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Jübar 22 Hektar größer als gedacht

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Von: Kai Zuber

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Ein Mann referiert stehend vor auf Stühlen sitzenden Zuhörern.
Einen Vortrag zum Vorhaben der internationalen Unesco-Anerkennung des Biosphärenreservates als Welterbe hielt im Jübarer Gemeinderat Fred Baumann (2. v. r.), Chef der Naturparkverwaltung Drömling. © Kai Zuber

Bis zu den Zeiten des „Alten Fritz“, also des Preußenkönigs Friedrich II., reicht wohl die Entstehungsgeschichte zurück, als damals Landbesitzer der heutigen Gemeinde Jübar Wiesen und Äcker im Drömling besaßen. Jübar ist damit 22 Hektar größer als gedacht, hieß es am Donnerstag im Gemeinderat. Denn: Das Gemeindeland verfügt, wie überraschend erst jetzt bekannt wurde, über eine Exklave im Biosphärenreservat Drömling, was die Ratsmitglieder um Jübars Bürgermeister Carsten Borchert doch ein wenig stolz machte.

Jübar – Damals, so vermuten Historiker, waren Bauern wohl im 18. Jahrhundert im Zuge der großflächigen Rodungen des Erlenbruchwaldes im nassen Drömling an die Wiesen dort gekommen. Die umliegenden Gemeinden stellten beim „Alten Fritz“ Anträge, bislang herrenloses Brachland erwerben zu können. „Ich bekam vor vier Wochen einen Anruf, dass die besagte Exklave Böckwitz-Nettgau zu unserer Gemeinde gehört“, berichtete Carsten Borchert. Doch damit nicht genug: Jübar ist mit dem Zuwachs der besagten 22 Hektar Land im Drömling nun auch Mitakteur im Naturpark und Biosphärenreservat Drömling – und damit auf dem besten Weg zur Anerkennung als Unesco-Welterbe. Einen kurzen Vortrag dazu hielt im Jübarer Gemeinderat Fred Baumann, Chef der Naturparkverwaltung Drömling. „Etwa ein Fünftel des länderübergreifenden Reservates gehört zu Niedersachsen, der Hauptpart liegt in Sachsen-Anhalt“, so Baumann. Zuletzt kamen weitere Regionen bei Tülau, Parsau und Brome hinzu. „Stolz sind wir auf das Regionalprodukt Drömlingsrind, das entsprechend vermarktet werden soll“, so der Naturparkleiter weiter. Doch der Weg bis zur internationalen Unesco-Anerkennung ist lang und mit viel Bürokratie gepflastert. Aktuell müssen nun binnen weniger Tage alle Bürgermeister mit Anteilen am Biosphärenreservat den entsprechenden Antrag unterzeichnen. Also nun auch Carsten Borchert, der natürlich gerne in der Sache kooperieren will, wie er am Donnerstag im Rat versicherte. Doch auch Scherze wurden seitens der Jübarer Ratsmitglieder angesichts der Exklaven-Überraschung bereits gemacht: Entweder wolle man vom Drömlingsrind saftige Steaks verkosten oder die verpassten Grundsteuer-Zahlungen der letzten Jahrzehnte für die 22 Hektar im Drömling nachfordern lassen, hieß es scherzhaft.

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