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Neuer Baby-Service in Diesdorf: Bei Anruf Glockenklang

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Von: Kai Zuber

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Ein hölzerner Glockenstuhl in einem Kirchturm mit drei unterschiedlich großen Glocken.
Alle fünf Diesdorfer Glocken läuteten das neue Jahr ein. Künftig sollen sie auf Wunsch der Eltern auch die Geburt ihres Nachwuchses ankündigen – ein neuer Service der Kirchengemeinde. © Kai Zuber

Willkommen neues Jahr, willkommen neues Leben: Unter diesem Motto gibt es seitens der Diesdorfer Kirchengemeinde 2023 einen ganz besonderen Baby-Service.

Diesdorf – Bei Mitteilung der frohen Botschaft, dass ein neuer Erdenbürger das Licht der Welt erblickt hat, soll Glockenklang ertönen, ließ Diesdorfs Pastor Ulrich Storck mitteilen: „Sie erwarten ein Kind? Herzlichen Glückwunsch! Einfach schnell nach der Geburt im Kirchenbüro unter der Telefonnummer (03902) 329 anrufen oder mailen an kirche-diesdorf@t-online.de und die Kirchenglocken läuten kostenlos für Sie“, lautet der gut gemeinte Aufruf aus dem Pfarramt Diesdorf.

In Diesdorf gibt es seit rund 70 Jahren eine feste Läuteordnung. Das ausgeklügelte Regelwerk hängt als Tafel im Turm des Gotteshauses und gilt seit 1956. Es legt genau fest, zu welchen Anlässen welche Glocken läuten dürfen. Zu Festen wie Ostern, Pfingsten, Weihnachten oder zum Erntedankfest werden alle Glocken im Turm der Klosterkirche zehn Minuten lang geläutet, jetzt zu Silvester sogar 15 Minuten. Auch zum Jahreswechsel wurde das komplette Geläut in Schwung gebracht. Insgesamt gibt es fünf Glocken in der Klosterkirche. Früher, so erinnern sich etliche ältere Diesdorfer, haben sie die Glocken der Klosterkirche noch per Hand geläutet und mit den Füßen den Blasebalg für die Orgel getreten. Beide Vorrichtungen sind zwar längst außer Betrieb und den modernen elektrischen Anlagen gewichen, doch die alten Vorrichtungen sind bis heute im Turm zu sehen. Alles funktioniert jetzt automatisch. Seinerzeit war auch das Läuten noch Schwerstarbeit und erforderte außerdem Taktgefühl. Heute braucht der zuständige Diesdorfer Küster nur noch die elektrische Anlage per Knopfdruck in Gang zu setzen.

Doch die besagte Läuteordnung regelt das Wann und das Wie. Im Jahr 1956 erfolgte der Einbau von vier neuen Stahlgussglocken. Dieser Einbau erfolgte während der Amtszeit von Gerhard Ritzke, der von 1947 bis 1979 im Flecken Pastor war. Die älteste Glocke, sie ist zugleich die einzige, die den Zweiten Weltkrieg überlebte, stammt aus dem 17. Jahrhundert. Diese kleinste Bronzeglocke wurde vermutlich im Jahre 1652, also kurz nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, gegossen und ertönt zum Beispiel bei Taufen. Gemäß der Läuteordnung läuten die beiden großen Glocken bei Gottesdiensten zehn Minuten lang. Bei Trauungen läutet die zweit- und drittgrößte Glocke. Eine Besonderheit ist das Totengeläut: Wenn ein Mitglied aus der Kirchengemeinde gestorben ist, ertönt die größte Glocke in der Zeit von 7 Uhr bis 7.30 Uhr in drei Touren. Und noch etwas gibt es für den Diesdorfer Küster zu beachten: Im Gedenken an den Tod Christi werden am Karfreitag und am Karsamstag die Glocken nicht geläutet.

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