Abbendorfer Katzeneinsatz schlägt weiter hohe Wellen / Feuerwehrmann erklärt Hintergründe

Jetzt äußert sich ein Beteiligter

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15 Einsatzkräfte der Feuerwehren Abbendorf, Diesdorf und Salzwedel waren anwesend, um die Katze aus ihrer misslichen Lage auf einer hohen Eiche in Abbendorf zu befreien.

Abbendorf. Der Feuerwehreinsatz zur Rettung einer Katze aus einem Baum vom 1. März in Abbendorf sorgt weiter für Wirbel. Besonders ein Privatmann hatte sich verärgert gezeigt, auch gerade hinsichtlich der Kosten.

Nun hat sich ein Beteiligter des Einsatzes zu Wort gemeldet. Heiko Fricke war ehemaliger Ortswehrleiter von Abbendorf und ist heute dort Gruppenleiter der Kinderfeuerwehr, die er ins Leben gerufen hat.

Heiko Fricke von der Feuerwehr Abbendorf nimmt Stellung.

Fricke erklärt: „Zum Ersten sei zu dem Bericht eines Privatmannes gesagt: Ein wenig Wahres ist zu erkennen, aber auch viel altes Denken, das man nicht verstehen muss. Fakt ist, wir wurden als Feuerwehr zu diesem Einsatz gerufen. Das heißt, nach Übernahme des jeweiligen Einsatzbefehls erfüllen wir unsere Aufgabe, wie wir es gelernt haben. Ob Brand, Sturmschaden, Ölspur oder wie in diesem Fall eine Tierrettung. Nach Betrachtung der Lage vor Ort wird eine entsprechende Vorgehensweise festgelegt, die sich jedoch zeitweise ändern kann, wie in allen anderen Einsätzen. Unsere Entscheidung stand fest: Diese Katze wird aus ihrer misslichen Lage befreit. Keiner der im Einsatz Anwesenden hatte eine gegenteilige Meinung.“

Bei der Arbeit in der Feuerwehr gelte immer der Grundsatz „Mensch – Tier – Sachwerte“ und ein Tierleben beziehungsweise dessen Wohlergehen stünde nun einmal direkt hinter dem des Menschen, meint Fricke und sagt: „Unsere Entscheidung zur Rettung resultierte auch aus den extrem niedrigen Temperaturen. Da möchte man auch kein Tier hilflos zurücklassen. Tiere laufen nicht bewusst in eine Gefahrensituation, sondern handeln instinktiv.“ Fricke betont: „Bevor wir wieder ins Gerätehaus fahren, erfüllen wir den uns gestellten Auftrag. Wenn das alles aufgrund nicht vorhergesehener Abläufe und Tatsachen mit einem Mehraufwand verbunden ist, dann ist das so.“

„Für alle Einssatzkräfte war es eine geglückte Rettung“

Der Feuerwehrmann stellt zudem noch einmal die Situation nach: Zum Schluss sei die Katze nicht aus eigenen Stücken vom Baum gesprungen. Sie wurde von oben über die hinzu beorderte Drehleiter der Kameraden aus Salzwedel nach unten gedrückt und dann seitlich mit der Anhängeleiter in eine für sie aussichtslose Lage gedrückt. Sie habe nur noch einen Ausweg gesehen: Den Sprung auf das nebenliegende Gebäude, der jedoch wegen der Entfernung fehlgeschlagen sei und sie dann an der Wand entlang bis zu einem dort stehenden Kameraden runterrutschte. Für alle Einsatzkräfte war das eine geglückte Rettung.

In Richtung des Privatmannes äußert Fricke Unverständnis: „Pervers ist es, dass in dem Artikel das Leben des Tieres mit sechs Mark betitelt wird, hier sollte man sich ein anderes Denken angewöhnen, wir leben nicht mehr in der Vergangenheit. Warum Einsätze, in denen durch menschliches Handeln Probleme entstanden sind, Rechnungen geschrieben werden, sollte jedem klar sein. Ein Mensch kann seine Tätigkeiten und Umwelt steuern. Tiere handeln instinktiv und können dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden. In dem Artikel waren einige Beispiele aufgeführt, wo die Verwaltung Rechnungen schreiben sollte. Da kann sich der Verfasser sicher sein. Ist ein Verursacher gefunden, wird die Rechnung auch geschrieben, doch darüber hat zum Glück der Schreiber des Briefes kein Entscheidungsrecht und sollte das getrost denen überlassen, die entsprechend entscheiden.“

„Das ist unser Job und den erledigen wir“

Mit dem Blick nach vorne ergänzt Fricke: „Sollten wir noch einmal zu einer Tierrettung gerufen werden, ob Katze, Hund oder Wellensittich, würden wir uns immer wieder für das Wohl des Tieres entscheiden, gleichwertig wie auch beim Menschen und deren Sachwerte. Das ist unser Job und den erledigen wir, ob sich andere darüber aufregen oder nicht. Bestimmte Situationen fordern bestimmte Maßnahmen und hier spielten die tiefen Temperaturen auch eine gravierende Rolle.“

„Wer vorsätzlich und mit Gefahren anderen gegenüber handelt, soll zahlen. Es gibt aber auch Einsätze ohne Rechnungen, und zwar, wenn jemand unbeabsichtigt in eine Gefahr gerät oder eine unbeabsichtigte Gefahr entstanden ist. Dann kann man sich auf die gerufenen Einsatzkräfte verlassen. Denn diese wissen, was zu tun ist, und das ohne Rechnung zum Wohle der Bürger und somit auch des Steuerzahlers“, stellt Fricke klar.

„Wir Feuerwehrmitglieder arbeiten freiwillig und ohne Bezahlung und dass zu jeder Jahreszeit, rund um die Uhr. Wer das nicht versteht, sollte einfach nur die Klappe halten und Entscheidungen den jeweiligen Einsatzkräften überlassen. Man könnte selbst auch mal in solch eine Situation kommen – dann ist man sicher dankbar. In diesem Sinne brauchen wir mehr entscheidungsfreudige und tatkräftige Unterstützer in den Reihen unserer Wehren“, argumentiert Fricke. Er appelliert: „Mach mit und setze auch Du einen Helm auf und helfe!“

Von Rüdiger Lange und Stefan Wasinski

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