Für Klaus F. Schmidt ist das Leben eine Achterbahn / Heute lebt er in Dähre

Millionen beim Roulette verspielt

Klaus F. Schmidt brachte es als Sodastream-Berater zu fünf Millionen D-Mark, die er aber innerhalb von zwei Jahren beim Roulette verspielte. Heute lebt er im beschaulichen Dähre, wo es ihn der Liebe wegen hinzog.
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Klaus F. Schmidt brachte es als Sodastream-Berater zu fünf Millionen D-Mark, die er aber innerhalb von zwei Jahren beim Roulette verspielte. Heute lebt er im beschaulichen Dähre, wo es ihn der Liebe wegen hinzog.
  • Christian Reuter
    VonChristian Reuter
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Das Leben als Millionär zu genießen, ist der Wunsch vieler Menschen. Doch was für die meisten nur ein Traum bleibt, ging für Klaus F. Schmidt in Erfüllung: Er brachte es zu einem Vermögen von fünf Millionen D-Mark.

Dähre – Allerdings war nach nur zwei Jahren alles wieder futsch: Er verspielte das gesamte Geld beim Roulette. Heute lebt der 71-Jährige in Dähre, wo es ihn 2018 der Liebe wegen hinzog.

Aber blicken wir zurück, als die Erfolgsgeschichte von Klaus F. Schmidt begann. Das Schicksal nimmt seinen Lauf, als ihm 1993 Peter Kautz nach fast zehn Jahren wieder begegnet. „Peter Kautz war der erste Posaunist der Dresdner Philharmonie und 1984 in den Westen geflüchtet“, erinnert sich Schmidt zurück.

Kautz ist Anfang der 1990er-Jahre Geschäftsführer von Sodastream in Deutschland. Doch das Geschäft mit den Küchenmaschinen aus Großbritannien, die Leitungswasser in Sprudel verwandeln, läuft nur sehr zögerlich an. Schmidt: „Kautz hatte ein Darlehen bekommen, und ich sollte die Firma retten. Ich sagte zu ihm, dass ich nicht zaubern kann.“

Nein, zaubern kann Klaus F. Schmidt tatsächlich nicht, aber der ehemalige Inhaber einer Werbeagentur hat die rettende Idee: „Ich habe den WDR solange genervt, bis Jean Pütz das Sodastream-Gerät in der Sendung ,Hobbythek’ vorgestellt hat.“

Die Darbietung schlägt ein wie eine Bombe. 1993 macht die Firma noch 100 000 Mark Umsatz, 1997 sind es dann 67,8 Millionen. Doch nur ein Jahr später, auf dem Höhepunkt seines Erfolgs, steigt Klaus F. Schmidt aus. „Ich war zwar erst Ende 40, aber mein Kreislauf machte schlapp“, schaut er zurück. Er verkauft seinen Anteil an der Firma an seinen Freund und Geschäftspartner Peter Kautz. Schmidt bekommt fünf Millionen D-Mark und damit mehr, als er sich erhofft hatte.

Ihn packt die Neugier

„Als ich das Geld hatte, stellte ich fest, ich muss nicht mehr die Negativschlagzeilen in der Zeitung lesen. Aber die Kohle mit vollen Händen ausgeben wollte ich auch nicht.“ Trotzdem leistet sich der frisch gebackene Multimillionär einiges: kauft sich eine 13 Meter lange Jacht, dazu ein schönes Haus am IJsselmeer in den Niederlanden, einen Luxus-Sportwagen, eine Dodge Viper. Im Frühjahr 1998 erhält er die fünf Millionen, nur wenige Monate später, im Herbst, nimmt sein Leben eine dramatische Wendung. Klaus F. Schmidt will seinen Sohn in Bremen besuchen. In Bad Zwischenahn legt er eine Pause ein, isst Mittag im Restaurant einer Spielbank. „Ich habe dort gesessen und gesehen, wie einige Meter weiter fröhliche Leute aus der Tür zu einem Casino kamen.“

Schmidt packt die Neugier und er tritt ein. Er spielt Roulette – und verliert 10 000 Mark. „Ich wollte mir das Geld am nächsten Tag wiederholen.“ Und er kommt wieder. Außer sonntags geht er jeden Tag ins Casino. Spielsucht nennt man das. Zwei Jahre lang, dann sind die fünf Millionen Mark verspielt.

Schmidt kann sich noch gut an den letzten Tag erinnern, einen grauen Oktobertag im Jahr 2000. Er hat noch 20 000 Mark, als er in der Spielbank Bremen mit dem Roulette beginnt. Nach einer Stunde sind es nur noch 500 Mark. Er setzt seinen Jeton auf die 17. Die Zahl soll ihm die fast fünf Millionen Mark zurückbringen, die er in den vergangenen zwei Jahren verloren hat. Die Kugel rollt. Doch Schmidt überkommen plötzlich Zweifel, ob die 17 wirklich so eine gute Wahl ist. Also eine andere Zahl nehmen?

„Nichts geht mehr“

„Rien ne va plus“, „nichts geht mehr“, erst nach diesen Worten des Croupiers darf kein Spieler mehr etwas setzen. Schmidt hat noch Zeit und grübelt weiter. Ihm kommt die 10 in den Sinn, der Geburtsmonat seiner Großmutter. Er fragt den Croupier, ob er seinen Jeton noch mal umsetzen darf. Er darf, denn er ist schließlich ein gern gesehener Gast im Casino. Ein Stammkunde. Schmidt setzt auf die 10. Die Kugel rollt und rollt. Dann fällt sie. Aber nicht in die 10! Es ist die 17! Die Zahl, die Schmidt noch wenige Augenblicke zuvor gesetzt hatte. Seine letzten 500 Mark sind weg, denkt er. Nach dem Verlassen des Casinos sieht er einen Straßenmusiker. Er kramt in seinen Taschen, holt einen 50-Mark-Schein hervor und gibt diesen dem Mann. „Da hast du wohl einen guten Tag gehabt“, sagt der Musiker.

Klaus F. Schmidt ist am Ende, zumindest finanziell. Er beantragt Hartz IV, kann aber nicht nachweisen, dass er kein Vermögen mehr hat...

Wer die ganze Geschichte lesen will: „Nichts geht mehr – Vom Sodastream-Multimillionär zum Hartz-IV-Empfänger“, heißt das Buch, das Klaus F. Schmidt geschrieben hat. Das Leben als Achterbahnfahrt.

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