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Hobby-Historiker ersteigerte ein Stück Jübarer Geschichte

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Von: Kai Zuber

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Schiff auf dem Meer
1904 lief Gustav Gebhard als Sanitätssoldat in Hamburg mit dem Handelsschiff „Eleonore Woermann“ aus, während in der Kolonie der Herero-Kampf tobte. Seine Geliebte Emma Wolter wartete in Jübar. © Privat / Repro Kai Zuber

Liebesidyll und Drama liegen im Leben oftmals dicht beieinander. Dass beides sogar auf eine Postkarte passt, erfuhr Hobby-Historiker Hartmut Bock. Er ersteigerte mit dem historischen Post-Relikt über das Internet ein Stück Jübarer Geschichte gleich mit. Wie das kam und was bei seinen Recherchen an Licht gelangt ist, das erzählte der pensionierte Lehrer der AZ.

Jübar - Emma Wolter war im Jahre 1904 Dienstmädchen in Jübar und war bei dem Kaufmann August Delf im Dienst. Das junge Mädel hatte einen Freund, der Gustav Gebhard hieß und Sanitätssoldat war. Das Drama um die noch junge Liebe nahm ihren Lauf, als Gebhard seinen Dienst in der Ferne antreten musste.

Er diente bei der kaiserlichen Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia). 1904 lief er in Hamburg mit dem Handelsschiff „Eleonore Woermann“ aus, während in der Kolonie der Herero-Kampf tobte. „Liebes Herz, von Bord der Eleonore sendet Dir herzliche Grüße Dein Gustav.“

Die Feldpost, geschrieben am 19. Mai, ist gestempelt am 20. Mai 1904 in Hamburg. Am nächsten Tag war der Brief schon bei der Geliebten in Jübar. Besonders tragisch: In Deutsch-Südwestafrika tobte damals unter anderem die blutige Schlacht am Waterberg. Ich war drei mal da und habe mir auch die deutschen Soldatenfriedhöfe angesehen. Ob Gustav Gebhard damals das Schlachtengetümmel überlebt hat, ist leider nicht bekannt“, resümiert Hartmut Bock.

Hintergrund: 1884 wurde das deutsche „Schutzgebiet“ Deutsch-Südwestafrika errichtet. Bis 1914 kamen rund 15.000 weiße Siedler nach Deutsch-Südwestafrika, darunter mehr als 12.000 Deutsche. Die deutsche Kolonialverwaltung regierte das Gebiet zum Teil mit Unterdrückung und Rassentrennung. Einheimische Stämme wurden gezwungen, ihr Land zu räumen.

Lebenswichtiges Weideland ging so immer mehr in die Hände der Siedler über. Das bedrohte vor allem die Lebensgrundlage des halbnomadischen Hirtenstammes der Herero.

Friedhof
Ein alter Soldaten-Friedhof in Deutsch-Südwestafrika, den Hartmut Bock besuchte. Ob Gustav Gebhard den Herero-Kampf überlebt hat, ist nicht bekannt. © Privat / Repro Kai Zuber

Am 12. Januar 1904 begannen die Herero sich mit Angriffen auf koloniale Einrichtungen gegen die Unterdrückung zu wehren. Sie belagerten Militärstationen, blockierten Bahnlinien und überfielen Handelsniederlassungen. In den ersten Monaten des Kriegs dominierten die Herero die Auseinandersetzungen mit den deutschen Kolonialtruppen. Die Vertreter des deutschen Reiches waren von dem Aufstand überrascht.

Der Gouverneur Deutsch-Südwestafrikas, Theodor Leutwein, wurde angewiesen, den Aufstand militärisch niederzuschlagen. Im Mai 1904 wurde das Kommando auf Generalleutnant Lothar von Trotha übertragen. Von Trotha führte die Auseinandersetzungen gezielt als einen Vernichtungskrieg. Die 2000 Mann starken kaiserlichen Schutztruppen wurden durch 14.000 Soldaten verstärkt, die mit brutaler Härte gegen die Aufständischen vorgingen.

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