Ehemaliges Wallstawer Etablissement kommt nicht zur Ruhe

Klingelterror im Ex-Bordell: „Chantal arbeitet nicht mehr hier“

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Nächtlicher Klingelalarm bis heute: Seit über anderthalb Jahren ist das Rotlicht-Etablissement nun dicht.

Wallstawe – Seit über anderthalb Jahren ist das Rotlicht-Etablissement in der Wallstawer Dorfstraße 64 schon dicht, dennoch kommt das ehemalige Wallstawer Bordell nicht zur Ruhe.

Ein nächtlicher Klingelterror vieler ehemaliger Stammkunden war trotz Schließung über Monate hinweg die Regel.

Im Haus regiert schon längst nicht mehr die Sünde.

Freier klingeln

Der neue Mieter musste dennoch seit Mitte 2017 mitternächtliche Störungen ertragen: „Vom Einbruch der Dunkelheit bis in die frühen Morgenstunden kamen die einstigen Freier der Damen hier regelmäßig vorbei und baten um Einlass“, sagt der Mann, der heute in den Räumen des einstigen Puffs wohnt und daher nicht unbedingt seinen Namen nennen will.

Die einsamen Männer fragten in „Nummer 64“ nach Chantal, Monique oder Babsi – aber Fehlanzeige. „Chantal arbeitet nicht mehr hier“, lautete stattdessen die Antwort der genervten Neu-Mieter. Zu begreifen, dass Nummer 64 in der Wallstawer Dorfstraße nun ein ehrenwertes Haus ist, dazu brauchten die Herren eine Weile. „Über ein dreiviertel Jahr gab es diese nächtlichen Störungen bis früh in den Morgen hinein. Anfangs haben wir versucht, es mit Humor zu nehmen, aber es ist wirklich nicht lustig, wenn es jede Nacht um 2 oder 3 Uhr an der Tür klingelt“, beklagte der freundliche Mann an der Tür im Gespräch mit der Altmark-Zeitung.

Wächter verletzt

Bis heute dauern die Belästigungen zuweilen an, auch wenn deren Zahl schon deutlich zurückgegangen ist. Hintergrund der Bordell-Schließung in Wallstawe war nach AZ-Recherchen ein gewaltsamer nächtlicher Bandenüberfall auf das Rotlicht-Etablissement in den frühen Morgenstunden des 1. Mai 2016. Mehrere Männer drangen damals in das Bordell ein, randalierten, raubten Geld und verletzten einen Wächter: Ein Bulgare, der offenbar versucht hatte, die beiden in dem Bordell arbeitenden Frauen zu beschützen, wurde bei dem Übergriff mit einem Messer am rechten Bein verletzt.

Viele Wallstawer hatten seinerzeit von dem bewaffneten Raubüberfall gar nichts mitbekommen. Einige haben immerhin Blaulicht gesehen und quietschende Reifen gehört. Neben dem Bargeld im unteren vierstelligen Bereich seien auch fünf Smartphones gestohlen worden.

Seit 1992 im Ort

Das Bordell in Wallstawe mit dem diskreten Kundenparkplatz auf dem Hinterhof gab es übrigens seit 1992 im Ort. Nach dem besagten Raubüberfall im Jahr 2016 haben sich die Besitzer aber offenbar dafür entschieden, das Lustlokal an der Dorfstraße dichtzumachen.

VON KAI ZUBER

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