Grundschüler und Rückenexperten beim Schulranzencheck in Kuhfelde / Tipps für den Tragekomfort

Kinder wollen keinen Hexenbuckel

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Auch der Inhalt der Schulranzen wurde sorgsam überprüft. Trauriger Rekordhalter war ein Ranzen mit einem Gewicht von 5,5 Kilogramm – „eindeutig zu schwer“, so AOK-Experte Ralf Kitzing.

Kuhfelde. Die Hexe in „Hänsel und Gretel“ hat einen Buckel – und diente gestern in der Kuhfelder Grundschule als abschreckendes Beispiel.

Denn, wenn die Knirpse ihren Schulranzen falsch tragen, dann bekommen sie auch einen Buckel, erklärte Ralf Kitzing von der AOK Gesundheitskasse Sachsen-Anhalt mit einem Augenzwinkern.

So lustig die Vorstellung der bösen Hexe mit Schulranzen auch sein mag, für die Jungen und Mädchen der Kuhfelder Grundschule hatte der Schulranzencheck einen ernsten Hintergrund. Durch falsche Gewichtsverteilung und durch viel zu viel Gewicht auf den jungen Schultern kann die Wirbelsäule massiv geschädigt werden und bleibende Schäden verursachen, denn bei Kindern sind die Knochen noch weich und formbar.

Anhand eines Wirbelsäulenmodells zeigt die Rückentrainerin, wie biegsam das Rückgrat ist – die Kinder machen begeistert mit.

Seit August waren Ralf Kitzing, AOK-Regionalsprecher, und Rückentrainerin Susanne Schütz in 22 Grundschulen in Sachsen-Anhalt unterwegs. Mit dabei ein Wirbelsäulenmodell, an dem die Expertin die Flexibilität und den Aufbau des Rückgrats für die Erst- und Zweitklässler anschaulich erklärte.

„Wir demonstrieren den Kindern auf spielerische Art, was einen perfekten Ranzen ausmacht und wie man ihn mit Köpfchen richtig packt, damit er für den nächsten Schultag nicht zu schwer ist. Denn viele Utensilien, wie der Malkasten, müssen nicht jeden Tag mitgenommen werden“, führte Kitzing aus.

Susanne Schütz stellt bei Vanessa den Schulranzen richtig ein. Auch die Eltern werden mit einem Gewichtskontrollbogen darüber informiert, wie sie zu schwere Ranzen verhindern können.

Dabei sollen nicht nur die Kinder ein Gespür für die richtige Beladung bekommen. Auch Eltern und Lehrer sollen für das Thema sensibilisiert werden. Denn nicht nur das Gewicht gilt es zu beachten. Auch wie und wie lange der Ranzen getragen wird. „Eine maßgebliche Rolle spielt dabei auch die Fitness des Kindes. Wenn dieses viel Sport macht oder sich viel bewegt, ist die Rückenmuskulatur auch besser ausgeprägt und kommt auch mit schwereren Ranzen zurecht“, führte Kitzing aus. Ein Freifahrtsschein ist dies allerdings nicht.

Denn das Höchstgewicht, also Tasche plus deren Inhalt, sollte maximal zehn bis 15 Prozent des Körpergewichtes betragen. Der schwerste Ranzen, den Ralf Kitzing und Susanne Schütz in der Kuhfelder Grundschule fanden, hatte ein beachtliches Gewicht von 5,5 Kilogramm: „Eindeutig zu viel“, so die Experten.

Am Ende wurden die Ranzen richtig eingestellt. „Das schont den Rücken. Dabei sollte der Ranzen dicht am Körper anliegen. Die Oberkante schließt auf Schulterhöhe ab, die Unterkante mit dem Beckenkamm“, gibt die Rückentrainerin Tipps. Hängt der Ranzen nach unten, wird der Rücken zusätzlich belastet, was das Kind durch Vorbeugen des Oberkörpers auszugleichen versucht, was aber wiederum zu Haltungsschäden führt.

Von Katja Lüdemann

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