt Stefanie Teschner die lange Pause zwischen dem Arzttermin und der Antragstellung.

Operationen nur bei Stadium III

Doch schon drei Wochen später habe sie von der Krankenkasse einen Ablehnungsbescheid erhalten. „Weil ich einen BMI über 35 habe, nicht regelmäßig zur Lymphdrainage gehe und nur ein Lipödem im Stadium II habe. Die Kasse übernimmt die Kosten für die OPs nur bei Stadium III. Mir geht es noch zu gut“, fasst die 28-Jährige die knapp zweiseitige Begründung der Krankenkasse kurz zusammen. Sie hat kein Verständnis für die Entscheidung der IKK gesund plus, zumal auf Dauer gesehen die Kosten für die OPs niedriger liegen würden, als die Kompressionsstrümpfe kosten. „Man buttert so viel rein in die Krankenkasse, und dann will man mal etwas haben, und dann wird das abgelehnt“, ist sie enttäuscht.

Die AZ fragte bei der IKK gesund plus noch einmal nach, warum der Antrag von Stefanie Teschner abgelehnt wurde. „Bei unserer Versicherten, Frau Teschner, liegt eine im Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung unzureichend geklärte Problematik Lipödem ,Stadium I – II’ gegenüber ,Stadium III’ vor“, teilte Pressesprecher Gunnar Mollenhauer mit. Liposuktionen bei Lipödem im Stadium I und II seien noch nicht Bestandteil des Leistungskatalogs der GKV, da bisher keine ausreichenden Studiendaten vorliegen würden. Deshalb werde dafür nunmehr eine Erprobungsstudie durchgeführt, deren Ergebnisse abzuwarten seien.

„Für das Lipödem keine kausale Therapie“

„Lediglich für das Stadium III wurde die Liposuktion vorläufig und befristet bis 31.12.2024 in den Leistungskatalog aufgenommen. Nach Abschluss der Erprobungsstudie wird auch hierzu eine Neubewertung erfolgen. Liposuktionen bei Lipödem im Stadium III können grundsätzlich ambulant und stationär erfolgen“, erklärte Mollenhauer. Für das Lipödem gebe es keine kausale Therapie, also keine die die Ursachen der Krankheit bekämpft. Auch die Liposuktion sei hierfür nicht hinreichend. Diese mindere lediglich die Symptome. Daher sei in der Regel auch davon auszugehen, dass nach einiger Zeit die Liposuktion erneut notwendig werde. Eine „Wirtschaftlichkeitsrechnung“, wie in der Anfrage dargestellt, könne nicht seriös abgebildet werden. „Gern hätten wir eine andere Entscheidung im Sinne unserer Versicherten getroffen, doch der gesetzliche Rahmen lässt hier für die Krankenkassen keinen Ermessensraum“, teilte der Pressesprecher mit. Die Kriterien für die Durchführung einer Liposuktion seien bei Stefanie Teschner nicht erfüllt. Stefanie Teschner sammelt inzwischen Spenden für die Operationen. Wer ihr helfen will, kann die Aktion unter Facebook finden oder sich an die AZ wenden.

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