Historische Dürre-Jahre 1911 und 1748 in der Altmark / Ortschronist blickt zurück

Kartoffeln so groß wie Haselnüsse

Der Apenburger Hobby-Historiker und Ortschronist Günter Schröder hat zur Trockenheit historische Quellen erforscht. In die Geschichtsbücher ging die Trockenheit im Jahre 1911 ein.

Apenburg / Altmark. Zur aktuellen Wettersituation hat der Apenburger Ortschronist und Hobby-Historiker Günter Schröder ein paar historische Quellen neu erforscht und aufgearbeitet. Einige Belege darüber sind vom Bau der Bahnlinie Beetzendorf-Zasenbeck überliefert.

Andere entstammen Dokumenten aus der Apenburger Kirchturm-Kuppel. „Der Klimawandel ist nicht zu leugnen“, resümiert der pensionierte Lehrer Günter Schröder im Gespräch mit der AZ angesichts der andauernden Dürre-Phase in der Altmark.

Getreide mit winzigen Körnern: Auch die Jahre 1748 und 1911 sind in Sachen Dürre in die Geschichte eingegangen.

In die Geschichtsbücher ging die Trockenheit im Jahre 1911 ein. „Das eindrucksvollste und für die Region in wirtschaftlicher Hinsicht bedeutendste Ereignis war der Bau der Eisenbahn, der Linie Beetzendorf – Zasenbeck“, heißt es von Zeitzeugen. Dort in Zasenbeck fand sie Anschluss an die Bahn Wittingen – Oebisfelde. Die Firma Fritsche aus Magdeburg hatte die Arbeit übernommen. Im Frühjahr 1910 begann der Bau und wurde 1911 im Herbst vollendet. Als Arbeiter waren dort besonders Kaschuben und Russen tätig, aber auch die Einheimischen fanden sich zur Arbeit ein. Es war der überaus trockene Sommer 1911, wo von Ostern bis Oktober kein Regen fiel. „Ende Mai sah der Roggen auf höher gelegenen Feldern schon ganz weiß aus; hinter den Höfen war in der Ohre kaum noch Wasser zu finden, sodass die Bahnarbeiter Mühe hatten, ein Rinnsal zu finden, in dem sie die staubigen Füße waschen konnten. Die im Herbst geernteten Kartoffeln waren wie Hasel-, höchstens wie Walnüsse groß“, berichteten Zeitzeugen weiter. Aber bis zum 1. Oktober wurde der Bau pünktlich fertig. Schmucke Empfangsgebäude waren auf jeder Station entstanden. Girlanden schmückten den Hanumer Bahnhof, als der erste für Bürger kostenlose Zug am Einweihungstag einlief. Dazu regnete es in Strömen – zum ersten Mal seit fast einem halben Jahr. „Die Fröhlichkeit wurde durch dieses Ereignis besonders noch erhöht“, erinnerte sich seinerzeit Lehrer Alfred Bock.

Die folgenden Dokumente wurden dem Apenburger Turmkopf des Kirchturms am 5. Mai 2004 entnommen, kopiert und am 20. September 2004 wieder in die Kugel des Turmkopfes gegeben. „Die Kugel enthielt bei ihrer Öffnung eine Kapsel mit den Jahreszahlen 1820, 1824, 1851, 1914. Eine zweite Kapsel trug die Jahreszahl 1957. Diesen beiden wurde eine dritte Kapsel mit dem Datum 20. September 2004 hinzugefügt“, erklärt Günter Schröder.

Die Berichte von 1749 bis 1914 waren in altdeutscher Schrift (Sütterlin) angefertigt. 1749 explodierten die Preise für Nahrungsmittel: „Erbsen, weißer Hafer und Buchweizen waren kaum für Geld zu bekommen, weil es im Jahre 1748 von Pfingsten bis zur Ernte nicht geregnet hatte und daher ein gänzlicher Ausfall an Sommergetreide erfolgt war.“

Von Kai Zuber

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