Kindertagesstätten: Ängste bei Eltern

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Für Günther Serien, Vorsitzender des VG-Sozialausschusses, sind die Eltern der betroffenen Kindergartenkinder nur „ein Baustein“ im umstrittenen Projekt KitaMobil.

kzu Altensalzwedel. Als im Herbst 2010 der Startschuss für das Projekt „Systemwechsel in der Finanzierung der Kindertagesstätten“ fiel und sich Vertreter der Verbandsgemeinde (VG) Beetzendorf-Diesdorf stolz mit Innenminister und Mitinitiator Thomas de Maizère fotografieren ließen, ahnte noch niemand, was genau sich hinter dem Vorhaben verbirgt. Doch nun dämmert es langsam allen Beteiligten, was das Projekt KitaMobil bedeutet. „Man braucht nur einmal auf die Internetseite Kitamobil.de zu schauen, um zu sehen, worauf das Projekt hinausläuft“, sagte Andrea Doege-Wotapek, Vorsitzende des Elternkuratoriums, am Mittwoch vor dem VG-Sozialausschuss in Altensalzwedel.

Die kleingedruckte Wahrheit: „Die Kapazität an Kinderbetreuungsangeboten ist dauerhaft überdimensioniert und sollte bis 2030 um 375 Plätze reduziert werden“, heißt es dort. Aus ökonomischer Betrachtung sei in der Region eine schrittweise Reduzierung der Kita-Standorte um die Hälfte bis drei Viertel lohnenswert. Da braucht man aus Sicht von Andrea Doege-Wotapek kein Rechenkünstler zu sein, um herauszufinden, „dass von unseren derzeit 16 Kitas in der VG acht bis zwölf geschlossen werden sollen.“

Aus Sorge um den Arbeitsplatz äußern sich weder die sonst so resoluten Leiterinnen der Einrichtungen noch die Erzieherinnen öffentlich. Viele von ihnen haben lange gebraucht um zu durchschauen, was sich hinter den vollmundigen sozialpädagogischen Füllwörtern des Modellvorhabens „Daseinsvorsorge 2030 – innovativ und modern“ letztlich verbirgt. „Ich habe auch nach dem ersten Workshop noch nicht begriffen, was die wahren Inhalte des Vorhabens sind“, meinte selbst eine erfahrene Kinderpädagogin verwirrt. „Die Bürger müssen ja letztlich den Eindruck bekommen, dass unter dem Druck erhoffter Fördermittel mehr auf den demografischen Wandel geschielt wird, als auf die Qualität der künftigen Kinderbetreuung“, bemerkte der Apenburger Peter Warlich im Sozialausschuss kritisch.

Auch die Eltern sind misstrauisch geworden: „Viele waren am Anfang begeistert von dem Projekt. Als sie aber gemerkt haben, dass sie mit dem eigentlichen Entscheidungsprozess kaum etwas zu tun haben, sind viele resigniert abgesprungen“, betonte Andrea Doege-Wotapek. Der Ausschuss-Vorsitzende Günther Serien untermauerte die Befürchtungen der Eltern am Mittwochabend sogar noch mit der Formulierung: „Die Eltern seien nur ein Baustein des Projektes.“ Außerdem würden sie sich mit ihrer Kritik zu weit aus dem Fenster lehnen. Andrea Doege-Wotapek würde aus seiner Sicht einen unangemessenen Vergleich wagen, wenn sie die teuere bauliche Erweiterung der Beetzendorfer Verwaltung mit der drohenden Schließung von Kindereinrichtungen in Verbindung bringt.

Doch die Vorsitzende des Elterkuratoriums beharrte darauf, dass dieser Vergleich so abwegig gar nicht sei, da es ja letztlich um die Verwendung von Steuergeldern gehe. Zudem seien für die Projektbetreuung zwei Stellen in der Verwaltung erforderlich, während bei der Kinderbetreuung in den kommenden Jahren wohl etliche Personalstellen gestrichen würden.

An den Planungskosten wird offenbar nicht gespart: „Diese Planungskosten sind bereits im Vorfeld gewaltig hoch, doch niemand wisse derzeit, ob sie sich überhaupt lohnen und was am Ende bei dem KitaMobil-Projekt herauskommt“, bekannte Diesdorfs Bürgermeister Fritz Kloß. Er war als Vorsitzender der Verbandsgemeinderates selbst zum Projektauftakt dabei.

Indes war der beauftragte Sozialplaner Siegfried Oeter aus Caputh in den vergangenen Tagen in den 16 Einrichtungen der VG unterwegs, um statistisches Material zusammenzutragen. Doch vieles, was der Planer dort anklingen ließ, stieß bei den Erzieherinnen nicht gerade auf breite Zustimmung. „Teilweise decken sich seine Ansichten nicht einmal mit denen des zuständigen Kinder- und Jugendamtes in Halle“, verlautete es aus den betroffenen Einrichtungen befremdlich.

Doch es gab bei allem Ungemach auch zuversichtliche Stimmen im zuständigen Sozialausschuss. „Es ist doch gut, wenn es bei dem Thema kocht und brodelt, womöglich kommt ja deswegen am Ende auch etwas Brauchbares für unsere Kinder heraus“, meinte Angelika Scholz. Man müsse „zurück zum Realismus“, resümierte Günther Serien vor dem Gremium. Dem stimmte auch Andrea Doege-Wotapek zu.

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