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„Sogar mit Corona fertig geworden“

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Von: Kai Zuber

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Eine als Ausflugslokal genutzte Holzhütte aus blauen Brettern.
„Ignorante Fantasiepläne“ sowie fehlende Kommunikation mit der Gemeinde, aber auch Falschbehauptungen lassen die Wrtin der „Fischerhütte“ in Ahlum nun das Handtuch werfen. © Kai Zuber

Die Gemeinde Rohrberg hat am 31. Januar eine Gastwirtschaft weniger. „Ende Januar ist für mich endgültig Schluss hier“, sagt Sibylle Freitag traurig und resigniert. Die Pächterin der Ahlumer „Fischerhütte“ schmeißt damit definitiv hin, wie sie der AZ jetzt vor Ort am Ahlumer See berichtete.

Ahlum – Unstimmigkeiten mit der Gemeinde seien der Hauptgrund dafür. „Seit Wochen gab es kein konstruktives Gespräch mit Rohrbergs Bürgermeister Bernd Schulz zur Lösung der vielen Probleme“, so Freitag. Seit Monaten habe es eine Aneinanderreihung von Ungerechtigkeiten und Anschuldigungen ihr gegenüber gegeben, erzählt die Wirtin der „Fischerhütte“. Nicht nur, dass die Biker des Harley-Davidson-Clubs „Rag Tag“, deren Bewirtung eine wichtige Haupteinnahmequelle gewesen sei, auf Betreiben der Gemeindespitze die von ihnen errichtete Westernstadt abreißen sollen. Andererseits habe Sibylle Freitag, wie sie kritisch anmerkte, auch keine Perspektive für ihre weitere Tätigkeit gesehen. Denn: Wie sehr viele Bürger von Ahlum lehnt auch Freitag das vorgelegte Tourismuskonzept des Bürgermeisters für den Ahlumer See ab (wir berichteten). Wo jetzt die Westernstadt steht, soll ein Steinzeit-Spielplatz entstehen, gleich daneben eine Mustergrabanlage „Megalith“. Und wo heute die „Fischerhütte“ angesiedelt ist, soll künftig ein Infopunkt für Gartenausstellungen hin. „Diese ignoranten Fantasie-Pläne konterkarieren alles Bewährte, was wir aktuell hier haben“, sagte die Wirtin der „Fischerhütte“.

Eine ältere Frau mit schwarzen Haaren und blau-weiß gestreiftem T-Shirt schaut traurig in die Kamera.
Sibylle Freitag ist ihre Enttäuschung anzusehen. Zum Monatsende gibt sie ihre beliebte „Fischerhütte“ auf. © Kai Zuber

Seit Jahren kämpfte sie um die Modernisierung des Wohnwagen-Camping-Stellplatzes und eine Modernisierung der angebundenen, veralteten Sanitärgebäude. Bislang vergebens. Stattdessen gründete sich im Sommer 2021 die Bürgerinitiative „Pro Ahlum“ und sammelte hunderte Unterschriften gegen die von der Gemeindespitze propagierten Tourismus-Pläne für den See mit Hilfe von Fördermitteln. „Der Hammer war dann für mich der Vorwurf der Gemeinde Rohrberg, ich würde Teile des See-Geländes an den Biker-Club untervermieten. Ich habe noch nie einen Cent Pacht von den Bikern erhoben. Gegen diese Unterstellung setze ich mich juristisch zur Wehr“, kündigte die streitbare Wirtin an, die im Jübarer Ortsteil Lüdelsen wohnt. Derzeit räumt Sibylle Freitag ihre Zimmer aus, deren Mobiliar laut Vertrag ihr gehört. Die Corona-Auflagen und die Lockdowns hatten Freitag in den zurück liegenden Monaten arg gebeutelt. „Damit wäre ich fertig geworden. Nicht aber mit der Art und Weise, wie ungerecht mit mir umgegangen wurde“, sagte die Pächterin resigniert.

Rohrbergs Bürgermeister Bernd Schulz ging auf das Angebot der AZ nicht ein, in der Angelegenheit seine Stellungnahme abzugeben.

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