„Die Lage im Wald ist dramatisch“

Lüdelsen: Friedhelm Krüger wirft Forstamt Versagen bei Borkenkäfer-Bekämpfung vor

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Waldbesitzer Friedhelm Krüger musste bereits auf zehn Hektar Fläche Holz einschlagen lassen, weil Fichten vom Borkenkäfer befallen waren. Er wirft dem Forstamt vor, das geschlagene Holz nicht schnell genug zu beseitigen. 

Lüdelsen – Friedhelm Krüger aus Lüdelsen ist privater Waldbesitzer. Rund 100 Hektar habe der Rentner, fast alles Nadelwald, überwiegend Kiefern, Fichten, Lärchen, Douglasien.

„In den letzten zwei Jahren habe ich schon etwa zehn Hektar Fichtenwald verloren. Kahlschlag wegen des Borkenkäfers.“, berichtet Krüger.

Rund 3.000 Festmeter Fichtenholz habe er seit dem vergangenen September bis heute einschlagen lassen. Geld bekomme er dafür kaum noch. „Statt 63,50 Euro gab es nur noch etwa 15 Euro für den Festmeter.“

Fünf Hektar Kahlschlag

Was Friedhelm Krüger aber viel mehr ärgert, ist laut seiner Aussage „das Versagen der Forstämter“. Im Jahr 2018 habe er auf einem Fichtenbestand 20 vom Borkenkäfer befallene Bäume gehabt, daraus seien dann rund fünf Hektar Kahlschlag geworden. „Dafür war das Forstamt verantwortlich“, empört sich Krüger. Sein konkreter Vorwurf an die behördliche Adresse lautet, dass das schon geschlagene Käfer-Holz nicht schnell genug aus seinem Wald geholt worden sei und er dadurch solche hohen Verluste zu beklagen habe.

Helmut Jachalke, Leiter des Betreuungsforstamts Westliche Altmark, kennt die derzeitige Situation im Forst: „Die Lage im gesamten Wald ist dramatisch und wird zunehmend dramatischer. Es sterben alle Bäume, ob nun Fichte, Buche, Lärche oder Kiefer.“ Ursache dafür sei die „extreme Trockenheit“ seit 2018. Das trockene Wetter biete optimale Bedingungen für Schädlinge, „alle Baumarten haben Trockenstress“, erklärt der Forstamtsleiter. Die Fichte sei in unserer Region besonders betroffen, da sie überdurchschnittlich viel Wasser benötige und nur flache Wurzeln habe.

„Seit Mitte 2018 hat der Fichtenborkenkäfer zugeschlagen“, weiß Jachalke. In den aufgestellten Fallen seien zu 95 Prozent Kupferstecher gelandet, der Rest Buchdrucker. Gemeinsam mit den Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) habe das Forstamt die notwendigen Maßnahmen besprochen. Die FBG seien auch zuständig für den eigenständigen Holzverkauf.

Das Forstamt mit Sitz in Klötze betreue elf FBG und 22 000 Hektar. Allein im Revier Jübar gebe es 90 private Waldbesitzer, fast alle seien vom Borkenkäfer betroffen. „Man kann nur vorne anfangen und hinten aufhören, die FBG hat das schon gut gemanagt“, sagt Helmut Jachalke. Alle betroffenen Waldbesitzer würden nach Hilfe schreien, aber die Bekämpfung des Borkenkäfers müsse nach einem Abarbeitungsschema erfolgen. Der Forstexperte räumt allerdings auch ein: „Man konnte gar nicht alles an Schäden erkennen. Nicht alle Käfernester wurden beseitigt.“

Der Borkenkäfer brauche für seine Entwicklung sechs Wochen. „Wenn das Holz drei Wochen liegt, kann sich Herr Krüger nicht beschweren“, stellt der Forstamtsleiter klar. Die Abfuhr des geschlagenen Holzes habe mit der beauftragten Firma gut funktioniert.

Waldumbau kommt

Dem Borkenkäfer versuche man auch mit verschiedenen Fallen zu Leibe zu rücken: Fangholzhaufen, Schlitzfallen und Trinet (Metalldreibein mit Kunststoffnetz). „Allen Fallen gemeinsam ist ein Zerstäuber mit dem Lockstoff, den die Käfer abgeben. Der einen oder anderen Fichte haben wir dadurch das Leben gerettet“, sagt Jachalke.

Jeder Waldbesitzer sei aber auch selbst verantwortlich, vorbeugend tätig zu werden, was den Waldschutz angeht. Eines steht für den Forstamtsleiter fest: „Das Bild des Waldes wird in fünf bis zehn Jahren ganz anders aussehen. Kiefer, Eiche und Douglasie kommen am besten mit der Trockenheit zurecht.“ Schon seit 1997 gebe es in Sachsen-Anhalt die „Leitlinie Wald“, in der der Waldumbau der Bestände vom Nadelwald in Mischwald beschrieben werde. Klar ist für Jachalke aber auch: „Es muss regnen. Wenn wir weiterhin nur 200 bis 250 mm Niederschlag im Jahr bekommen, haben wir auch bei uns bald Steppe.“

VON CHRISTIAN REUTER

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