Raumfahrtlegende Juri Gagarin in Dähre unvergessen

Ein kosmisches Denkmal

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Der erste Mensch im Weltall, Juri Gagarin, lebt am Dährer Schießplatz in Form eines Denkmals weiter. Es ist eine der wenigen bis heute erhaltenen Gedenkstätten, die die Wende überdauert haben.

Dähre. Der prominenteste Dährer lebt am Ortsrand als „kosmisches Denkmal“ weiter: Juri Gagarin.

Der Gedenkstein am Schießstand des Schützenvereins nahe des Waldbades hat die DDR-Zeiten und sogar die Wende überdauert, der bekanntlich viele ähnliche Gedenkstätten zum Opfer fielen.

Im oberen Teil des gut erhaltenen Gedenksteins leuchtet ein silbernes Porträtrelief Gagarins und erinnert 2011, am 50. Jahrestag seiner bahnbrechenden Mission im All, an den ersten Menschen, der jemals einen solchen Raumflug absolvierte und lebend zurückkehrte.

Doch wie fand Juri Gagarin den Weg nach Dähre? Das Denkmal des legendären sowjetischen Kosmonauten kam mit der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) an den Dummestrand. Der Dährer Geschichtsforscher Dr. Ernst Block erinnert sich: „Der Stein muss offenbar zur Einweihung des GST-Schießplatzes errichtet worden sein. Damals war es ja üblich, dass dafür historische Persönlichkeiten Pate standen, die gerade aktuell waren.“ Der Dährer Schießplatz entstand in den 1970er-Jahren. Danach wurde ein geeigneter Findling gesucht. Auf dem Stein wurde eine Metalltafel angebracht, die folgende Inschrift trägt: „Gedenkstätte für die Verleihung des Ehrennamens Juri Gagarin an die Grundorganisation (GO) der GST in Dähre.“ Darunter verewigte sich der Zentralverband der GST. Die Verleihung des Ehrennamens „Juri Gagarin“ erfolgte am 7. August 1976. Zu diesem Zeitpunkt war Gagarin gerade mal acht Jahre tot.

Salzwedels Stadtarchivar Steffen Lan-gusch und Dähres Schützenvereinschef Helmut Leppin können zu den näheren Umständen der damaligen Ehrennamen-Verleihung kaum Angaben machen: „Damals wurden die Daten noch nicht digital erfasst. Eine Recherche ist mühsam und kann nur von Hand erfolgen“, so Langusch. Einmalig ist aus Sicht von Heimatforscher Jürgen Kayser aus Bornsen die Tatsache, dass das Denkmal nach der Wende nicht abgerissen wurde. „Viele ähnliche Gedenksteine sind ja leider der so genannten Bilder- oder Denkmalstürmerei zum Opfer gefallen“, so Kayser.

Am 12. April 1961 absolvierte Juri Alexejewitsch Gagarin mit dem Raumschiff „Wostok I“ seinen spektakulären Raumflug und umrundete in genau 106 Minuten die Erde. Der Oberst der sowjetischen Luftwaffe und „Held der Sowjetunion“ starb jung: Am 27. März 1968 wurde er Opfer eines Flugunfalls. Die genauen Umstände sind bis heute nicht geklärt. Gagarin stürze mit seiner „MiG 15 UTI“ in den Tod. Als mögliche Ursachen gelten eine Kollision mit einem Abfangjäger vom Typ „Suchoi“ oder einem Wetterballon. Bewiesen ist heute, dass während jenes Flugtages gängige Sicherheitsstandards verletzt wurden, die am Ende zu „einer unglücklichen Verkettung verhängnisvoller Umstände“ und so zum Absturz führten. Eine Untersuchungskommission kam zu dem Resultat, Gagarin sei ein „höchst unerfahrener Pilot“ und habe gemeinsam mit seinem Co-Piloten durch zu scharfe Flugmanöver die MiG „abgewürgt“ und so den Absturz zu verantworten. Dies wurde 50 Jahre lang verschwiegen, um seinen Heldenstatus nicht zu gefährden. Die Urne Gagarins befindet sich an der Kremlmauer auf dem „Roten Platz“ in Moskau.

Von Kai Zuber

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