In vielen Kommunen drücken die Dorfgemeinschaftshäuser auf die Kosten

Für jede Party 670 Euro

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Um das Dorfgemeinschaftshaus Mehmke gab es im Diesdorfer Gemeinderat bereits Diskussionen wegen mangelnder Nutzung und ungeputzter Fenster. Allein die Schallschutzdecke im Saal hat tausende Euro gekostet.

Diesdorf. Gäbe es in der westlichen Altmark so etwas, wie ein Schwarzbuch für unnötig ausgegebene Kommunalgelder, dann stünden wohl die Dorfgemeinschaftshäuser (DGH) einiger Gemeinden darauf – besonders, wenn sie neu gebaut wurden.

Das ist ein offenes Geheimnis, das mittlerweile jeder Bürgermeister kennt.

Zu groß war die Versuchung, mit dem vielen Geld, das nach der Wende den Kommunen zur Verfügung stand, etwas Gutes für möglichst viele Bürger zu tun, etwas zu bauen, oder etwas Marodes zu modernisieren. Nur wenige Ortschefs widerstanden dieser Versuchung, flächendeckend in den Ortsteilen DGH zu bauen. Das traf zuerst die ortsansässigen Kneipen. Viele mussten schließen. Dies rächt sich auch weiterhin, denn nun drücken die Gemeinschaftshäuser der Gemeinden auf die Kosten, die Landes-Überweisungen aus Magdeburg werden geringer und nicht wenige Bürgermeister denken offen darüber nach, einige kaum genutzte Objekte zu verkaufen.

Manche DGH in der westlichen Altmark haben pro Jahr kaum eine Handvoll Nutzungen zu verzeichnen. Nun wollen einige Gemeinderäte die Reißleine ziehen. Um das Dorfgemeinschaftshaus Mehmke gab es beispielsweise im Diesdorfer Gemeinderat schon mehrmals Diskussionen wegen der Sauberkeit, mangelnder Bürgerbeteiligung und ungeputzter Fenster. Allein die Schallschutzdecke dort hat tausende Euro gekostet. „Für wen wurde eigentlich all das Geld ausgegeben?“, fragen sich nun viele.

Ein Rechenbeispiel aus dem Flecken Diesdorf hatte etliche Kommunalpolitiker zum Nachdenken gebracht: Rund 670 Euro buttert die Kommune indirekt für jede Familienfeier oder jede andere Zusammenkunft in den gemeindeeigenen DGH zu. Diese Zahl hatte Diesdorfs Bauausschussvorsitzender Daniel Rieck errechnen lassen, um eine Handhabe für die Planungen der kommenden Jahre zu haben.

Derzeit hat der Flecken fünf Dorfgemeinschaftshäuser: in Mehmke, Peckensen, Waddekath, Höddelsen und Dülseberg. Über einen Verkauf wird bis auf das stark sanierungsbedürftige Haus in Waddekath derzeit nicht nachgedacht. Dennoch geht es darum, die Betriebskosten, durch Sanierung und energetische Investitionen zu senken. „Das Haus in Waddekath ist dabei im schlechtesten Zustand“, betonte Rieck. Das Objekt in Höddelsen sei immer noch eine Baustelle, doch die Gemeinde plant, dort in den kommenden Jahren weitere Sanierungsmaßnahmen.

Von Kai Zuber

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