Beetzendorfer Tourismusverein hält historisches Bahnerbe in Ehren

Kruppstahl für die Kleinbahn

+
Historischer Kruppstahl aus dem Jahre 1899: Die Strecke Beetzendorf-Kalbe wurde in jenem Jahr offiziell eröffnet. Beetzendorf war vor dem Zweiten Weltkrieg ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt.

Beetzendorf. Genau am 18. Dezember 1899 wurde in der westlichen Altmark Bahngeschichte geschrieben. Grund: Die Strecke Beetzendorf-Kalbe war an jenem Tag offiziell eröffnet worden. Betreiber war die „Altmärkische Kleinbahn AG“.

Seit Jahren werden in dem kleinen Bahnhofsgebäude zwischen Stapen und Hohentramm keine Fahrkarten mehr angeboten. Dennoch schaffen es die Mitglieder des Beetzendorfer Tourismusvereins um ihren Vorsitzenden Rainer Klinzmann dort immer wieder aufs Neue, das historische Kleinbahnflair von einst wieder aufleben zu lassen. Die Gäste könnten sich auch heute noch beim Betreten der Wartehalle die Gemütlichkeit von einst gut vorstellen. Sogar kühles Bier wurde hier gezapft, heißt es. Doch eines der eindrucksvollsten Relikte aus der Gründungszeit ist ein schweres Stück Kruppstahl.

Rainer Klinzmann (r.) schwelgt mit Gleichgesinnten gerne in Erinnerungen. Der Beetzendorfer Tourismusverein hält das historische Bahnerbe seit Jahren liebevoll in Ehren.

Rainer Klinzmann zeigt eine 40 Zentimeter lange Bahnschiene: „Sie trägt die historische Inschrift von 1899.“ Doch das ist noch lange nicht das einzige Relikt aus dem Sammlungsbestand der Beetzendorfer Kleinbahnfreunde und Tourismusvereins-Mitglieder: Auch die „Stammaktie Nr. 4531 der Altmärkischen Kleinbahn-Aktiengesellschaft“ im damaligen Wert von 1000 Reichsmark ist Teil der Sammlung. Die Aktie wurde am 25. Februar 1929 in „Calbe a. M.“ gezeichnet. Während dieser Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg war Beetzendorf ein wichtiges Zentrum des Handels, des Handwerks und der regionalen Wirtschaft. Der Ort war zudem, so erinnern sich ehemalige Bahnmitarbeiter noch heute, ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt. Einerseits gab es die Bahnlinie Oebisfelde-Salzwedel, die am 16. Oktober 1889 in Betrieb genommen wurde. Ein Jahrzehnt später wurde die Kleinbahnstrecke von Kalbe nach Beetzendorf gebaut. Sie führte aber noch weiter bis hin nach Zasenbeck im heutigen Niedersachsen.

Bauherr war die Altmärkische Kleinbahn-Aktiengesellschaft. Wichtige regionale Betriebe wie die Apenburger Stärkefabrik oder das Kornhaus in Beetzendorf ließen entsprechende Anschlussgleise zur Bahnlinie verlegen. Auch für Langstreckenreisende war die neue Linie von enormer Bedeutung. Grund: Die wichtige Verbindung zum Knotenpunkt in Hohenwulsch konnte hergestellt werden. Hier stiegen die Bahnreisenden in die so genannte „Amerikalinie“ Uelzen-Stendal um. Ihren 100. Geburtstag schaffte die Kleinbahn jedoch nicht mehr: 1991 rollten die letzten Züge über die Strecke. Sie wurde am 1. Oktober 1997 offiziell stillgelegt. Der Beetzendorfer Tourismusverein hält derweil das historische Bahnerbe in Ehren. Ein Beispiel dafür ist heute der piekfeine und fast im Originalzustand erhaltene Bahnhof „Stapen-Hohentramm“.

Von Kai Zuber

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare