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Kita-Krise in Bonese

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Von: Kai Zuber

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Ein waagerechter gelber Wegweise mit der Aufschrift Bonese.
Probleme in Bonese: Nahezu das gesamte Betreuungs-Personal der dortigen Kita hat zum Sommer hin gekündigt. © Kai Zuber

Große Besorgnis herrscht derzeit in der Kindertagesstätte Bonese. Sie wird unter der Trägerschaft der Verbandsgemeinde (VG) Beetzendorf-Diesdorf geführt. Die aktuellen Vorkommnisse in der Kita Bonese beziehen sich auf die künftig offenbar stark gefährdete Absicherung des Betreuungs-Personals. Hier haben nach Informationen der AZ nahezu alle Mitarbeiter zum Sommer hin gekündigt.

Bonese – „Was ist der Hintergrund und was wird unternommen, um das Problem zu lösen?“, fragte die AZ bei der Verwaltung der Verbandsgemeinde mit Sitz in Beetzendorf nach: „Zur Kita Bonese kann ich aktuell mitteilen, dass es sich hier um eine Personalangelegenheit der Verbandsgemeinde handelt und aktuell Gespräche dazu laufen. Mehr kann ich, Stand heute, nicht mitteilen“, informierte Kämmerin Katrin Seidel als stellvertretende VG-Bürgermeisterin. Ob möglicherweise bessere Arbeitsbedingungen im benachbarten Niedersachsen der Grund für die Probleme sind, dazu wollte sich die Verwaltung nicht äußern. Die Probleme in der Kita Bonese sind mittlerweile an die breite Öffentlichkeit gelangt und werden vor allem von den Eltern der dort betreuten Kinder diskutiert.

Wie die AZ weiter erfuhr, sind die Eltern wegen der aktuellen Situation aus gutem Grund sehr besorgt, denn falls es nicht gelingt, das Personalproblem zu lösen, müsste die Kita bereits im kommenden Sommer dicht machen. Die Betreuungskapazität der idyllisch am Rande des Dorfes mit Blick auf die Felder gelegene Einrichtung mit einer Größe von 98 Quadratmetern reicht aktuell für insgesamt 29 Plätze, davon für zehn Kinder unter drei Jahren. Im Durchschnitt schwankt die Kinderzahl im „Haus der kleinen Hände“ direkt an der Boneser Feldsteinkirche um etwa 25. Falls also die Kita schließen sollte, wäre es sehr schwierig, diese Kinder auf die angrenzenden Einrichtungen in Dähre, Abbendorf oder Wallstawe aufzuteilen. Über die konkreten Gründe für die Kündigungswelle der Erzieherinnen ist zwar offiziell nichts bekannt. Unter den Eltern gibt es laut AZ-Recherche jedoch die Vermutung, dass das Personal in Kinder-Einrichtungen des benachbarten Niedersachsen bessere Arbeitsbedingungen bei gleichzeitig besserer Entlohnung gefunden haben könnte. Ein wichtiger Faktor bei Kita-Erzieherinnen ist dabei der sogenannte Betreuungsschlüssel, der angibt, wie viele Kinder von einer Fachkraft zu betreuen sind. Die Unterschiede hier sind von Bundesland zu Bundesland aktuell sehr verschieden. Für jedes Bundesland wird ein Fachkraft-Kind-Schlüssel ausgewiesen. Die Größe wird auf Basis der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik ermittelt.

Dabei gibt der Fachkraft-Kind-Schlüssel (auch als Qualitätsmerkmal für die Einrichtung) an, wie viele ganztags betreute Kinder von einer Vollzeit arbeitenden Fachkraft betreut werden. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung vom Herbst 2022 bemängelte bereits die Personallage in Sachsen-Anhalts Kitas. In Sachsen-Anhalt muss sich demnach eine Erzieherin im Vergleich zu anderen Bundesländern weiterhin um zu viele Kinder kümmern. In den Krippen-Gruppen kommt eine Vollzeitkraft durchschnittlich auf 5,4 Kinder, bundesweit sind es 3,9. Ähnlich ist es in Kindergarten-Gruppen: Dort sind es laut Bertelsmann-Stiftung 10,4 Kinder, während es bundesweit 8,4 seien.

Quelle der Daten ist das sogenannte „Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme“ der Bertelsmann-Stiftung. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt sei eine Fachkraft in Sachsen-Anhalt immer noch für fast drei Kinder mehr verantwortlich als im Bundesdurchschnitt. Im grenznahen Bereich der Bundesländer kann das Personal daher abwägen, wo die Arbeitsbedingungen besser sind und gegebenenfalls den Arbeitgeber wechseln. Um einen Betreuungsschlüssel zu erreichen, der Empfehlungen der Wissenschaft genügt, müssten in Sachsen-Anhalt laut der Bertelsmann-Studie zusätzlich rund 11 000 Fachkräfte eingestellt werden. Dadurch würden weitere Personalkosten von rund 500 Millionen Euro pro Jahr entstehen. Für die Kommunen also keine leichte Aufgabe. „Sobald intern alles besprochen ist und es für die Öffentlichkeit etwas zu berichten gibt, würden wir uns selbstverständlich wieder melden“, sagte Katrin Seidel zum aktuellen Personalproblem im Boneser „Haus der kleinen Hände“.

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