Mit eigener Vorwahl und Postleitzahl

Römke: Ein Geisterdorf „lebt“

Ein Wegweiser aus Holz weist den Weg nach rechts ins Gebüsch.
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Viele Wege führen auch heute noch nach Römke, doch der Ort zwischen Diesdorf und Abbendorf ist längst ein Geisterdorf.
  • vonStephan Ernst
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Wer als Diesdorfer einmal seine Postfrau ins Schwitzen bringen will, der sollte vielleicht einmal einen Brief schreiben und ihn mit Römke adressieren.

Diesdorf/Abbendorf – Denn nur noch holprige Wege führen dorthin und ein Achsbruch ist gegebenenfalls vorprogrammiert. Der Diesdorfer Ortsteil unweit von Abbendorf ist nämlich seit Jahrzehnten eine Wüstung, doch trotz mehrmaliger Hinweise taucht Römke bis heute bei der Post, bei der Telekom und aktuell auch im Internet auf. Sogar beim Satelliten-Dienst „Google Maps“ ist Römke mit einem roten Punkt markiert.

Der Witz mit dem nicht mehr existierenden Ort treibt im Internet tolle Blüten: Römke wird als Standort für einen virtuellen Kfz-Handel beschrieben, es gibt offenbar auch preiswerte Monteurszimmer ab neun Euro pro Nacht in Römke, und der Wetterdienst prognostiziert dort sogar für zwei Wochen im Voraus das Wetter. Und das alles aus dem einzigen Grund, weil Römke in den Daten der Post und der Telekom weiterlebt und dort aus irgend einem Grund nicht gelöscht wird.

Dabei liegen in Römke nur noch ein paar Findlinge herum. Älteren Diesdorfern und Abbendorfern ist Römke natürlich noch ein Begriff. Doch den Ort gibt es schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Er ist nur noch eine gottverlassene Wüstung. Dennoch ist Römke nicht gestorben – im Gegenteil. Der Ort hat die Postleitzahl 29413 und die telefonische Vorwahl 03902, obwohl dort längst niemand mehr ans Telefon geht. In Römke stehen nur noch Ruinen und selbst die sind schon mit Gras und Bäumen überwachsen. Der nahe Wohld hat die Mauerreste von Römke schon vor Jahren vereinnahmt, denn die Natur ist offenbar schneller als Post und Telekom.

Römke „lebt“ – aber nur auf dem Papier.

Früher gab es in der Kolonie Römke einmal zwei Bauernhöfe. Auch eine Ziegelei gehörte dazu, wissen Senioren zu berichten. Zu DDR-Zeiten hat die LPG alle Gebäude dort abgerissen, weil sie unbewohnt und baufällig war. Die Besitzer der Höfe, die Familien Giese und Bornhuse, gingen nach dem Zweiten Weltkrieg in den Westen und ließen ihre Äcker brach liegen. Die Scheunen wurden von der LPG dann noch eine Zeit lang als Lagerräume genutzt, bevor sie baufällig wurden. Nun ist Römke nur noch das, was man auch einen Geisterort nennt. (Kai Zuber)

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