Kritik an „Kita Mobil“ wächst

+
Andrea Doege-Wotapek, Vorsitzende des Elterkuratoriums, bekommt bei ihrer Kritik am umstrittenen Projekt „Kita Mobil“ Rückendeckung nicht nur aus der Elternschaft. Auch Politiker haben sich des Themas angenommen.

Beetzendorf/Diesdorf - Von Kai Zuber . Bei ihrer Kritik am Konzept „Kita Mobil“ bekommt die Vorsitzende des Elterkuratoriums, Andrea Doege-Wotapek, Rückendeckung von vielen Erzieherinnen, Eltern und Ratsmitgliedern in den Mitgliedsgemeinden der Verbandsgemeinde (VG) Beetzendorf-Diesdorf.

So will zum Beispiel der Diesdorfer Ratsherr Detleff Bill das Thema während der nächsten Ratssitzung in die Tagesordnung aufnehmen. Nicht nur er äußerte im Gespräch mit der Altmark-Zeitung den Verdacht, „dass mit ,Kita Mobil´ das Rad neu erfunden werden soll“. „Als ich erfuhr, dass von unseren Einrichtungen acht bis zwölf geschlossen werden sollen, wurde ich hellhörig“, so der Gewerkschaftsfunktionär. Als Betriebsratsvorsitzender der Glunz AG Nettgau, die als Pate mit zu dem Gelingen des Projektes beitragen soll, habe er eine besondere Beziehung zu dem Vorhaben, so Bill. Nicht nur er sieht viele Widersprüche in den vorgelegten Argumenten zum so genannten demografischen Wandel.

Auch die Hohengriebenerin Anja Fuhrmann – zwei ihrer Kinder besuchen die Mehmker Einrichtung – hat Probleme mit der heraufbeschworenen Abwanderungsstatistik. Bei „Kita Mobil“ wird argumentiert, dass derzeit ein Überangebot besteht und bis zum Jahr 2030 ganze 375 Kitaplätze in der Region gestrichen werden sollen. „Da frage ich mich doch, weshalb es im Moment so lange Wartelisten in den Einrichtungen gibt. Der lang ersehnte Geburtenknick ist endlich da. Vor allem Krippenplätze sind begehrt“, betonte Anja Fuhrmann. Sie hat sich vorgenommen, am nächsten Workshop von „Kita Mobil“ teilzunehmen und der Kuratoriumsvorsitzenden Andrea Doege-Wotapek den Rücken zu stärken.

In der Kritik sind neben den hohen Planungskosten auch die von den Planern erstellten Ergebnisse zum demografischen Wandel. „Die Qualität der dort abgelieferten Analysen ist erschreckend schlecht. Von den simplen Ableitungen der statistischen Daten ganz zu schweigen. Eine solche Präsentation würde bei jedem größeren Unternehmen glatt durchfallen“, so Fuhrmann. Eine Lücke in der Argumentationskette von „Kita Mobil“ sei außerdem die Aussage, dass berufstätige Eltern künftig entlastet werden sollen. Das deckt sich aus Sicht von Andrea Doege-Wotapek und Anja Fuhrmann kaum mit den längeren Fahrwegen, welche Eltern unter Umständen nach der Schließung ihrer „Heimatkita“ in Kauf nehmen müssen. „In diesem Fall werden wir nicht ent-, sondern belastet“, resümiert Anja Fuhrmann. „Die meisten Eltern möchten außerdem keine Einrichtungen mit Spezialisierungen. Sie wollen ein breites pädagogisches Angebot für die Kinder – so wie bisher! Keinesfalls sollen die Knirpse zwischen den Einrichtungen hin und her gefahren werden“, so Doege-Wotapek.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare