Freilichtmuseum Diesdorf

Von Scharfmachern und Sensenmännern

Zwei alte Männer vor einer hölzernen Scheune.
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Zuber-Tipps vom Sensenmann.jpg
  • VonKai Zuber
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„Eine Sense braucht eine lange Schneid, die einen ebenso langen Arbeitstag mitmacht“ – Diese Weisheit kennt jeder Bauer, der auf der Wiese oder sogar auf dem Kornfeld schon einmal gearbeitet und die Ernte eingebracht hat. Tipps vom „Sensenmann“ gab es daher am Sonntag für die Gäste beim Erntefest des Diesdorfer Freilichtmuseums.

Diesdorf/Waddekath – Dort sorgten Uwe Körner und Dietmar Ketzel für scharfe Schnittwerkzeuge und demonstrierten am Rande des Erntegeschehens auf dem Feld, wie so eine langanhaltende Schärfe des Sensenblattes zustande kommt. Das geschieht nämlich auf dem Dengel-Amboss, wo die Sense als Vorbereitung für die Mahd mit einem speziellen Hammer gedengelt wird. Von seinen Altvorderen hatte Uwe Körner das Mähen und Dengeln von frühester Jugend an gelernt. Den Gästen zeigte Körner seinen uralten Dengelaparat. Es ist eine kleine handbetriebene Maschine, auf die noch das deutsche Reichspatent von vor etwa 100 Jahren eingetragen ist. „Hier erfolgt der erste Arbeitsschritt, nämlich das so genannte Ausziehen des Sensenblattes mittels kleiner Walzen. Dem folgt dann das Dengeln und Härten auf dem kleinen Dengelamboss mit dem Hammer“, so der Sensenfachmann. Uwe Körner gibt im Museum regelmäßig Kurse zum Mähen mit der Sense. Dabei darf ein Gedicht von Gustav Karg nicht fehlen: „Im Schuppen hängt die Sense, abgenutzt und müd. Wie oft hat sie geklungen im Morgentau ihr Lied“. Stets im gewohnten Lehrmeisterton, jedoch immer sympathisch und wohlmeinend, vermittelt Körner sein stattliches Wissen rund um Sense, das Mähen und das Dengeln sowie das Wetzen des Stahls an Interessierte. Sein Fazit: Das Mähen mit der Sense von Hand ist wieder im Kommen.

Uwe Körner mit seiner uralten Dengelmaschine. Auf ihr erfolgt der erste Arbeitsschritt, nämlich das so genannte Ausziehen des Sensenblattes mittels kleiner Walzen.

Dass es verschiedene Sensen und Sensenbäume (Stiele) gibt, dass die Bäume aus guter, astfreier Esche gefertigt sind, der Drechsler aus Diesdorf gute Stiele von Hand herstellt und schließlich, wie Sensenklinge und Sensenbaum mit dem so genannten Schloss verbunden werden, auch dies alles kann man bei Uwe Körner lernen. Gewetzt wird der Stahl mit einem speziellen Schleifstein, der möglichst in einem Wasserbad-Köcher am Körper getragen werde sollte. „Mir selbst hat der unvergessene Adolf Lenz aus Schadeberg einst das Mähen mit der Sense beigebracht und sich dabei viel Zeit genommen“, erinnert sich Körner. Warum? Als Jugendlicher hatte der Waddekather mit 16 Jahren anderthalb Morgen Wiese geerbt.

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