Ein Knochenjob

Kein einfacher Arbeitsplatz: Manfred Feldner (57) aus Kortenbeck arbeitet auf der einzigen deutschen Bohrinsel in der Nordsee bei Cuxhaven. 900 000 Tonnen Öl werden derzeit pro Jahr dort gefördert. Foto: Zuber / Montage: Köhler

Kortenbeck. „Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bekomme bei den konstant hohen Spritpreisen an der Tankstelle keinen Rabatt“, gesteht Manfred Feldner aus Kortenbeck schmunzelnd ein. Dabei hätte der 57-Jährige aus dem kleinen Dährer Ortsteil vielleicht einen gewissen Anspruch darauf. Denn: Manfred Feldner geht für einen Altmärker einem eher ungewöhnlichen Beruf nach. Seit fünf Jahren gehört er einem internationalen Team an, das auf der einzigen deutschen Bohrinsel „Mittelplate“ in der Nordsee nach dem flüssigen „schwarzen Gold“ sucht.

Die Bohrtechnik mit dem offiziellen Namen „T-150“ ist ein schwimmendes technisches Wunderwerk. „Die Bohrinsel befindet sich etwa 16 Meter über der Wasseroberfläche. Wir bohrten uns bereits bis in eine Tiefe von 4 700 Meter vor, wollen aber noch bis zu 10 000 Metern vorstoßen“, erklärt Manfred Feldner im Gespräch mit der Altmark-Zeitung.

Er stammt ursprünglich aus Mösenthin, ging später in Schmölau zur Schule und blieb dann in der Hansjochenwinkel-Region hängen. Feldners Arbeit auf der künstlichen Insel ist ein echter Knochenjob. Das Bohrteam ist daher eine verschworene Gemeinschaft, eine echte „Multikulti-Truppe“. Die Männer kommen unter anderem aus Italien, Russland und Deutschland. Auf der Insel ist Platz für bis zu 300 Arbeiter. Gebohrt wird in Schichten: Es gibt die Früh- und die Spätschicht. Ständig müssen die schweren Bohrgestänge verlängert werden. Die insgesamt rund 50 Millionen Euro teure Anlage „T-150“ zählt zu den größten und modernsten Bohranlagen Europas und ist durch ihre spezielle Ausstattung auf eine umweltschonende Arbeit im sensiblen Wattenmeer ausgerichtet.

In den unterirdischen Sandsteinschichten befinden sich im Ölfeld „Mittelplate“ die ergiebigsten Ölvorkommen Deutschlands. Seit Förderbeginn 1987 konnten von der Bohr- und Förderinsel 18 von 44 möglichen Bohrungen niedergebracht werden. Die anfänglich jährlichen Förderraten von rund 200 000 Tonnen Erdöl konnten durch eine ständige Anpassung der Fördereinrichtungen auf der Insel und durch Erweiterung der Transportkapazitäten auf rund 900 000 Tonnen pro Jahr erhöht werden.

Im Zusammenhang mit der Pipeline-Anbindung der Bohr- und Förderstation „Mittelplate“ an die Aufbereitungsanlagen der Landstation Dieksand ermöglicht die neue leistungsstarke Bohranlage eine Erhöhung der Erdöl-Produktion von der Insel auf jährlich 1,2 bis 1,6 Millionen Tonnen Öl. Etwa 40 Millionen Tonnen Erdöl können voraussichtlich noch aus der Lagerstätte gefördert werden. Da die übrigen inländischen Lagerstätten weitgehend ausgefördert und erschöpft sind, gilt „Mittelplate“ mit knapp 65 Prozent der nationalen Rohölreserven als das einzige deutsche Ölfeld mit Zukunft.

„Nach so einer Schicht auf der Öl-Bohrinsel ist man geschlaucht“, sagt Manfred Feldner. Er selbst geht auf die 60 zu, will aber noch bis zum „runden Jubiläum“ auf „T-150“ arbeiten. Stets zwei Wochen lang muss Manfred Feldner auf der Bohrinsel hart schuften, doch danach geht es 14 Tage zur „Freitörn“ nach Hause in die Altmark.

„Hier im beschaulichen Kortenbeck kann ich mich dann ausruhen“, sagt Feldner.

Von Kai Zuber

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