Eltern kritisieren Verwaltung wegen Schülerbeförderung

Hort und Grundschule Jübar: „So geht man nicht mit Bürgern um“

Die Grundschule Jübar wird ab den Sommerferien umgebaut. Grundschüler und Hortkinder sollen in der Klötzer Zinnbergschule untergebracht werden. Doch die ist knapp 30 Kilometer von Jübar entfernt. Das bereitet vor allem berufstätigen Eltern Sorgen.
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Die Grundschule Jübar wird ab den Sommerferien umgebaut. Grundschüler und Hortkinder sollen in der Klötzer Zinnbergschule untergebracht werden. Doch die ist knapp 30 Kilometer von Jübar entfernt. Das bereitet vor allem berufstätigen Eltern Sorgen.

Jübar – In wenigen Tagen beginnen mit den Sommerferien die einjährigen Umbauarbeiten an der Grundschule Jübar, doch vor allem hinsichtlich des Schülertransportes in die Ausweichschule (Zinnbergschule) in Klötze gibt es laut den Elternvertretern noch viele offene Fragen.

Vor allem die Beförderung der Hortkinder am Nachmittag zurück nach Jübar führt, so wie sie derzeit von der Verbandsgemeinde (VG) Beetzendorf-Diesdorf geplant ist, zu Problemen.

Denn: Viele der Eltern, deren Kinder die Hortangebote nutzen, arbeiten in Niedersachsen. Sie können nach eigener Darstellung schwer nach der Arbeit mit dem eigenen Auto die Kinder aus Klötze abholen.

Nach der Infoveranstaltung zum Jübarer Schulumbau am 16. Juni in Beetzendorf hatten sich die Eltervertretungen der Grundschule sowie das Kuratorium des Schulhortes Jübar mit einem Schreiben an VG-Hauptamtsleiterin Anja Schrader gewandt. Darin kritisierten Thomas Müller und Steffi Gütling, Mitglieder des Elterrates der ersten Klasse, sowie Cornelia Campe, Katharina Meyer, Doreen Busse und Bastian Behrend vom Kuratorium des Schulhortes die seitens der Verwaltung „enttäuschenden Informationen zum geplanten Umbau des Schulhortes“ sowie zur Beförderung der Kinder. „Hier zeigt sich wieder einmal das völlige Desinteresse der Verwaltung an einem Gespräch vorab. Sie haben ohne Abwägung der Machbarkeit den Bus bei der PVGS bestellt und lassen somit viele unserer Eltern mit größten Problemen zurück“, heißt es in dem Schreiben, das der AZ vorliegt.

Viele Eltern befürchten nun, dass sie im kommenden Schuljahr nicht mehr auf eine gesetzlich garantierte Ganztagsbetreuung zurückgreifen können. Somit sei eine Abholung der betroffenen Kinder eventuell im Rahmen der Schließzeiten nicht mehr möglich. Weiterhin sei der Fahrtweg nach Klötze für bedürftige Eltern finanziell unzumutbar. Die Befürchtung liegt nahe, dass ausgerechnet diese Eltern ihre Kinder vom Schulhort abmelden. Und das, obwohl gerade für diese Kleinen der Hort aus sozialen Gründen extrem wichtig sei, argumentieren die Elternvertreter. Sie intervenierten deshalb umgehend beim Magdeburger Sozialministerium, wo ihnen bestätigt wurde, dass sich Hortplätze (Tageseinrichtungen) in „zumutbar erreichbarer Entfernung“ befinden müssten.

Die Ausweicheinrichtung in Klötze ist aber 27 Kilometer entfernt. Viele der Elternvertreter äußerten in dem Brief an Anja Schrader ihr Befremden darüber, „mit welcher Arroganz Sie den Eltern den Transport ihrer Kinder auf eigene Rechnung erklärte.“ Im Gespräch mit der AZ wurden die Erziehungsberechtigten sogar noch deutlicher: „Die Verwaltungsspitze der VG ist nicht kritikfähig. Sie sitzt auf einem ganz schön hohen Ross und guckt von dort auf die Bürger herab“, verlautete es aus den Gremien der Elternvertreter von Hort und Schule in Jübar. Die fordern daher erstens den Einsatz von mindestens zwei Bussen am Nachmittag, die ohne Umsteigen durchfahren. Der zweite Bus soll erst gegen Ende des Schulhortes fahren. Zweitens den Einsatz des Hortbusses in der Ferienzeit inklusive der Übernahme der Kosten durch die VG. Und drittens eine Vermittlung durch das Jugendamt.

Falls die Anregungen nicht umsetzbar sind, fordern die Eltern, den Hort im kommenden Jahr unter Einbeziehung der Gemeinde Jübar und des Jugendamtes in der Region Jübar anzusiedeln. Am 26. Juni wurde dieses Schreiben per E-Mail an Hauptamtsleiterin Anja Schrader mit Bitte um Antwort bis zum 3. Juli verschickt. Die Antwort blieb aus. „Wir fühlen uns von der Verwaltungsspitze verschaukelt. So geht man nicht mit Bürgern um. Dabei rennt uns die Zeit davon und die Leidtragenden sind unsere Kinder“, fasst Thomas Müller vom Elternrat der ersten Klasse seine Kritik zusammen.

Probleme mit zeitnahen Antworten seitens der Verwaltung thematisierte auch Katharina Meyer: „Wir werden hier als Elternvertreter wie kleine Kinder behandelt. Die Verwaltung antwortet nicht, schiebt dann aber die Verantwortung auf andere Stellen ab.“ So wusste zum Beispiel die PVGS erst sehr spät über einen Bus-Einsatz in den Sommerferien Bescheid.

Viel Lob gab es indes seitens der Eltern für das Jübarer Hort-Team, das hier seit Jahrzehnten eine feste Größe darstellt. „Die vier Erzieher leisten eine super Arbeit für die 58 Kinder“, hieß es einmütig. VON KAI ZUBER

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