Stahlbildhauer Michael Hitschold aus Neuekrug etabliert sich auf dem Kunstmarkt

Kunst aus Feuer und Eisen

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Der Künstler Michael Hitschold (44) in seinem geräumigen Atelier im Diesdorfer Ortsteil Neuekrug bei der Formgebung einer seiner jüngsten Arbeiten aus Stahl.

Neuekrug. Etwa 15 Jahre ist es jetzt her, da hat sich der Stahlbildhauer Michael Hitschold den winzigen, aber beschaulichen Diesdorfer Ortsteil Neuekrug auserwählt, um dort sein Atelier aufzubauen.

Seit dem macht er vor allem mit Projekten im Raum Uelzen, Hankensbüttel aber auch in der Altmark auf sich aufmerksam. Längst hat sich Hitschold auf dem Kunstmarkt etabliert, sein Einfallsreichtum ist unerschöpflich: Dazu gehört zum Beispiel sein Stahlkunst-Projekt „Abgeschnitten“, das er mit Insassen der Schlosserei der Justizvollzugsanstalt Uelzen initiierte. Dort entstanden kunstvolle Rippenbögen, die auf gebogene Metallstränge aufgeschweißt und anschließend kupferbeschichtet wurden. Das deutet aus der Sicht des Künstlers auf einen gespaltenen Rumpf und eine stählerne Wirbelsäule hin.

Wer die aus Stahl geschmiedeten Kunstwerke von Michael Hitschold sieht, der denkt dabei unweigerlich an Bilder des berühmten Malers Wassily Kandinsky. In gewisser Hinsicht sind zumindest einige der Werke Hitscholds so etwas wie die stählern-räumliche Antwort auf die expressionistischen Gemälde. Nur sind diese mit mehr Energie geladen.

Der 44-jährige Hitschold ist 1970 in Chemnitz geboren und wirkt seit 1998 in der Altmark. In seinem picobello aufgeräumten Atelier an der Alten Frachtstraße arbeitet er mit traditionellen Schmiedetechniken, aber auch mit modernen Stahlbearbeitungsmaschinen. In den vergangenen Jahren entstanden unter anderem Arbeiten, wie der „Mönch“, „Boodah“ und einige Werke in tänzerischen Bewegungen ohne konkreten Titel. Nach Ausbildungen im Bereich Metall-Gestaltung in Berlin und Dresden ließ sich Hitschold an der Berliner Akademie der Künste weiteres Wissen vermitteln. Es folgten Studienreisen nach Italien, Spanien, Kapstadt, Namibia und Los Angeles. 2001 hat sich Michael Hitschold mit seinem eigenen Schmiedeatelier selbstständig gemacht. Er gibt dort unter anderem auch Kurse für Künstler und Einsteiger.

Seine Gestaltung sei mit dem Wort Fluxus (fließen) in seinem Ursprung verwandt, so Michael Hitschold. Die Plastiken von 2005 bis 2008 wurden im Feuer geschmiedet und transformieren das Action-Painting des Künstlers Jackson Pollock in die uralte Kunst des Schmiedens. Aus seiner Sicht ist das ehrlicher und zugleich schweißtreibender Aktionismus im wahrsten Sinne des Wortes „auf die Spitze getrieben“. Aus dem freien Fluss des Materials gewinnt der Künstler seine Erfahrungen. Durch gezielt eingesetzte Kontraste von Kreis und Gerade entsteht eine spannungsgeladene Rhythmik, welche letztlich die räumliche Bewegung veredelt.

Der Künstler Michael Hitschold ist vom sozialen Realismus geprägt. In seinen Ausstellungen – unter anderem im nahen Kloster Isenhagen – konnten Besucher die energetische Kraft seiner ursprünglichen, im Feuer geborenen Skulpturen erfahren, als auch die elastische Härte der kunstvollen Formgebung, die das moderne Lebensgefühl im entwickelten Industriezeitalter ausdrückt.

Von Kai Zuber

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