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Helfer hoffen auf Renaissance der Schienenstrecke Salzwedel–Klötze

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Von: Kai Zuber

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Bahnfans im Einsatz in Beetzendorf: Direkt am Beetzendorfer Bahnhof, der nur noch einer Ruine gleicht, wollen sie ein Zeichen setzen zum Erhalt der Strecke Salzwedel–Klötze. © Zuber, Kai

Mit Astscheren und Sägen rückten am Sonnabend in Beetzendorf Eisenbahnfreunde den auf den Gleisen wachsenden Birken, Brombeeren und Pappeln zu Leibe. Am Beetzendorfer Bahnhof hoffen die Helfer um Thorsten Hensel auf eine Renaissance der Schienenstrecke. Hensel ist Vorsitzender des Fördervereins Jeetze(l)talbahn.

Beetzendorf – „Wir wollen mit dem Arbeitseinsatz in der Öffentlichkeit ein Signal setzen, dass wir uns weiter für diese Strecke einsetzen“, sagt der Aktivist mit der Astschere in der Hand. Ziel sei nicht nur eine Reaktivierung der Bahnstrecke bis Oebisfelde, sondern dann auch weiter bis zum Anschluss in Wolfsburg und sogar darüber hinaus. „Nur das würde Sinn machen“, so Thorsten Hensel.

Die Eisenbahnfreunde haben indes weitere Arbeitseinsätze in Aussicht gestellt, auch bei Arendsee. Hintergrund: Der Bahnstrecke Salzwedel-Klötze droht ab September die Stilllegung, falls die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) nicht weiter investieren sollte beziehungsweise keinen neuen Betreiber findet.

„Wir haben das Problem aktuell auf dem Schirm und suchen nach geeigneten Lösungen, um einen Kompromiss mit dem Land Sachsen-Anhalt zu finden“, kommentiert Hensel die Situation. Vor etwa fünf Jahren fuhr auf der Strecke der letzte Zug zum Klötzer Martinimarkt. Nun muss die Pächterin der Strecke, die DRE, bis Ende August einen neuen Betreiber finden. Ansonsten droht laut Thorsten Hensel die Stilllegung der Strecke, die der Deutschen Bahn gehört. Was diese danach mit der Verkehrsverbindung macht, ist ungewiss. Die Verschrottung der Gleise droht also im schlimmsten Falle.

Doch: Die DRE hat noch einen Trumpf auf der Hand, denn der Pachtvertrag läuft immerhin noch bis 2024. Dennoch macht das Land Druck in Sachen Investitionen, und die DRE muss die Befahrbarkeit der Strecke, die zur Zeit aus technischen Gründen gesperrt ist, wiederherstellen, da ansonsten eine Zwangsgebühr fällig ist.

Doch die riesigen Investitionssummen (60 bis 90 Millionen Euro) kann die DRE nicht aufbringen. 30 000 Euro, so erfuhr die AZ, sind jährlich allein für die Verkehrssicherung notwendig, und Einnahmen gibt es kaum. Fazit: Weil kein anderer Betreiber für die Strecke in Aussicht ist, wäre ein Stilllegungsantrag ein möglicher Ausweg.

Zunächst müsse die Zwangsinvestition vom Tisch: „Wir sind aber mit Sachsen-Anhalts Verkehrsministerin Lydia Hüskens im Gespräch und es gibt einen Termin in den nächsten Tagen, denn wir brauchen diese Strecke für eine später durchgehende Schienenverbindung von Lüneburg nach Wolfsburg – und zwar für den Personen- und Güterverkehr“, betonte Thorsten Hensel. Die sei für die westliche Altmark eine große Chance, hieß es vor dem Hintergrund einer geplanten Resolution zum Erhalt der Strecke.

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